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Neue Ideen, bitte – aber schnell!

Hochschule Weserbergland mit Workshops nach Methode „Design Thinking“

HAMELN. Die Aufforderung „sei kreativ!“ funktioniert in etwa so gut wie „sei spontan!“ – nämlich nicht. Auf Befehl und unter Zeitdruck brauchbare Ideen zu entwickeln, die eine Abteilung oder womöglich noch das gesamte Unternehmen voranzubringen, Produkten oder Prozessen das entscheidende Etwas zu verpassen, ist kaum machbar. Die Hochschule Weserbergland bietet seit einiger Zeit Workshops an, die den Titel „Design Thinking“ tragen, das Menschen in ihrer Kreativität auf die Sprünge helfen soll. Sonya Schlüter arbeitet als Coach an der HSW und erklärt, was dahintersteckt, für wen es geeignet ist und was damit erreicht werden kann.

veröffentlicht am 06.01.2019 um 22:06 Uhr

Im Design Thinking lernen die Teilnehmer „wie viel Spaß es machen kann, Fehler zu machen und aus ihnen gute Ideen zu entwickeln“. Die HSW bietet dazu Workshops an. Foto: Peter Teschner/PR
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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„Design Thinking ist eine schnelle und lösungsorientierte Methode“, die den Kundenwunsch in den Mittelpunkt rücke, erklärt Sonya Schlüter. Kunde kann dabei der tatsächliche Endkunde für ein Produkt sein, aber auch der Kollege einer anderen Abteilung, der auf Ergebnisse wartet. Das lässt zunächst einmal an klassisches Marketing denken.

Das entscheidende Element dieser Methode, die Ende der 1980er entwickelt wurde, ist nach Schlüters Ausführungen, dass die Teilnehmer sich so dicht wie möglich in die Welt ihres Kunden begeben. „Geh hin!“, lautet die Devise, wenn es beispielsweise darum geht, einen Stuhl für Studenten zu entwickeln oder ein bestimmtes Produkt im Supermarkt besser zu platzieren. „Geh hin!“ – in die Uni, in den Supermarkt, „in die Welt deines Kunden“. Kommt der Idealfall, vor Ort zu sein, nicht in Frage, kann auch „mit der Fantasie reingegangen werden, zum Beispiel mit der Entwicklung von „personas“. „Das sind fiktive Charaktere der Kunden, denen verschiedene Attribute wie Alter, Geschlecht, Beruf, Lebensgewohnheiten und Werte zugeordnet werden. So werden mit Empathie die Wünsche der Nutzer erfasst.“

Das Online-Nachschlagewerk Wikipedia liefert diese Erläuterung zum „Design Thinking“: „Das Verfahren orientiert sich an der Arbeit von Designern, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird.“ Die Fragestellungen, mit denen Teilnehmer zu ihr kommen können, „sind vielfältig“, sagt Sonya Schlüter. Beispielsweise soll die Zusammenarbeit von drei Fachabteilungen oder ein Service für Kunden verbessert werden. Auch Produkte können auf den Prüfstand kommen oder Innovationsprozesse.

Sonya Schlüter hat sich zum Design-Thinking-Coach ausbilden lassen und bietet an der Hochschule Weserbergland entsprechende Workshops für Unternehmen und die eigenen Leute an. FOTO: HSW
  • Sonya Schlüter hat sich zum Design-Thinking-Coach ausbilden lassen und bietet an der Hochschule Weserbergland entsprechende Workshops für Unternehmen und die eigenen Leute an. FOTO: HSW

Mit idealerweise mindestens vier Leuten, die aus unterschiedlichen Disziplinen kommen, geht es los. Am Anfang steht ein Einführungsworkshop. Mittels verschiedener Kreativmethoden werden Ideen entwickelt, um sich dem Ziel zu nähern. Sechs Prozessschritte werden insgesamt durchlaufen. Ganz entscheidend: Kritiker müssen die Luft anhalten, also jene, die schnell dabei sind, eine Idee, eine Aussage, einen Ansatz zu bewerten. „Viele müssen erst lernen, verrückte Ideen nicht gleich als falsch abzustempeln, sondern den guten Kern in ihnen zu entdecken. Das Ergebnis muss nicht perfekt sein.“ Im Design Thinking lernen die Teilnehmer, „wie viel Spaß es machen kann, Fehler zu machen und aus ihnen gute Ideen zu entwickeln – erst die Idee aussprechen, dann zeigen, dann bewerten“, führt Sonya Schlüter aus. Das „Zeigen“ setzt voraus, dass die Teilnehmer vorher entweder eine Skizze angefertigt, ein Modell, einen Prototyp aus Knete, Legosteinen, mit Luftballons oder buntem Papier erstellt haben.

Der gesamte Prozess sei gekennzeichnet von der schnellen Generierung neuer Ideen – diese innovative und dynamische Vorgehensweise werde auch im digitalen Umfeld verlangt und genutzt. Die Dauer eines Workshops variiert und hängt von den Vorkenntnissen der Teilnehmer ab. Manche kämen mit zwei Stunden aus, manchmal dauere es zwei Tage. Sonya Schlüter berichtet von einem eindrucksvollen Beispiel, bei dem Design Thinking vor einigen Jahren angewendet wurde. „Ein Ingenieur sieht, dass Kinder im MRT sediert werden müssen und denkt: Das muss anders werden!“ Am Ende des Design-Thinking-Prozesses war klar: „Wir machen daraus ein Abenteuer!“ Jetzt begeben sich die Kinder in der Radiologie nicht einfach ins MRT, sondern auf ein Piratenschiff oder auf Weltraumreise – weil das laute, bei einigen Angst auslösende Gerät entsprechend kindgerecht umgestylt werden kann.


Info: Die Hochschule Weserbergland bietet einen zweitägigen Design-Thinking-Workshop für Einsteiger an am 27./28. Februar 2019. Anmeldungen sind bis zum 29. Januar möglich über anmeldung@hsw-hameln.de. Die Kosten für zwei Tage betragen 990 Euro.



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