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Unpassierbare Gehwege und Rasenflächen

Hilflos gegen Hundekot?

HAMELN. Der Ärger über Hundekot auf Gehwegen und öffentlichen Rasenflächen ist ein Hamelner Dauerthema. Jetzt kochen gerade in Klein Berkel die Emotionen hoch: Hundekot auf dem Adlerstieg so weit das Auge reicht. Wie können Bürger und Stadt nur Herr dieses lästigen Problems werden?

veröffentlicht am 13.02.2018 um 12:01 Uhr
aktualisiert am 13.02.2018 um 16:00 Uhr

Kinder der Kita Barchusen in Klein Berkel müssen am Adlerstieg vor lauter Hundehaufen Slalomlaufen. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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„45 Hundehaufen habe ich gezählt“, sagte jemand in der letzten Einwohnerfragestunde des Ortsrats Klein Berkel.

Tags drauf macht sich die Redaktion selbst ein Bild von der Situation. Tatsächlich reiht sich auf dem Adlerstieg, dem schmalen Fußweg, der Talstraße mit der Schulstraße verbindet, Hundehaufen an Hundehaufen. Man gut, dass die gefroren sind, den winterlichen Temperaturen sei Dank – dann ist die Luft beim Fehltritt weniger dick. „Vorsicht, Kinder, hier sind überall Hundehaufen, tretet da nicht rein!“, ruft es plötzlich von oberhalb der steilen Treppen herab.

Es ist Cordt Schünemann. Er ist Erzieher in der angrenzenden Kindertagesstätte (Kita) Barchusen. Dreimal die Woche geht es für die Kinder zum Sport die Treppen rauf, wo sich die Turnhalle der Grundschule befindet, und wieder runter. Ein Slalomlauf, bei dem es darauf ankommt, möglichst in keinen der vielen Hundehaufen zu treten. Für die Kinder vielleicht noch als Spiel auszulegen, für Cordt Schünemann bedeutet es zusätzliche Arbeit. „Vorsicht!“, ruft er wieder.

Hundehaufen so weit das Auge reicht – für die Kita-Kinder bedeutet das einen Slalomlauf. Foto: pk
  • Hundehaufen so weit das Auge reicht – für die Kita-Kinder bedeutet das einen Slalomlauf. Foto: pk

Oberhalb der Treppe gibt es einen Spender: für Hundekotbeutel. Das von der Stadt installierte Metallgestell ist unübersehbar, orangefarben und etwa einen Meter hoch. „Der wird von einer Mutter aus dem Kindergarten aufgefüllt“, sagt Schünemann. Doch offensichtlich wird der nur äußerst unzureichend genutzt. Zumindest sprechen die unzähligen Hundehaufen eine andere Sprache.

„Die Hundebesitzer sind oft bissiger als ihre Hunde“, sagte eine Frau in der Einwohnerfragestunde des Ortsrats zu dem Vorschlag der Verwaltung, die Hundehalter an ihre Pflicht, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere entfernen zu müssen. Doch viele scheren sich buchstäblich einen Dreck darum. „Der Triftweg ist das reinste Hundeklo“, klagt eine Leserin aus Afferde. Ihre Meldung an das Ordnungsamt habe keine Konsequenzen nach sich gezogen. Wie können Bürger und Stadt nur Herr dieses lästigen Problems werden?

Der Wink aus dem Ortsrat Klein Berkel ist bei der Stadtverwaltung angekommen. „Unser Außendienst ist bereits vor Ort gewesen und hat festgestellt, dass es dort sehr heftig aussieht“, teilt Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage mit. Die Stadt nehme „das Problem sehr ernst“, der Außendienst werde nun „regelmäßig vor Ort präsent sein“. Allerdings sei keine Rund-um-Uhr-Überwachung möglich, daher seien die Möglichkeiten der Stadt letztlich begrenzt. „Verunreinigungen durch Hundekot geschehen meist dann, wenn gerade niemand in der Nähe ist und sich Hundehalter unbeobachtet fühlen“, erklärt Wahmes.

Hundebesitzer, die auf frischer Tat dabei ertappt werden, wie sie die Hinterlassenschaft ihres Hundes in der Öffentlichkeit zurücklassen, werden zur Kasse gebeten. „Es muss bei einem erstmaligen Verstoß ein Verwarngeld in Höhe von 25 Euro gezahlt werden“, so der Stadtsprecher.

Verbotsschilder aufzustellen, wie etwa zwischen Bartenhauerweg und Leinenweberstraße in Wangelist, hätte sich als wenig ergiebig erwiesen. „Wir planen nicht, solche Schilder flächendeckend aufzustellen, weil die Wirkung nach unserer Einschätzung gering ist“, sagt Wahmes. Jeder Hundehalter wisse doch, was zu tun beziehungsweise zu unterlassen sei. Dafür bedürfte es keiner Schilder.

Heißt: Am Ende müssen die Anwohner die Hinterlassenschaften fremder Hunde selbst beseitigen. Denn laut Straßenreinigungssatzung sind die Grundstückseigentümer in der Pflicht, Hundekot und anderen Dreck auf den Gehwegen, die vor ihrem Grundstück verlaufen, zu entfernen.

Am Adlerstieg ist zu einem Großteil die Stadt Anlieger. Der Weg werde turnusmäßig gereinigt.

Information

„Und wofür zahlen wir Hundesteuer?“

2976 Hunde sind derzeit bei der Stadt Hameln gemeldet. Die Steuer wird nach der Anzahl der gehaltenen Hunde bemessen. Sie beträgt jährlich 108 Euro für den ersten Hund, 156 Euro für den zweiten und 192 für jeden weiteren Hund. Für jeden „gefährlichen Hund“ wird eine Steuer in Höhe von 738 Euro fällig. Gefährliche Hunde sind solche, bei denen die erhöhte Gefahr einer Verletzung von Personen besteht oder von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen kann oder bereits ausging, so Stadtsprecher Thomas Wahmes. Die Hundesteuer ist eine Gemeindesteuer, die an keine bestimmte Leistung gebunden ist. „Sie wird von den Städten und Gemeinden also nicht dafür verwendet, Hundekot von den Straßen zu beseitigen“, betont Wahmes. Die Abgabe für die Hundehaltung dient dazu, sämtliche kommunalen Aufgaben zu finanzieren und die Zahl der Hunde zu begrenzen.pk



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