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Grundschule Klein Berkel bietet Latein ab der 4. Klasse an / Lehrer räumen mit Vorurteilen auf

Hier wird eine tote Sprache wieder lebendig

Hameln (sbr). „Leo heißt Löwe, und elephantus magnus bedeutet der große Elefant.“ Lateinunterricht für Dritt- und Viertklässler – ein noch ungewöhnliches Fach an den Grundschulen der Region. Doch längst hat die spielerische Fremdsprachenvermittlung auch in den Klassenzimmern der Lehranfänger Einzug gehalten. Englisch steht mittlerweile ganz selbstverständlich auf jedem Stundenplan der dritten und vierten Klasse. Französisch wird an verschiedenen Grundschulen der Region als freiwillige Arbeitsgemeinschaft angeboten – mit stetig steigender Nachfrage. Auch in die AG-Fächer Italienisch und Spanisch konnten die Klein Berkeler Grundschüler dank des Engagements einer Lehrerin und einer Anwärterin bereits hineinschnuppern.

veröffentlicht am 18.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 04:41 Uhr

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„Uns ist es ganz wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit bekommen, in andere Sprachen hineinzuhören“, erklärt die Schulleiterin Uta Mager. Und nun bietet die Grundschule Klein Berkel erstmals zum Beginn der zweiten Hälfte des Schuljahres 2011/12 auch das Fach Latein als AG zur freiwilligen Teilnahme an. „Ziel dieses außergewöhnlichen Angebotes ist es, allen unseren Grundschülerinnen und Grundschülern im Rahmen einer Schulstunde wöchentlich erste Einblicke in die Anforderungen dieses typisch gymnasialen Unterrichtsfaches zu geben“, erklärt die Rektorin weiter und ist stolz, Latein in den Stundenplan ihrer Grundschule aufnehmen zu können. „Die Notwendigkeit dieses Angebotes zusätzlich zum normalen Unterrichtsstoff liegt klar auf der Hand: Beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium ruft gerade die Wahl des zweiten Fremdsprachenfaches neben Englisch bei vielen Eltern, Schülerinnen und Schülern oft Verunsicherung hervor, wenn beispielsweise weder Eltern noch Kinder bisher Gelegenheit hatten, das Fach Latein kennenzulernen“, erklärt die Klein Berkelerin Jacqueline Breuer, die ehrenamtlich sowohl die Französisch- als auch die Latein-AG an der örtlichen Grundschule betreut. Gleichzeitig nutzt die selbstständige Übersetzerin die Gelegenheit, um mit Vorurteilen bezüglich der „toten“ Sprache sowohl innerhalb der Elternschaft als auch bei den Schülern und Schülerinnen aufzuräumen.

Vorurteil Nr. 1: Latein spricht heute keiner mehr. „Falsch!“, sagt die Fremdsprachenexpertin. „Gehen Sie einmal durch einen Supermarkt. Sie finden dort jede Menge Produktnamen, die lateinisch sind. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

Vorurteil Nr. 2: Latein braucht man nicht. „Stimmt nicht, denn egal, was die Schüler und Schülerinnen einmal lernen wollen, um die entsprechende Fachliteratur zu verstehen, werden viele von ihnen später Latein brauchen. Selbst in der Computerbranche stolpert man über lateinische Worte“, so die Erfahrung von Jacqueline Breuer.

Vorurteil Nr. 3: Latein ist schwierig. „Ebenfalls falsch! Latein ist nicht schwieriger als Englisch oder Französisch, denn die lateinische Sprache ist logisch. Wenn man sich an die Regeln hält, kann man so gut wie nichts falsch machen“, sagt die Fachfrau.

Vorurteil Nr. 4: Latein ist langweilig. „Dem kann ich auch nicht zustimmen, denn im Lateinunterricht geht es auch um Sagen, um Krieg und Frieden, um Baukunst, Erdkunde und Geschichte sowie um technischen Fortschritt. Schließlich hatten die Römer schon vor Tausenden von Jahren etwa Fußbodenheizung und großzügige Erlebnisschwimmbäder. Kurzum: Latein ist eine Entdeckungsreise in eine Vergangenheit, die unsere Moderne noch immer stark beeinflusst“, entgegnet sie und macht neugierig auf die fremde Sprache.

Vorurteil Nr. 5: Es gibt keine Sprachreisen zu den Römern. „Das ist auch nicht ganz richtig. Man kann tolle Reisen „ins ehemalige Römische Reich“ unternehmen. Zwar spricht in Italien heute keiner mehr Lateinisch, aber man staunt, wie einfach Italienisch zu verstehen ist, wenn man Latein hatte. Überall in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, England, ja, selbst in Deutschland finden sich Zeugnisse der Römer, die einen Besuch wert sind“, verweist Jacqueline Breuer auf Gestaltungsmöglichkeiten von fächerübergreifendem Unterricht.

Spielerisch, mithilfe einer Handpuppe. vermittelt Jacqueline Breuer den Dritt- und Viertklässlern der Grundschule Klein Berkel einen ersten Eindruck vom Fach Latein.

Foto: sbr



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