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Der Wunsch: Bezahlbar und barrierefrei

Herausforderungen für Wohnungsanbieter

HAMELN.Klein und bezahlbar – daran mangelt es in Hameln zwar noch nicht, doch nach Untersuchungen der Stadt Hameln für ihren Bericht zum Sozialen Wohnraumbedarf, ist die Lage in diesem Segment zumindest angespannter als in anderen. Und so legt auch die HWG als Tochter der Stadtwerke einen Fokus auf die Deckung dieses Bedarfs.

veröffentlicht am 14.11.2016 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 16.11.2016 um 09:56 Uhr

Birte Hansen

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Reporterin zur Autorenseite

Erstes OG. Wer die Treppe nicht nehmen möchte, steigt einfach in den Fahrstuhl. Sechs Wohnungen, barrierefrei – die Hamelner Wohnungsbaugesellschaft hat das komplette Obergeschoss umgebaut, das über den Räumen des Deutschen Roten Kreuzes an der Zentralstraße liegt. „Perfekt für altersgerechtes Wohnen“, lautet das Urteil des HWG-Geschäftsführers Christian Mattern. Wochen vor der Fertigstellung seien die Wohnungen vermietet gewesen. Wie immer, wenn die HWG Hand anlegt, wie Mattern schildert. „Jede Wohnung, die wir modernisiert oder gebaut haben, ist vor der Fertigstellung vermietet.“ Eine komfortable Position, aus der heraus die Gesellschaft Herausforderungen des Marktes annimmt.

Klein und bezahlbar – daran mangelt es in Hameln zwar noch nicht, doch nach Untersuchungen der Stadt Hameln für ihren Bericht zum Sozialen Wohnraumbedarf, ist die Lage in diesem Segment zumindest angespannter als in anderen. Und so legt auch die HWG als Tochter der Stadtwerke einen Fokus auf die Deckung dieses Bedarfs. Fast die Hälfte des HWG-Bestands seien Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Insgesamt sieht Mattern in Hameln einen Wohnungsmarkt, auf dem Mieter wählen können – zu erkennen an „der hohen Fluktuation“. Die Quote bei der HWG: 13,7 Prozent.

Von 2150 Wohnungen im HWG-Bestand sind 425 dem mit öffentlichen Mitteln geförderten sozialen Wohnungsbau zuzuordnen. Das heißt: Die Mieten sind gedeckelt, und die HWG ist verpflichtet, sie jeweils 20 Jahre lang zu diesen Konditionen zu vermieten an Menschen, die eine Berechtigung haben, darin zu wohnen. Das können Empfänger von Hartz-IV oder anderen Leistungen sein. Maximal 5,60 Euro pro Quadratmeter dürfen diese Wohnungen per Gesetz kosten, bei der HWG liegt der Preis darunter, im Durchschnitt bei 4,60 Euro. „Das heißt aber nicht, dass die anderen teurer sind“, sagt Mattern über die frei finanzierten Wohnungen. Im Schnitt kosteten diese auch nur 4,71 Euro. Die teuersten HWG-Wohnungen sind in der Alten Feuerwache zu finden für 9 Euro pro Quadratmeter. In Hannover müsste man für diesen Standard 15 Euro zahlen, zeigt Mattern auf die Mieten in der Landeshauptstadt. Will sagen: Hameln sei noch immer vergleichsweise günstig.

Was die HWG bewegt, trifft private Anbieter noch mehr: das Spannungsfeld zwischen Kosten für Bau und Modernisierung und Mieteinnahmen. Unter zehn Euro/Quadratmeter Baukosten könne man nicht bauen, so Mattern. Das ist über die Miete kaum wieder reinzuholen. Gleiches gelte für Modernisierungen und Instandhaltungen, wofür die HWG jährlich etwa 2,2 Millionen Euro ausgibt – so zuletzt an der Hundoldstraße, wo 12 Wohnungen erneuert wurden. Um eine Wohnung zu modernisieren, seien schnell 300 Euro pro Quadratmeter fällig – 25 bis 30 Jahre dauere es bis zur Amortisierung. „Das erzählen Sie mal einem 60-jährigen Eigentümer“, bringt Mattern Verständnis auf für jene Vermieter, die sich eine Modernisierung nicht leisten können oder wollen. Vor einigen Wochen hatte die Stadtverwaltung Hameln in ihrem Bericht darauf hingewiesen, dass dem Wohnraumbedarf immerhin über 1200 leer stehende Wohnungen gegenüberstehen.

Ein „Riesenproblem“ sieht Mattern auch in der Verschärfung der Energieeinsparverordnung. Damit sich diese Investitionen rentieren, müssten die Mieten erhöht werden. Doch die Einsparungen bei den Energiekosten, die durch die Sanierungen möglich sind und den Mieter entlasten könnten, seien inzwischen relativ gering. So gesehen hält sich die Attraktivität energetisch sanierter Wohnungen in Grenzen. „Zum Glück sind wir nicht gewinngetrieben“, sagt Mattern über die HWG. Gewinne wirft sie dennoch ab: 2015 erwirtschaftete sie einen Überschuss von 733 000 Euro.

Klein und barrierefrei – letzteres ist neben „bezahlbar“ ein Muss für alle Neubauten der HWG, erklärt Mattern beim Blick in die Zukunft. Das Interesse der Senioren, ihre Häuser irgendwann gegen eine pflegeleichtere Wohnung einzutauschen, ist hoch. Viele, doch längst nicht alle wollen dann in die Stadt ziehen, wo sie alles leicht erreichen können. In der Zentralstraße kann die HWG jetzt damit dienen. Bei anderen älteren Hamelnern dagegen ist der Wunsch groß, im gewohnten Umfeld in den Ortschaften zu bleiben. Auch das beschäftigt die HWG. „Ja, in gewissem Maße“, ist Matterns verhaltene Antwort auf die Frage, ob die HWG künftig stärker in den Dörfern aktiv werden wird. Konkrete Projekte nennt er nicht.

Das Hauptaugenmerk der HWG liegt derzeit auf den Gebäuden in der Stüvestraße. Acht Millionen Euro werden dort in Neubauten investiert, gefördert mit einem zinslosen Darlehen des Landes von sechs Millionen Euro. Dafür gibt die HWG peu à peu 64 weitere Wohnungen in den sozialen Wohnungsmarkt.



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