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Behinderte feiern Fasching

Hier schäumt statt Sekt die pure Lebensfreude über

Hameln (sto). Sie feiern nicht im Rampenlicht, stürmen keine Rathäuser, um Krawatten abzuschneiden und halten keine Büttenreden. Alkohol gibt es auch nicht. Das Wichtigste jedoch, das zu einer ausgelassenen Karnevalsfeier gehört, bringen sie mit, doppelt und dreifach: überschäumende Lebensfreude und die Bereitschaft, sich einzulassen auf einen fröhlichen Abend mit viel Musik und Tanz. Seit Jahren ist die Karnevalsfeier in der Rattenfängerhalle fester Bestandteil für Menschen mit einer geistigen, psychischen und körperlichen Behinderung. Am Wochenende war es wieder so weit – das Highlight, auf das sie sich Monate vorher freuen und lange überlegen, wie sie sich verkleiden werden. Manche greifen zurück auf Altbewährtes. „Ich habe wieder mein Kleid von letztem Mal an“, freute sich „Bonbonprinzessin“ Evelyn und zeigte voller Stolz auf ihr pinkfarbenes Kostüm, auf dem große Bonbons aus bunter Watte aufgenäht waren.

veröffentlicht am 16.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 08:21 Uhr

Darf auch bei dieser Karnevalsfeier auf keinen Fall fehlen: die Polonaise. Fotos: sto
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Kurt, beim Karneval normalerweise unterwegs als Pirat, zeigte sich diesmal als „Zorro“ und war akribisch darauf bedacht, dass die Augenmaske und sein schwarzer Umhang nicht verrutschen. Hans-Theo hingegen trug nur normale Jeans und ein T-Shirt, war aber trotzdem mit seiner Rasterlockenperücke und schwarzbraun angemalt, als Afrikaner zu erkennen. „Über eine Stunde hat das Schminken gedauert“, erzählte der 45-Jährige. Er wirke mit in einer Trommelgruppe, wo ihm die Idee gekommen sei, sich afrikanisch zu verkleiden.

Mit Nonnen, Clowns, Punkern, einem Handwerker, einem Gentleman, einem Fußballtrainer, Sportlern, einigen Pippi Langstrumpfs, Kapitänen, Hexen, Teufeln, einem Roboter, Mexikanern, Babys und vielen anderen fantasievoll verkleideten oder auch nicht verkleideten Karnevalisten wurde der Afrikaner auf der Tanzfläche zu einem leidenschaftlichen Tänzer mit Musik im Blut und einmal mehr: überschäumender Lebensfreude.

„Die Karnevalsveranstaltung bietet den behinderten Menschen eine Möglichkeit, ihren Bewegungsdrang auszuleben“, so Hans-Jürgen Sauerhammer auf Anfrage. Der Vorsitzende des Vereins der Lebenshilfe Hameln-Pyrmont hatte diese Karnevalsfeier 1984 ins Leben gerufen, um behinderten Menschen einen Ausgleich zu ihrem Arbeitsalltag zu bieten. Damals fand das Fest noch in der Werkstatt für Behinderte in Rohrsen statt. Seit 1997 ist die Rattenfänger-Halle der Veranstaltungsort. Zu der großen Gästeschar gehören längst nicht nur behinderte Menschen aus dem aktiven Arbeitsalltag, sondern auch Ruheständler und Schüler der Abgangsklassen der Heinrich-Kielhorn-Schule in Hameln. Auf einer Karnevalsfeier darf ein Rahmenprogramm natürlich nicht fehlen. „Für die richtige Stimmung sorgte wieder der Carneval Club Hameln“, freute sich Gabriele Bökenkröger vom Eltern- und Betreuerbeirat der Hamelner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen der PLSW. Die Musik lag wie in den vergangenen Jahren auch in den bewährten Händen von DJ Michael Speer und die Moderation bei Elke Helle. Die PLSW, die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland, hatte für einen Fahrdienst gesorgt. „Ohne den wäre diese Veranstaltung nicht möglich“. tont Sauerhammer.

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… der Mexikaner und die Klassiker Clown und Pippi Langstrumpf.


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