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Ab Juli gibt es eine Ansprechpartnerin in tündernscher Unterkunft / Umzug nicht geplant

Hilfe für Obdachlose

HAMELN. Eineinhalb Jahre ist es her, dass die Dewezet über erbarmungswürdige Zustände in der Obdachlosenunterkunft an der Tündernschen Straße 4 berichtete. Nun soll sich einiges ändern. Neben neuem Mobiliar soll es bald eine Sprechstunde für Obdachlose geben.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 12:57 Uhr
aktualisiert am 12.06.2018 um 18:40 Uhr

In der Obdachenlosenunterkunft soll sich einiges ändern: eine bessere Ausstattung und eine Ansprechpartnerin (unten) sollen den Bewohnern bald zur Verfügung stehen. Foto: Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Die Bewohner lebten mit einer feuchten Hauswand, Schimmel, Möbel gab es kaum. Schwieriger als die äußeren Bedingungen noch war das soziale Miteinander in der WG, die fast ausschließlich aus Männern bestand. Streit war an der Tagesordnung, die multiplen Probleme der Bewohner spiegelten sich in der chaotischen, teils vermüllten Unterkunft wider.

Ortsbürgermeisterin Elke Meyer räumte ein, dass man das Problem unterschätzt habe. Sie regte an, zusammen mit dem Landkreis ein Betreuungsmodell zu schaffen, denn die Stadt ist nur verpflichtet, eine Unterkunft als letztes Mittel zur Abwendung von Obdachlosigkeit zur Verfügung zu stellen. Aufsuchende Sozialarbeit – also Hilfen für Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten – ist beim Landkreis angesiedelt.

Der große Wurf ist zwar bei den Bemühungen beider Behörden noch nicht herausgekommen, aber es wird ab dem 1. Juli zweimal pro Woche für je eineinhalb Stunden eine „mobile Sprechstunde“ geben. Lisa Heine, die im Tagestreff des Senior-Schläger-Hauses tätig ist, wird die Aufgabe übernehmen. Finanziert wird der Stellenanteil mit rund 8300 Euro aus zwei Hamelner Stiftungen. Der Rahmenvertrag, den der Landkreis Hameln-Pyrmont mit dem Diakonischen Werk abgeschlossen hat, wird entsprechend erweitert. Die Finanzierung ist zunächst auf ein Jahr begrenzt.

Lisa Heine übernimmt ab Juli die Sprechstunde.Foto: Wal
  • Lisa Heine übernimmt ab Juli die Sprechstunde.Foto: Wal

Heine bringt Erfahrungen aus der Straßensozialarbeit in Hameln mit, oft seien es die gleichen Klienten, die nach Tündern kommen, sagt sie. Sie hat sich für das Hilfsangebot stark gemacht, „weil die Menschen vor Ort jemanden brauchen, der ihre Problemlagen sondiert, mit ihnen über Anliegen spricht.“

Zu ihren Aufgaben wird es auch gehören, Probleme zu erkennen, die das Wohnen betrifft – wie zum Beispiel Schimmelbildung durch unregelmäßiges oder falsches Lüften –, denn an Tündern will die Stadt festhalten.

„Es gibt keinen Zweifel am Standort“, sagt Stadträtin Martina Harms. Der runde Tisch Obdachlosigkeit hatte in der Vergangenheit kritisiert, dass eine Unterkunft näher an Hameln günstiger sei. Harms sieht das nicht so, denn das einstige Armenhaus in Tündern habe einen großen Vorteil: Es sei bei den Anwohnern akzeptiert.

Als Alternative war auch das ungenutzte Gebäude in der Wangelister Werkstraße (ehemals Akademie Überlingen) ins Spiel gebracht worden. Es gehört der Stadt und soll weiterhin als mögliche Flüchtlingsunterkunft vorbehalten werden. Zumindest was die Entfernung betrifft, mache das aber keinen großen Unterschied: von dort sind es 4,9 Kilometer ins Zentrum, von Tündern aus 5,4, „das ist mehr eine gefühlte Entfernung“, sagt Harms. Der entscheidende Grund, weswegen keine Verlagerung von Tündern an die Werkstraße erfolgen könne sei jedoch, dass regelhaftes Wohnen dort nicht möglich sei, für eine Flüchtlingsunterkunft funktioniere das nur mit vorübergehender Ausnahmegenehmigung.

„Bei der Immobilie bleiben wir weiter am Ball“, sagt Harms, bis dahin arbeite man in kleinen Schritten an Verbesserungen. Dazu gehört auch die Schaffung von Kochgelegenheiten im Haus, das für 14 Personen ausgelegt ist, derzeit wohnen dort acht bis neun Personen. Die Zimmer werden mit Schrank, Bett und Stuhl von der Stadt ausgestattet, nach einem Auszug erfolgt eine Grundrenovierung.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Klar, es ist noch Luft nach oben bei der Unterbringung der Obdachlosen. Ein Haus, das von der Substanz besser ist, wäre gut. Aber: Stadt und Landkreis haben Hand in Hand gearbeitet. Der erste Schritt ist getan. Jetzt heißt es: am Ball bleiben!

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