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Nach fast 29 Jahren wird der Geistliche entpflichtet, doch ein Ende ist das nicht

Helmut Ritter – ein Pastor in Rufweite anstatt in Rente

Wangelist. Mit der rechten Hand schiebt Pastor Helmut Ritter sein Fahrrad über die am Boden liegenden Kastanien. Ritter ist auf dem Weg zur St.-Annen-Kapelle. In der linken Hand trägt er einen schwarzen Aktenkoffer. In ihm liegt handlich verpackt sein Talar. Ritter hat enormes Gottvertrauen, er glaubt nicht an Zufälle. Gott lenkt mich, ist seine Devise.

veröffentlicht am 05.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 21:21 Uhr

Pastor Helmut Ritter: „Die St.-Annen-Kapelle war meine ers

Autor:

Birgit Sterner
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„Mit dem Bestehen der Eignungsprüfung für das Theologiestudium auf dem zweiten Bildungsweg hat Gott für mich ein Zeichen gesetzt, das dies mein Weg sei“, sagt er. Gelernt hat Ritter Industriekaufmann. Nun ist er 65 Jahre alt und von seinen Alltagsgeschäften als Geistlicher nach fast 29 Jahren entpflichtet, also im Ruhestand. „Für mich kommt nach der altersbedingten Entpflichtung kein Schlusspunkt, sondern ein Semikolon, was heißt, es geht klein weiter“, erklärt der Geistliche. „Die Abkürzung i. R. bedeutet für mich ,in Rufweite‘, denn Pastor bleibe ich mein Leben lang“, sagt er mit fester Stimme.

Die St.-Annen-Kirchengemeinde mit ihren 1600 Mitgliedern wird nun durch Pastorin Annette Lehmann von der Paul-Gerhardt-Gemeinde mitbetreut. „Selbstverständlich werde ich als Pensionär hin und wieder Gottesdienste abhalten“, sagt Ritter. Bis er und seine Frau Brunhilde ein neues, geeignetes Haus gefunden haben, werden sie in dem Pfarrhaus wohnen bleiben. Seit 1982 hat der Geistliche die Pfarrstelle in Wangelist innegehabt und in dem Pfarrhaus gewohnt. Sich als Geistlicher beruflich durch einen Ortswechsel noch einmal zu verändern, sei ihm nie in den Sinn gekommen. „Die St.-Annen-Kapelle war meine erste große Liebe“, sagt der Negenborner, den es nach dem Studium nach Hameln geführt hatte, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. „Ich verspüre nicht das Bedürfnis, beruflich etwas verpasst zu haben.“ Auch plane er jetzt nicht die typische große Reise in ferne Länder. Ritter ist ein bodenständiger Mensch. Das neue Haus soll ein besonderes Fenster haben. Denn statt von Sternen zu predigen, will er sich ihnen nun auf andere Weise nähern, nämlich mit einem Teleskop. „Für mein Hobby, die Astronomie, habe ich bisher so gut wie keine Zeit gehabt“, sagt er. Aber in ihm schlummert nicht nur ein Hobbyastronom. Der Geistliche ist ein begeisterter Sänger und seit 50 Jahren Radfahrer. Nein, mit dem Rad zum Gottesdienst fahre er nicht, die Strecke sei auch viel zu kurz. Obwohl der handlich verpackte Talar im Aktenkoffer es ja durchaus zulassen würde. „50 bis 60 Kilometer müssen es schon sein, am liebsten bin ich allein unterwegs, um den Kopf freizubekommen, dann kann ich auch mein Tempo bestimmen“, erklärt der Geistliche. Seit 25 Jahren singt er gemeinsam mit seiner Frau im Vokalkreis. „Das Singen ist für mich ein Ausdruck von Lebensfreude.“

„Die Ausführung der Predigt ist das erlernte Handwerk, aber das Ankommen meiner Worte in den Herzen der Gemeinde ist das Wirken des Heiligen Geistes.“ In den vielen Berufsjahren sei er altersmilde und toleranter geworden. „Am Anfang meines Pfarrberufes habe ich viel mehr von den Menschen erwartet.“ Ritter ist traditionsbewusst, er würde aber auch neue Wege gehen, wie eine Taufe außerhalb des Gotteshauses durchzuführen. „Bei einer Trauung im Heißluftballon ist allerdings meine Grenze erreicht, das gäbe es bei mir nicht.“ Schwergefallen ist ihm eigentlich nichts in seinem Beruf. Pastor Ritter ist ein Seelsorger ohne Handy und PC, der zuhören kann, der die Menschen dort abholt, wo sie sich gerade befinden.



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