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Haarrisse im Stahlbeton der Münsterquere: Gelingt Baufirma und Auftraggeber außergerichtliche Einigung?

Hin und Her beim Brückenstreit

HAMELN. Schon seit gut vier Jahren rollt der Verkehr über den neugebauten Westteil der Münsterbrücke. Fast ebenso lange grollt der Bauherr, weil die Quere einen erheblichen Mangel aufweise. Für den 18. Februar ist nun in Hannover bei einer speziellen Einrichtung für solche Streitfälle ein Gespräch der Beteiligten angesetzt.

veröffentlicht am 27.01.2017 um 15:11 Uhr

Haarrisse im Stahlbeton der Münsterbrücke machen den Fachleuten der Baubehörde Sorgen. Um die Nachbesserung und deren Bezahlung wird seit Jahren mit dem Bauunternehmen gestritten. Gibt es nun in Kürze eine Einigung? Foto: Dana
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Es ist der Versuch einer außergerichtlichen Einigung“, erklärt Markus Brockmann, Leiter des Hamelner Geschäftsbereiches der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die sogenannte VOB-Stelle werde danach eine Entscheidung fällen, die für die Landesbehörde bindend ist; die Firma hingegen könnte danach noch den Klageweg beschreiten.

Zwar erfüllt das markante Stahlbetonbauwerk in Hameln seinen Zweck, oberflächlich betrachtet. Aber die Fachleute der Straßenbaubehörde haben auch ganz genau auf die Unterseite geschaut. Seitdem läuft mit dem Generalunternehmer ein Streit um feine Risse im Beton, die Ursache und Verantwortung dafür und zeitweise auch über die Art der Beseitigung. Bei der federführenden Firma Hofschröer in Lingen, die den Brückenschlag in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Stahlbau Dessau GmbH vollzogen hat, will sich derzeit zwar niemand öffentlich zu dem Vorgang äußern. Aber offenbar wird die Rissbildung dort als „normal“ und „systembedingt“ gesehen – und den Hamelnern eine gewisse Pedanterie unterstellt. Währenddessen betont die Baubehörde, einen ausgewiesenen Brückenexperten im Team zu haben. Der habe schon während der Bauphase immer wieder auf Unzulänglichkeiten bei der Ausführung hingewiesen.

Die Angelegenheit ist haarig: Die Risse könnten, wenn sie die Breite von 0,2 Millimetern überschreiten, laut Auftraggeber langfristig die Stabilität der Brücke beeinflussen. Denn wegen des Luftspalts könne der Stahl im Beton leiden. Das würde dann die Lebensdauer des Bauwerkes verkürzen. Die verlangte Reparatur ist langwierig und kostet „einen sechsstelligen Betrag, vielleicht 300 000 Euro“, wie Brockmann schätzt.

Hofschröer hat im Jahr 2014 mit der Nachbesserung begonnen, will jetzt aber Geld dafür sehen und auch die noch anstehenden zwei Drittel der Arbeiten bezahlt haben. Die Landesbehörde pocht auf das Verpressen der Risse mit Epoxidharz und will keine billigere oberflächliche Versiegelung; und Geld vom Bund als Eigentümer soll es dafür nicht geben. Hofschröer hingegen hat von Fachleuten ein Gutachten anfertigen lassen. Die dritte Ergänzung ist in dieser Woche in Hameln eingegangen. „Das Ergebnis wird von der Landesbehörde in einigen Bereichen weiterhin nicht geteilt“, sagt Brockmann. Er stütze sich hierbei zusätzlich auf Spezialisten seiner Behörde in Hannover aus der Abteilung für Großbrücken. Das vorgelegte Gutachten sei ja auch parteilich und damit nicht für Schiedsverfahren geeignet. Die Landesbehörde selbst plant – schon aus Kostengründen – kein Gegengutachten, solange der Fall nicht vor Gericht gelandet ist.

Unabhängig von den anstehenden Gesprächen und dem weiteren Verfahren peilt Brockmann für dieses Jahr den Abschluss der Reparatur an der Brückenunterseite an. „Gegebenenfalls werden wir die Arbeiten an eine andere Firma vergeben und versuchen, uns das Geld zurückzuholen.“

Die Brücke zwischen dem Steinwerder und dem Klütviertel hat insgesamt 10 Millionen Euro gekostet. Straßenbauaufträge sind meist so eng kalkuliert, dass größere Garantiearbeiten schmerzlich ins Kontor schlagen. Die Lingener haben schon viele Brücken errichtet, der Auftrag aus der Rattenfängerstadt gehört aber auch für sie zu den ganz großen Fischen.

Information

Wenn Baubeteiligte uneins sind

Mit der VOB-Auslegungs- und Beratungsstelle unter Vorsitz des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums praktiziert das Land eine freiwillige Streitschlichtung bei öffentlichen Bauaufträgen. Bei Meinungsverschiedenheiten im Rahmen von VOB-Verträgen – also Vereinbarungen gemäß der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – werden von diesen Experten Stellungnahmen abgegeben, um so zwischen Auftraggeber- und Auftragnehmerseite zu vermitteln.

Dem Gremium gehören Vertreter der Landesverbände von Bauindustrie, Baugewerbe und Handwerk sowie oberster Landesbehörden an. Seine Stellungnahmen werden üblicherweise als Grundlage für die Lösung der Differenzen herangezogen. Die VOB-Stelle erfüllt damit außerhalb der Gerichtsbarkeit eine dem Rechtsfrieden dienende Funktion. Die VOB-Stelle kann sowohl vom Auftraggeber als auch vom Auftragnehmer angerufen werden. red



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