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Heimische Rotarier engagieren sich auf dem Balkan / Über 100 000 Euro eingesetzt

Hilfe für arme Kinder

HAMELN/ALEKO. Das harte Leben steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Stefka und Vasil sehen deutlich älter aus, als sie sind. Sie ist 66, er zwei Jahre älter. Ihr Enkel, der so heißt wie sein Großvater, ist 14 – der Junge hat die Chance, später ein besseres Leben zu führen. Der junge Vasil kann seit September das Gymnasium in Pazardzik besuchen. Für ihn ist das ein Glücksfall. Zu verdanken hat er das einem Mann aus Hameln, den er nur ein- oder zweimal zuvor kurz aus der Ferne gesehen hatte. Bei Weihnachtsfeiern in der Schule von Aleko Konstantinova, einem Dorf an Rande einer stinkenden und ständig schwelenden Müllkippe.

veröffentlicht am 18.12.2017 um 18:59 Uhr

700 Pakete wurden in diesem Jahr wieder aus der Region auf den Balkan geschickt – die Kinder, die sie auspacken dürfen, strahlen.

Autor:

CAROLINE SANTOWSKI

Der Unternehmer Thomas König hat ein Herz für Kinder. Seit Jahren engagiert sich das Mitglied des Rotary Clubs Hameln für Notleidende auf dem Balkan. Der Geschäftsführer des Modehauses Kolle ist auch ehrenamtlich bei Interhelp tätig – in seinem Freundeskreis hat er Spenden gesammelt und ermöglicht seit drei Jahren 16 Mädchen und Jungen, dass sie täglich eine warme Mahlzeit in ihrer Schule einnehmen können. Die Eltern dieser Kinder sind bettelarm. Nun hat König in Abstimmung mit der Schulleitung ein neues Hilfsprojekt gestartet: Zwei Jungen, einer von ihnen ist Vasil, werden auf seine Initiative hin auf eine weiterführende Schule gehen können. Ohne die Hilfe aus Hameln, finanziert von den Rotary Clubs Hameln, Bad Pyrmont und Holzminden, könnten Vasil und Nedeljlko ihr Abitur nicht machen. Das Geld für den Schulbus in die zehn Kilometer entfernte Stadt Pazardzik, die warme Mahlzeit und die Kleidung gäbe es nicht.

Vasil wuchs ohne Papa auf – sein Vater hat ihn verstoßen ihn, seine Mutter Gergana fand keine Arbeit in Bulgarien, sie ist mit ihren letzten Ersparnissen mit einem Bus nach Spanien gefahren und nimmt dort jeden Job an, den sie bekommen an. Wegen der dortigen Wirtschaftskrise muss sie das Land aber schon bald verlassen. Zukunft: ungewiss.

Wenn Thomas König nicht bei seinen Schützlingen ist, werden sie von Rotariern aus Pazardzik betreut. „Wir haben den beiden Jungen erst einmal etwas Warmes zum Anziehen gekauft. Sie brauchten Schuhe, Jogginganzüge, eine Hose und eine Winterjacke“, sagt Peter Hristo. Ulrich Behmann, Vorstandsmitglied für den internationalen Dienst beim Rotary Club Bad Pyrmont und Vorsitzender der Hilfsorganisation Interhelp, hat das Kinderhilfsprojekt von Aleko vor mehr als zehn Jahren initiiert. Gemeinsam mit Prinzessin Marie-Luise zu Sayn-Wittgenstein und dem Arzt Dr. Thomas Walz (Gründungspräsident des Rotary Clubs Bad Pyrmont) hat er es geschafft, vielen Kindern, die damals auf der Müllkippe nach Wertstoffen und Essensresten suchten, einen Schulbesuch zu ermöglichen. „Das ging nur, weil wir den Eltern eine Sorge von den Schultern genommen haben“, erzählt Behmann: „Wir haben die Kinder, die auf der Hausmüllhalde für ihr eigenes Auskommen sorgen mussten, mit Nahrungsmitteln versorgt, sodass sie nicht mehr länger im Dreck um ihr Überleben kämpfen mussten und Zeit hatten für Bildung.“

Der neu eingekleidete Vasil mit Opa Vasil und Oma Stefka zusammen mit dem Hamelner Thomas König. Fotos: UBE

Heute gehen 50 Kinder, die einst auf dem „Berg der Hoffnungslosen“ ihr Dasein fristeten, regelmäßig zur Schule. „Sie stehen nicht mehr länger außerhalb der Gesellschaft“, freut sich der rotarische Bulgarien-Beauftragte Roland Sonntag. Die Mädchen seien nicht mehr gezwungen, ihre Körper zu verkaufen, die Jungen würden nicht mehr in die Kriminalität abgleiten. Spendern aus dem Weserbergland, dem DRK und den heimischen Rotary Clubs ist es zu verdanken, dass das „Leuchtturm-Projekt“ weiterlebt.

Im Frühjahr 2016 besuchte der Innenausschuss des Niedersächsischen Landtags das Hilfsprojekt von Aleko – mit dabei war der innenpolitische Sprecher der SPD Ulrich Watermann. Die meisten Opfer von Menschenhandel, die in Niedersachsen festgestellt werden, kommen schließlich aus Bulgarien. Die Politiker von CDU, SPD, Bündnis 90/Grüne und FDP waren sich einig: Die Hilfen von Rotary Hameln, Bad Pyrmont und Holzminden, Interhelp Hameln und DRK Burgwedel an diesem Ort sind vorbildlich, und nachhaltig.

Vasil und Nedeljlko hatten leuchtende Augen, als sie in diesem Jahr Weihnachtspakete aus Hameln und Bad Pyrmont geschenkt bekamen. „Ich bin den Deutschen sehr dankbar, weiß gar nicht, wie ich mich bei ihnen bedanken soll“, sagt Vasil mit Tränen in den Augen. Die Rotarier Thomas König, Rüdiger Jackson, Joachim Bruns, Dr. Andreas Brandt, Roland Sonntag und Ulrich Behmann waren gerührt. Mit einem 40-Tonner waren in diesem Jahr 700 Präsente, gepackt von Schülern, Kindergarten-Kindern, der Bürgerhilfe am Ith und vielen Privatleuten, zu den Kindern in Not gebracht worden. In der Schule von Aleko, im Waisenheim von Lesitchevo und in dem mit Spenden aus Hameln-Pyrmont gebauten Haus für Straßenkinder in Pazardzik besuchte die Delegation emotionale Weihnachtsfeiern. Die Kinder sangen, tanzten und sagten Gedichte auf – auch auf Deutsch. So auch in der Vasil-Levski-Schule, wo der Rotary Club Bad Pyrmont dank der finanziellen Unterstützung des Holzmindener Rotariers Adolf Reitz eine Schulspeisung finanziert wird. Schon mehr als 60 000 Euro sind in dieses Projekt geflossen. Hinzu kommen zwei Kleinbusse im Wert von mehr als 40 000 Euro, mit denen behinderte Kinder transportiert werden können. Die Rotarier planen bereits neue Hilfsmaßnahmen: „Das angedachte Projekt wird diesmal größere Dimensionen annehmen“, verrät Past President Rüdiger Jackson. „Das Lächeln der Kinder ist unser Lohn.“



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