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Rasenreihengräber sollen pflegeleicht sein / Rentnerin fühlt sich im Nachhinein falsch beraten

Hier ist ein Blumengruß nicht erwünscht

Hameln (CK). Marlis Kettelhake ist sauer. Für ihren im Dezember verstorbenen Sohn Stefan Oliver Frenzel – er war gerade erst 40 Jahre alt – hatte die 69-Jährige auf dem Hamelner Deisterfriedhof eine Rasengrabstätte ausgesucht und auch einen Grabstein errichten lassen. Was die Rentnerin damals nicht wusste. Hier dürfen keine Blumen aufgestellt werden. Wann immer Marlis Kettelhake also ihrem Sohn zum Andenken einen Strauß aufs Grab stellte, fand sie ihn wenig später wieder abgeräumt, und zwar durch Mitarbeiter der Stadt Hameln.

veröffentlicht am 22.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 12:21 Uhr

Blumen auf Rasenreihengräbern – das darf nicht sein, sagt
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„So wirkt der Bereich recht ungepflegt, auch aufgrund der Tatsache, das hier immer neue Beerdigungen stattfinden“, sagt sie. Die Hamelnerin schämt sich nach eigenen Angaben auch vor ihren Verwandten – „die denken doch, ich stelle nicht mal eine Blumenschale auf“. Ihrer Meinung nach wäre es eine gute Idee, dort ein Hinweisschild aufzustellen, mit dem ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass Blumengrüße nicht erlaubt sind – schon, damit Auswärtige nicht schlecht über die Angehörigen von Verstorbenen denken.

Im Übrigen fühlt Marlis Kettelhake sich auch schlecht beraten, besonders durch den Bestatter. Der hatte ihr im Dezember aufgrund ihres Alters und ihrer Pflegebedürftigkeit – zum Zeitpunkt des Todes ihres Sohnes lag sie selbst im Krankenhaus – zu dieser Beerdigungsform geraten. „Da wusste ich aber nicht, dass ich das Grab nicht schmücken darf“, sagt sie im Nachhinein.

Bei der Stadt Hameln bedauert man. „Frau Kettelhake hatte sich für die günstigste Bestattungsform, nämlich für ein Rasenreihengrab“ entschieden, heißt es aus der Verwaltung. Es kostet mit oder ohne Kennzeichnung 891 Euro bei einer Laufzeit von 25 Jahren. Zum Vergleich: Bei einem Reihengrab kostet die Grabstätte zurzeit 1135 Euro, bei einem Wahlgrab in Lage A 1250, in Lage B 1425 Euro. Hinzu kommen noch jeweils 539 Euro für die Bestattung.

„Die Rasenreihengräber sollen aus betriebswirtschaftlichen Gründen pflegeleicht sein, sonst könnten sie nicht so günstig angeboten werden, und gleichzeitig denjenigen, die zur Pflege verpflichtet sind oder sich dazu verpflichtet fühlen, eine physische und/oder finanzielle Erleichterung bringen“, sagt die Verwaltung zur Begründung. So bitter es im Einzelfall sei: Bei dieser Bestattungsform sei es leider nicht möglich, Blumenschmuck zu hinterlegen; der Aufwand für die Friedhofsmitarbeiter würde sich dadurch erhöhen.

Die Friedhofsverwaltung hat mittlerweile mit Frau Marlis Kettelhake gesprochen. Die bestätigte, sich während ihres Klinikaufenthalts aufgrund ihres Alters für ein Rasenreihengrab entschieden zu haben, ohne sich allerdings darüber im Klaren zu sein, dass dort keine Blumen abgelegt werden dürften. „Offenbar ist Frau Kettelhake unzureichend beraten worden. Im Normalfall weisen bereits die Bestattungsunternehmer auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Bestattungsformen hin. Auch die Friedhofsverwaltung leistet intensive Beratung“, versichert man im Rathaus.

Der Mitarbeiter der Hamelner Friedhofsverwaltung hat der 69-Jährigen noch einmal erläutert, dass die Grabart „Rasenreihe mit/ohne Kennzeichnung“ für Menschen gedacht sei, die keinen Pflegeaufwand wünschen. An diesen Grabfeldern Erläuterungstafeln aufzustellen, wird seitens der Friedhofsverwaltung jedoch nicht für notwendig erachtet. „Wir wollen auf den Friedhöfen schließlich keinen Schilderwald haben“, hieß es zur Begründung. Die Frau habe Verständnis dafür geäußert, dass die Situation nun nicht mehr geändert werden könne. – Allerdings scheint sich dieses „Verständnis“ durchaus in Grenzen zu halten: „Wenigstens zu Ostern wollte ich Stefan ein paar Blumen hinstellen. Und das habe ich auch einfach gemacht“, so die Rentnerin.

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