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Gestern gab’s schulfrei im Landkreis Hameln-Pyrmont / Schüler per SMS bestens informiert

„Himmel, ist das glatt“ – das Eis und die Folgen

Hameln (ube/ni/bha). Wer gestern Morgen beim Zusammentreffen mit anderen als Erster das Wort ergriff, konnte jede Menge Bestätigung ernten. Auf ein „Himmel, ist das glatt!“ gab es wahlweise „Aber echt!“, „Bei uns auch!“ oder „Wahnsinn!“ als Reaktion. Nur, wer zu Hause blieb, konnte nicht mitreden. Ansonsten waren Gespräche über spiegelglatte Straßen und blanke Eisflächen auf Fußwegen hoch im Kurs. Und wer Pech hatte, hat noch länger was von der Rutschpartie.

veröffentlicht am 06.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 09:21 Uhr

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Kaputte Gelenke, Schulter, Knöchel – sechsmal mussten die Chirurgen im Sana-Krankenhaus in Hameln gestern Hand anlegen, um Glatteis-Opfern zu helfen. Verhältnismäßig wenig: „Die Leute waren offenbar auf dieses Wetter vorbereitet“, vermutet Oberärztin Anja Franck. Vor allem in den Nebenstraßen und an Steigungen war es extrem glatt, Busse fuhren nicht mehr, Pkw-Fahrer trauten sich aber offensichtlich auf die Straßen.

Die Leitstelle der Polizei registrierte am Vormittag aber lediglich sechs Glätte-Unfälle mit Blechschäden im Kreisgebiet. Größere Probleme wurden allerdings aus Klein Berkel gemeldet: An der Grabbestraße, an der Berkeler Straße und am Kirchbrink ging zeitweise nichts mehr. Reifen drehten durch, Fahrzeuge rutschten weg – und ineinander. Bei zwei Unfällen, die sich auf einer Gefällstrecke von nur 50 Metern ereigneten, wurden auf der Grabbestraße sechs Fahrzeuge teils erheblich beschädigt. „Fast wären wir nicht bis zum Unfallort gekommen, so glatt war es dort“, erzählt eine Polizistin. „Man konnte sich dort nicht auf den Beinen halten“, sagt ein Zeuge. Ein Autofahrer, dessen Opel sich auf dem vereisten Kirchbrink selbstständig gemacht hatte, stieg nach Ende der Rutschpartie aus, stürzte kurz darauf zu Boden und verletzte sich an der Hand.

Der Winterdienst musste den Autofahrern zu Hilfe eilen. Zwei Lastwagen stellten sich um 4.48 Uhr auf der B 1 quer. „Bis Benstorf war die Fahrbahn okay. Die Straßenmeisterei hat hier im Kreis einen guten Job gemacht“, sagte ein Kommissar. „Erst im Hildesheimer Bereich sei es spiegelglatt gewesen.“ Auch auf der B 1 entschärfte Auftausalz die Lage. „Um 5.28 Uhr rollte der Verkehr wieder.“

Um diese Zeit lag Marina Fischer (16) noch im Bett; um 6.26 Uhr dann bekam sie von einer Freundin die frohe Botschaft per SMS: „Hej, schulfrei!“ Nicht ans Albert-Einstein-Gymnasium, nicht sechs Stunden Unterricht, stattdessen ab in die Stadt zum Bummeln. Denn: Für die Schüler im Landkreis rollte nichts. 99 Busse der Öffis blieben, wo sie waren. Um 5 Uhr hatte die Leitstelle die Meldung rausgegeben: „Schulfrei!“ SMS, SchülerVZ, Radio – Nachrichten dieser Art verbreiten sich schnell. Der elfjährige Leonhard Maximilian vom Schiller-Gymnasium setzt auf eine andere Quelle: Die Internet-Adresse der Verkehrsmanagement-Zentrale gehört zu seinen Favoriten. „Bis 8 Uhr ging nichts!“, erzählt Öffi-Geschäftsführer Carsten Busse. Und so herrschte in Hamelns Schulen gestern gähnende Leere. Nur vereinzelte Ahnungslose trudelten in den Schulen ein, weil die Nachricht sie nicht erreicht hatte. „Die Älteren nehmen’s erfreut zur Kenntnis und machen auf dem Absatz kehrt“, erzählt der Leiter der Südstadtschule, Manfred Wilcken. Die wenigen Grundschüler, die sich bis zur Eingangstür verirren, kommen zumeist an Mamas Hand und ziehen in sicherer Begleitung wieder ab.

In der Pausenhalle der Basbergschule ist um 11 Uhr zwar niemand zu sehen, aber Kindergeplapper zu hören. In einem Raum am Ende des Ganges sitzen acht Schüler zusammen mit Michael Schliszio im Kreis. „Wir spielen“, antworten sie artig auf die Frage, was sie denn gerade tun. „Ich habe nicht mitgekriegt, dass keine Schule ist“, erklärt ein Mädchen aus der Runde. Die anderen nicken. Der kleine Viktor hat es vom Hausmeister der Schule erfahren – aber da war es schon zu spät. „Ich habe es meiner Mama noch zugerufen, aber die saß schon im Auto und hat es nicht gehört und ist einfach weggefahren.“ Viktor klingt, als wäre er gern mit Mama wieder nach Hause gefahren.

Ganz anders Rosa. Die Viertklässlerin hockt in der Spielecke eines Klassenzimmers der Grundschule Rohrsen vor einem Puppenbett, um sie scharen sich Tim, Jan und Phillip aus der ersten, zweiten und dritten Klasse. „Wir spielen Vater, Mutter, Kind“, erklärt Rosa und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Nein, sie wäre nicht lieber zu Hause geblieben, sagt sie; und schiebt, als sie den fragenden Blick registriert, ein bestimmtes: „Hier ist es besser“ als Erklärung nach.

Deutlich mehr Betrieb als in den Klassenräumen herrscht zur gleichen Zeit in den Lehrerzimmern. Die Tische mit Papieren übersät, eingestreut zwischen Lehrerkalendern und Klassenbüchern die eine oder andere Keksdose – Reste vom Fest. An fast allen Schulen steht statt Unterricht spontan „Dienstbesprechung“ auf dem Stundenplan. „Die hatten wir auch schon am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien“, sagt Schulleiterin Hariet Oetke-Böhm. Die Besprechung fällt darum kürzer aus, und die Pädagogen nutzen die übrige Zeit, um sich in Arbeitsgruppen mit speziellen Fragen zu beschäftigen. Die Klassenräume „mal gründlicher sauber gemacht und die Weihnachtsdekoration weggeräumt“ haben sie schon vorher.

Auch die Busfahrer haben geduldig in Afferde auf ihren Einsatz gewartet. „Zum Glück haben wir neue Aufenthaltsräume“, sagt Busse. Da steht sogar ein „Kicker“. Um 10 Uhr dann kam die offizielle Entwarnung: Alle Busse fahren wieder. Und sollte es heute keine böse, sprich glatte Überraschung geben, ist heute wirklich der erste Schultag.



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