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Keine Kurkinder mehr – Nach hohen Investitionen ist Herberge vor dem Süntel offen für neue Konzepte

Herberge vor dem Süntel: Vollgas statt Notbremse

Tausende von Kurkindern schickte der Hamburger Schulverein seit den 1950er Jahren aus der Großstadt ins Sünteltal, um sie aufzupäppeln. Ab Januar gibt es dafür endgültig keine Zuschüsse mehr. Deshalb will der Hamburger Schulverein in Unsen neue Wege gehen.

veröffentlicht am 08.11.2018 um 12:15 Uhr
aktualisiert am 08.11.2018 um 17:46 Uhr

Es geht um eine Neuausrichtung in der Herberge am Süntel. Das riesige Gelände eignet sich für eine Vielzahl von Konzepten. fotos: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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UNSEN. Tausende von Kurkindern schickte der Hamburger Schulverein seit den 1950er Jahren aus der Großstadt ins Sünteltal, um sie aufzupäppeln. Zuletzt wurden es immer weniger. Statt zu dünn waren die Kinder, denen noch eine Kur bewilligt wurde, nun eher zu dick. Sie kamen auch schon längst nicht mehr für 30 Tage, dafür sorgte die Krankenkasse vor geraumer Zeit. Seit 2006 wurde die Herberge am Sünteltal (früher „Haus vor dem Süntel“) deshalb nur noch saisonal betrieben, ab Anfang nächsten Jahres sollen nun die Zuschüsse der Stadt Hamburg für die Kurkinder komplett eingestellt werden. Dass es für die Herberge trotzdem weitergeht, hat sie – Glück im Unglück – den umfassenden Brandschutzauflagen des Landkreises zu verdanken: Hätte man im vergangenen Jahr nicht so viel investieren müssen, wäre das Gebäude längst am Markt, räumt Geschäftsführer Thomas Reidegeld ein. „Das wir keine Zuschüsse mehr bekommen, haben wir zum damaligen Zeitpunkt nicht gewusst, sonst hätte der Vorstand die Bremse gezogen.“

Fast eine halbe Million Euro investierte der Hamburger Schulverein 2017 in Brandschutzmaßnahmen und die Kosten wären noch höher, wenn der Verein nicht mit Gutachten und Sachverständigen erstritten hätte, dass es auch günstiger geht. Dazu kommen Renovierungsarbeiten für rund 30 000 Euro, der Spielplatz wurde für 15 bis 20 000 Euro in Schuss gebracht. Die jährlichen Unterhaltungskosten belaufen sich auf 170 000 Euro im Jahr.

Nun ist man auf der Suche nach tragfähigen Konzepten. Reidegeld, der seinen Vorgänger 2017 abgelöst hat, ist für alles offen: Möglich sind beispielsweise Kooperationen wie mit der Großtagespflegestelle, die im August im Ostflügel eingezogen ist. In dem Flügel, in dem rund 350 Quadratmeter brachliegen kann er sich sogar Wohnungen vorstellen.

Christine Vesche (li) verwaltet die Herberge vor dem Süntel, Thomas Reidegeld, Geschäftsführer des Hamburger Schulvereins und Anja Troppenz, pädagogische Gesamtleitung, kamen aus Hamburg.
  • Christine Vesche (li) verwaltet die Herberge vor dem Süntel, Thomas Reidegeld, Geschäftsführer des Hamburger Schulvereins und Anja Troppenz, pädagogische Gesamtleitung, kamen aus Hamburg.

„Das Gebäude kann aber auch gemietet oder gepachtet werden, wichtig ist eine Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter“, sagt Reidegeld und betont: „Das ist ein toller Ort, das Erscheinungsbild trägt die Handschrift der Mitarbeiter .“ In der Tat sucht das rund viereinhalb Hektar große Gelände mit dem großzügigen Gebäude seinesgleichen. Mit dem Schwimmbad nebenan und dem Wald in unmittelbarer Nähe eignet es sich für eine Vielzahl von Projekten. Mit der Stadt Hamburg verhandelt man derzeit noch über verkürzte Projektfahrten, aber auch für Schulen in der Region, für Seminare, Workshops, für von der Kirche ausgerichtete Fahrten und Familienfeiern eignet sich die Herberge. Wanderer, Radfahrer, Messebesucher und junge Familien sind ebenso willkommen.

Die Mitarbeiter, drei Hauswirtschafterinnen, eine Erzieherin, eine Verwaltungsangestellte und zwei Hausmeister, haben sich auf die veränderten Bedingungen eingestellt: An 360 Tage im Jahr wollen sie Gäste mit unterschiedlichen Bedürfnissen, die unterschiedlich lange bleiben, empfangen. Das bedeutet deutlich mehr Arbeit, aber die Mitarbeiter sind motiviert und längst tätig geworden: Ein Flyer ist gedruckt, die Website ist im Aufbau und über Mund-zu-Mund-Propaganda ist es bereits gelungen, 5500 Belegtage im kommenden Jahr abzudecken. Eine Hamelner Schule kommt bereits zum zweiten Mal, diesmal mit drei Klassen. Auch eine Bremer Waldorfschule kommt wieder, weil sich das Gelände so super für ein „Vermessungspraktikum“ eignet.

Reidegeld ist an diesem Tag mit seinen Mitarbeitern Michael Büker und Anja Troppenz aus Hamburg gekommen, um mit den Mitarbeitern zu sprechen. Man will sich Offenheit bewahren, aber: „Irgendwann soll schon eine rote Linie zu erkennen sein, denn wir sind Jugendhilfeträger, und darauf soll weiter der Fokus liegen“, sagt Reidegeld.



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