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Betreuungsverein Hameln feierte Jubiläum

Hilfe im Alltag – seit 25 Jahren

HAMELN. Ein junger, drogenabhängiger Mann bekommt Wahnvorstellungen und Panikattacken. Er kann sich weder um seinen Haushalt kümmern, noch um seine finanziellen Angelegenheiten und braucht dringend Hilfe. Für den Betreuungsverein Hameln sind Fälle wie dieser alltägliches Geschäft – und das seit inzwischen 25 Jahren.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 15:08 Uhr

Bei der 25-Jahr-Jubiläumsfeier klagte Geschäftsführer Martin Bischof (l.) über ein zu geringes Budget für den Betreuungsverein Hameln. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Denn nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie ist der Mann noch immer auf Unterstützung angewiesen.

Nach dem alten Vormundschaftsrecht, das bis 1992 galt, hätte der Mann, genau wie Menschen, die unter einer Demenz oder Behinderung leiden, einfach einen Vormund bekommen, der alle Angelegenheiten für ihn bestimmt – ungeachtet dessen was er selber will. Erwachsene Menschen mit Einschränkungen wie Kinder zu behandeln, damit machte das 1992 eingeführte Betreuungsgesetz Schluss. Die Betroffenen sollten künftig über ihr Leben mitbestimmen können. Um den schwierigen Spagat zwischen Betreuung und Mitbestimmung, Bevormundung und Teilhabe besser bewältigen zu können, gründete sich vor 25 Jahren der Betreuungsverein Hameln, der dieses Jubiläum mit Gästen aus Politik und Gesellschaft feierte.

Die Herausforderung besteht darin, den Betroffenen genügend Hilfestellungen zu geben und dabei gleichzeitig nicht über ihren Kopf hinweg zu entscheiden. Die meisten Betreuten wohnen alleine und bekommen zum Beispiel Hilfe beim Umgang mit ihren Finanzen oder bei rechtlichen Angelegenheiten. Auch die Bewältigung des sozialen Miteinanders mit anderen Menschen erfordert häufig die Unterstützung durch die ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Betreuer. Doch damals wie heute leidet der Verein unter geringen Finanzen, während die Aufgaben gleichzeitig umfangreicher werden.

1992 musste der heutige Geschäftsführer Martin Bischof noch sein eigenes Regal in das kleine Fachwerkhaus mitbringen, in dem der Betreuungsverein seine erste Geschäftsstelle hatte. „Sehr schlicht und improvisiert“ sei es damals gewesen, erinnert sich Bischof. Heutzutage sei die Situation besser. Zu wenig Geld, die Flüchtlingskrise und ein neues Gesetz sorgen jedoch dafür, dass der Verein sich nicht auf den gewachsenen Strukturen ausruhen kann. Das jüngst teilweise in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz soll die Mitbestimmung und die Rechte von Betreuten weiter stärken – auch im stationären Bereich. „Mir ist schleierhaft, wie man das mit den Personalressourcen schaffen will“, sagt Bischof. Das Geld sei knapp und die Räumlichkeiten gerade so ausreichend, denn vor sieben Jahren hat der klamme Landkreis dem Betreuungsverein das Budget um fast die Hälfte gekürzt. Trotzdem bekam der Verein im Mai 2016 Zuwachs. Die neue Mitarbeiterin Katharina Pfeiffer zog in das letzte freie Büro ein und kümmert sich seitdem um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – eine ganz neue Herausforderung für den Verein.

„Wir haben mehrere Jahre hintereinander keine schwarzen Zahlen mehr schreiben können“, klagt Bischof. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung auf mehr Geld: Landrat Tjark Bartels teilte auf der Jubiläumsfeier mit, dass im neuen Haushaltsentwurf ein größeres Budget für die Beratungs- und Informationsangebote des Vereins eingeplant worden sei – allerdings müssen die Kreispolitiker dem Entwurf noch zustimmen. Für die Betreuungsleistungen hat der Bundestag eine Erhöhung der Vergütungen beschlossen, dabei hat der Bundesrat aber demnächst noch ein Wort mitzureden. Bischof bereiten die ausstehenden Entscheidungen noch Kopfzerbrechen, doch er hofft auf das Beste.

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