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Dabei ist Helene Wyrwa schon 100 Jahre alt / Schaltjahrskinder: Party in anderen Jahren am 1. März

Heute feiert sie ihren 25. Geburtstag

Hameln (CK). Für Helene Wyrwa scheint die Zeit in einem anderen Tempo zu verstreichen: Heute feiert die Hamelner Seniorin gerade mal ihren 25. Geburtstag. Und das, obwohl die gebürtige Oberschlesierin doch nun schon das biblische Alter von 100 Jahren erreicht hat. Helene Wyrwa ist am 29. Februar 1912 zur Welt gekommen – in einem Schaltjahr also, wie es nur alle vier Jahre vorkommt. Vermutlich deshalb hatten die Behörden in Kirchlinden im Kreis Kreuzburg seinerzeit als amtliches Datum den 28. Februar eingetragen.

veröffentlicht am 29.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 22:41 Uhr

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Geboren wurde Helene Wyrwa als fünftes von sechs Kindern – vier Mädchen und zwei Jungen. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, kam sie nach der Schule in das kleine Städtchen Pitschen, wo sie als Hausmädchen im Krankenhaus arbeitete. 1933 heiratete sie Emil Wyrwa aus dem Kreis Kreuzburg, und bald wurde auch der Sohn geboren. Es folgte ein Umzug nach Niederweiden, wo Emil bei der Post arbeitete und sich die Eheleute ein Haus kauften; 1938 kam Tochter Inge zur Welt.

Doch das familiäre Glück währte nur kurz: 1939 wurde Emil Wyrwa eingezogen und sah Frau und Kinder lediglich im Urlaub. 1944 fiel er in Frankreich. Und schon im Januar 1945 musste Helene mit den Kindern flüchten, war zunächst bei Verwandten untergebracht und lebte ein Jahr geduldet unter den Polen, bis sie 1946 vertrieben wurde. Noch im gleichen Jahr starb die Tochter – „weil es keine ärztliche Hilfe gab“, erinnert sich Helene Wyrwa. Nach Zwangsarbeit und Vertreibung landete sie schließlich mit ihrem Sohn in Gellersen, wo sie zunächst eine neue Heimat fand.

1966 erneut ein Umzug – Helene Wyrwa und ihre Freundin siedelten ins Hamelner Klütviertel um, bis die Frauen sieben Jahre später nach Unsen zogen – zur Tochter der Freundin und deren Familie, in deren Haus beide eine eigene Wohnung bekamen. 2004 starb dann auch die Freundin, doch Helene Wyrwa wird weiterhin so liebevoll von deren Tochter betreut, dass es ihr möglich ist, nach wie vor in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Mit den Kindern der Familie ist die nach wie vor rüstige Seniorin – sie hat selbst zwei Enkel und einen Urenkel – so liebevoll verbunden, als ob es ihre eigenen wären.

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Marco Zühl (36)

Am heutigen Schalttag hat auch Marco Zühl Geburtstag, doch der 36-Jährige empfindet das nicht unbedingt als etwas Besonderes. Der Hamelner, der als Mediengestalter in Porta Westfalica arbeitet, feiert eigentlich immer am 1. März – alle drei Jahre in kleinerem Kreis, jedes vierte Jahr, im Schaltjahr, „etwa ausgiebiger“. So soll es auch in diesem Jahr sein, allerdings wegen des eher unfreundlichen Wetters vermutlich erst im Sommer.

Was das Feiern angeht, so hält es Vanessa Diestelhorst aus Tündern ähnlich: Am 1. März gibt es ein Zusammentreffen im Familienkreis, am Wochenende drauf die Party mit Freundin, meint die angehende Erzieherin, die heute 20 Jahre alt wird, aber streng genommen erst fünf ist. Dass sie in einem Schaltjahr zur Welt gekommen ist – für die angehende Erzieherin macht das nichts. „Aber die Erwachsenen, die machen jedes Jahr den gleichen Scherz. Sie sagen, es gibt keine Geschenke, weil ich ja nicht Geburtstag hätte, sagt sie schmunzelnd. Nun – in diesem Jahr ist das ein wenig anders.

Der 1. März – das scheint für die Schaltjahrskinder der Tag zum Feiern schlechthin zu sein. Auch Iris Greve aus Holtensen – sie wird heute 48 Jahre alt – legt die Fete auf dieses Datum, sofern es keinen 29. Februar gibt. In diesem Jahr allerdings wird an ihrem Ehrentag gefeiert, mit rund 40 Familienmitgliedern und Freunden. Gestern bereits gab es quasi eine „Aufwärmphase“: Mutter Alice Schüller – sie wohnt in Hameln – wurde 78 Jahre alt. Aber auf die Idee, den eigenen Geburtstag vorzuziehen, ist Iris Greve, die im Büro ihres Mannes mitarbeitet, noch nie gekommen. „Das macht man nicht. Und meine Mutter und ich, wir hatten jeder immer einen eigenen Tag.“ Das sei auch schon in der Kindheit so gewesen, in der sie selbstverständlich jedes Jahr Geschenke bekommen habe, auch wenn andere Kinder sie manchmal wegen ihres ungewöhnlichen Geburtstages geneckt hätte.

Strenggenommen feiert Helene Wyrwa heute erst ihren 25. Geburtstag: Die rüstige Seniorin aus Unsen wurde in einem Schaltjahr geboren – heute wird sie 100 Jahre alt.

Foto: Wal



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