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So funktioniert eine Typisierung

Hilfe für den kranken Ziwar

HAMELN. Ziwar Cheikho leidet an einer schweren Bluterkrankung und benötigt eine Stammzellenspende. In anderthalb Wochen findet deshalb eine große Typisierungsaktion für den zehnjährigen Syrer statt. Aber wie läuft eine solche Typisierung eigentlich ab? Wir haben Fragen und Antworten zu dem Thema zusammengetragen.

veröffentlicht am 06.09.2016 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:25 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

Ziwar Cheikho sucht seinen genetischen Zwilling. Der zehnjährige Syrer, der zusammen mit seinen Eltern Ammar und Rojin sowie seinen Brüdern Simaf und Mohammad in Hameln wohnt, leidet an einer schweren Blutkrankheit. Medikamente helfen kaum noch. Nur eine Stammzellenspende kann dem Jungen, der die 4. Klasse der Papenschule besucht, das Leben retten (wir berichteten). Bislang blieb die weltweite Suche in den Datenbanken ohne Erfolg. Deshalb führt das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) bald eine große Typisierungsaktion durch. Den Kontakt hatte Kerstin Janack von der Impuls GmbH hergestellt, die Ziwars Vater bei der Jobsuche unterstützt.

Da bei Menschen aus dem arabischen Kulturraum aufgrund der genetischen Merkmale die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sich unter ihnen ein Spender für den zehnjährigen Ziwar findet, hat die Betreuerin gezielt im Bereich der Flüchtlingshilfe und Integrationsarbeit Werbung gemacht. „Wir haben Zettel verteilt und Plakate aufgehängt, auch auf Arabisch“, berichtet Janack. Sie hofft, dass sich möglichst viele bei dem Termin registrieren lassen, denn nur so steige die Chance, einen passenden Spender für Ziwar oder einen anderen erkrankten Menschen zu finden. Herzlich willkommen seien bei der Aktion auch Sprachmittler, die beim Ausfüllen der Formulare helfen. „Sie können sich gerne bei mir vorab melden“, sagt Kerstin Janack (Telefon: 05151/9821-76).

Wie eine Typisierung abläuft und welche Faktoren stimmen müssen, damit es wirklich zu einer Stammzellenspende kommt, ist vielen Menschen nicht bekannt. Zwar sind 60 Prozent der Deutschen prinzipiell zu einer Spende bereit, doch nur knapp die Hälfte der potenziellen Spender hat sich bislang einer Typisierung unterzogen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zur Knochenmark- und Organspende der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Ein Grund: Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) fürchtet sich laut eigenen Angaben vor einem möglichen Eingriff. Dabei ist heutzutage eine aufwendige Operation in den meisten Fällen gar nicht mehr nötig:

Wer kommt überhaupt als Spender infrage? Als Spender kann sich prinzipiell jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren mit einem Gewicht von mehr als 50 Kilogramm registrieren lassen. Wer noch nicht in einer der über 30 Spenderdateien angemeldet ist, kann sich kostenlos typisieren lassen. Wie läuft die Typisierung ab? Die Typisierung selbst erfolgt meist durch einen Abstrich der Wangeninnenseite mit einem Wattestäbchen. Man kann sich dazu an seinen Hausarzt oder eine der Spenderdateien wenden. Wer keine Zeit hat, kann online – zum Beispiel unter www.nkr-hannover.de – ein Typisierungsset anfordern.

Was passiert nach der Registrierung? Die meisten Menschen, die sich registrieren lassen, werden Zeit ihres Lebens nicht für eine Spende infrage kommen. In Deutschland erfolgen jährlich nur rund 3000 Transplantationen von Stammzellen.

Welche Daten werden gespeichert? Bei der Typisierung sind die Humanen-Leukozyten-Antigene – kurz HLA-Merkmale – entscheidend. „Im Idealfall stimmen zehn Merkmale zwischen Spender und Patienten exakt überein, nämlich jeweils das vom Vater und das von der Mutter ererbte Merkmal an fünf Genorten“, erklärt Carlheinz Müller, Geschäftsführer des Zentralen Knochenmarkspender-Registers für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD). Die Gewebemerkmale werden zusammen mit anonymisierten Personendaten, beispielsweise zum Alter oder zum Gesundheitszustand, erfasst und gespeichert.

Was geschieht, falls man als Spender infrage kommt? Mindestens drei potenzielle Spender werden kontaktiert. Die Spendenwilligen werden zur Vorbereitung auf die eigentliche Spende zu einer Untersuchung und einer ausführlichen Beratung eingeladen. Die Typisierung wird sicherheitshalber wiederholt, Infektionsparameter erhoben, ein Fragebogen ausgefüllt und das Einverständnis erklärt.

Wie läuft eine Spende ab? Bei der klassischen Knochenmarkspende wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel ein Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen. Daraus werden dann die Stammzellen isoliert. Die Alternative ist die periphere Transplantation von Blutstammzellen. Dabei wird ein im Körper vorhandener Botenstoff verabreicht, der für eine massiv Neubildung von Blut- und damit auch Stammzellen sorgt. Dem Spender wird dann Blut entnommen und die Stammzellen werden herausgefiltert und das Blut wieder zugeführt. Bei der Wahl der Methode wird auch der Spenderwunsch berücksichtigt.

Was sind mögliche Risiken? Nachteile der klassischen Knochenmarkspende sind das allgemeine Narkose-Risiko etwa durch Medikamentenunverträglichkeit, postoperative Schmerzen am Beckenkamm, Infektionen oder Nachblutungen. Unter korrekten Bedingungen sei dieses Risiko aber minimal, heißt es. Auch bei der peripheren Stammzellentransplantation sind Unverträglichkeiten möglich.

Die Typisierungsaktion für Ziwar findet am Freitag, 16. September, von 12 bis 16 Uhr in der Kantine von Impuls, Ohsener Straße 106, statt.



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