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Wirtschaftsfragen zur Mitarbeitersuche, Südumgehung und Digitalisierung an den Ministerpräsidenten

Herr Weil, wie helfen Sie der Region?

Ministerpräsident Stephan Weil hat sich den Unternehmern im Weserbergland jüngst wirtschaftspolitisch präsentiert. Wir wollen es etwas genauer wissen und haben mit ihm gesprochen. Und ihn gefragt, wie er der Region helfen will. Ein Interview.

veröffentlicht am 08.11.2018 um 13:53 Uhr
aktualisiert am 08.11.2018 um 21:00 Uhr

Der Konzern Lenze SE - im Bild Tanja Gelhaar - wird von Ministerpräsident Stephan Weil als Leuchtturm im Weserbergland bezeichnet. Foto: Ralf Böttcher/Lenze
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Herr Weil, welche Botschaft hat der Ministerpräsident für die Unternehmen und die Mitarbeiter in der Wirtschaft im Weserbergland?
Stephan Weil: Die eine Botschaft ist, dass die Wirtschaft im Weserbergland ebenso wie im ganzen Land Niedersachsen stark ist. Die zweite Botschaft ist, dass die Landesregierung intensiv daran arbeitet, gemeinsam mit der Wirtschaft und vor allem mit dem Mittelstand jene Aufgaben zu lösen, die nun mal anstehen. Zum Beispiel Fachkräftesicherung, Infrastruktur, Digitalisierung.


Ein großes Problem der Unternehmen ist die Rekrutierung von Fachkräften – wie hilft die Landesregierung?
Wir tun alles in unserer Macht stehende dafür, dass so viele junge Leute wie möglich auf den Arbeitsmarkt kommen. Wir müssen dafür sorgen, dass diese jungen Leute eine gute Schulbildung erhalten und eine kluge Berufswahl treffen. Berufsorientierung wird inzwischen an allen weiterführenden Schulen und deutlich erweitert angeboten. Wenn wir schon weniger junge Menschen haben, dann wird es umso wichtiger, dass die jungen Schulabgänger größtmögliche Klarheit über den für sie richtigen Weg bekommen. Auch die richtige Familienpolitik und die richtige Migrationspolitik sind wirtschaftsfördernd. Mütter sollen wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren können und Migranten müssen so integriert werden, dass sie rasch im ersten Arbeitsmarkt ankommen.

Wie kann der Sozialdemokrat Weil jungen Menschen denn schmackhaft machen, dass es nicht uncool ist, statt eines Studiums eine handwerkliche Ausbildung zu machen?
Für Handwerksberufe wirbt der Sozialdemokrat ebenso gerne wie der Ministerpräsident. Es gibt unzählige Beispiele, dass man über das Handwerk tolle Karrieren machen kann. Es gibt zunehmend duale Studiengänge, in denen man Theorie und Praxis hervorragend verbinden kann. Schließlich müssen wir auch sehen, dass wir eine hohe Abbrecherquote im Studium haben – das zeigt uns, dass viele junge Menschen im Studium gar nicht glücklich werden. Das sind möglicherweise jene, denen praktische Arbeit leichter von der Hand geht als das Pauken.

Auffällig ist, dass Nachbarländer wie die Niederlande große Bauvorhaben viel, viel schneller hinbekommen.

Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen


Wirtschaftskraft neigt dazu, sich zu konzentrieren. Wie kann eine Region wie das Weserbergland gegen eine Region Hannover ankommen?
Zunächst mal sollte man das Weserbergland nicht kleiner reden, als es ist. Denken wir zum Beispiel an Symrise, an Phoenix Contact, an Lenze. Das sind tolle Unternehmen, die in Zukunftsbereichen unterwegs sind und von denen man sich noch einiges erhoffen kann. Entscheidend ist nicht eine räumliche Nähe, sondern mehr und mehr die Möglichkeit, Daten austauschen zu können. Die Digitalisierung ist ein enormer Innovationsfaktor für die Wirtschaft. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, überall in Niedersachsen für leistungsfähige Datennetze zu sorgen. Da ist noch viel zu tun, aber wir kommen gut voran.

Hameln-Pyrmont ist ausgeschert, macht sein eigenes Internetprojekt. Ist das zielführend?
Landrat Tjark Bartels ist nicht aus dem Programm ausgestiegen, sondern er hat gesagt, der Aufwand für die Bundesförderung sei so hoch, dass es sich für seinen Landkreis nicht rechne. Er wird dafür seine Gründe haben. Wir legen sehr großen Wert darauf, dass die Bundesförderung in der nächsten Runde so vereinfacht wird, dass alle Kommunen gerne darauf zurückgreifen werden.

Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen
  • Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen

Zur Infrastruktur gehören neben Datennetzen auch schnelle Straßenverbindungen. Seit fast 100 Jahren ist die Hamelner Südumgehung im Gespräch – wann wird sie kommen?

Natürlich kann eine Landesregierung eine juristische Auseinandersetzung nicht beeinflussen. Das gilt es abzuwarten. Aber: Diese Ortsumgehung ist nicht die einzige, die so lange braucht. Überall in Niedersachsen begegnet mir dasselbe: Große Infrastrukturmaßnahmen werden zur Generationenaufgabe. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Ich habe mittlerweile Zweifel, dass wir innerhalb unseres aktuellen Regelsystems deutlich schneller werden können. Auffällig ist, dass Nachbarländer wie die Niederlande große Bauvorhaben viel, viel schneller hinbekommen.

Was machen Politik und Verwaltung in den Niederlanden denn anders?

Genau darum geht es. Ich bin für eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission, die sich gezielt anschaut, was unsere Nachbarn anders machen. Diese Kommission wird sich praktische Beispiele anschauen müssen und daraus ableiten, was wir in unseren unendlich langen Planverfahren ändern müssen.

Die Datennetze werden in Niedersachsen und auch im Weserbergland gebaut, auf die Südumgehung müssen wir in Hameln allerdings warten. Wann aber wird Hameln endlich in den S-Bahn-Großraum integriert?

Mit der Expo 2000 hat Hameln schon eine richtig gute ÖPNV-Verbindung nach Hannover bekommen. Was den Tarif angeht, kann auch der Ministerpräsident die Hamelner nur an die kommunalen Brüder und Schwestern in der Region Hannover verweisen. Da kann sich das Land nicht einmischen.

Interview: Thomas Thimm



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