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Von der Rettung einer ausgehungerten Stadttaube

Heidruns Happy End

HAMELN. Was tun, wenn man einem hilfebedürftigen Tier begegnet? Bei Haustieren ist die Sache klar: Beim nächstgelegenen Tierarzt kann der Halter mittels Chip, Marke oder Ring gefunden und gegebenenfalls erste Hilfe für den verletzten Patient geleistet werden. Schwieriger wird es, wenn es sich wie bei meinem Findelkind um ein wildes Tier handelt - wie bei „Heidrun“, der ausgehungerten Stadttaube.

Autor

Katharina Mork Reporterin

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Nanu? Als ich das Haus verlasse, um den Weg zur Redaktion anzutreten, traute ich meinen Augen kaum. Dass eine Stadttaube sich in einem Hauseingang verirrt, kommt schon mal vor. Aber dass sie kaum zur Seite weicht, wenn man auf sie zugeht? Da stimmt doch etwas nicht. Apathisch, das Köpfchen zwischen den Schultern versteckt und die Knopfaugen zukneifend, sieht dieses Häufchen Elend alles andere als fit, geschweige denn flugfähig aus. Vögel, die nicht fliegen können, werden schnell zum Opfer hungriger Katzen oder jagdfreudiger Hunde. Auch, wenn der Hauseingang zunächst vor dem Schlimmsten Schutz bietet – bleiben kann der Vogel dort nicht.

In der Mittagspause sitzt das hübsche weiß-graue Täubchen noch unverändert im Hausflur. Es muss also etwas passieren. Ich googele mir nach Aufnahmestationen für wilde Tauben die Finger wund – erfolglos. Niemand scheint sich um die häufig ungeliebten Stadttauben zu kümmern – oder hat Angst, sich durch das Wildtier Parasiten in den Taubenschlag zu holen. Durchaus verständlich – ein verantwortungsvoller Taubenzüchter überlegt es sich eben zweimal, ob er mit der Rettung einer wilden Taube seinen eigenen Bestand gefährdet. Schließlich rufe ich bei der Kleintierklinik Steinbiss in Hameln an. Auch, wenn solche Patienten eher eine Ausnahme darstellen: Dort ist man bereit, sich die Taube einmal anzusehen. Mit einem beherzten Griff schnappe ich mir die Taube, setze sie behutsam in einen Pappkarton und mache mich auf zur Kleintierklinik am Ostertorwall.

„Die ist ja völlig abgemagert, fühlen Sie mal“, fordert Dr. vet. Axel Steinbiss mich auf, die Brust des Täubchens abzutasten. Tatsächlich berührten meine Finger unter dem Gefieder nur Haut und Knochen. Um nicht auszukühlen, hatte sich Heidrun (sie brauchte einen Namen, also gab ich ihr einen) aufgeplustert und sah somit gesünder aus, als sie eigentlich ist. Es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden. Dr. Steinbiss tastet Heidrun von Kopf bis Fuß ab, um sicherzugehen, dass nichts gebrochen ist.

  • Foto: km
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„Wir behalten Heidrun erst mal eine Nacht hier und päppeln sie ein wenig auf.“ Einmal mehr zeigt sich, dass eine ausgelesene Dewezet nicht sofort in den Altpapiercontainer wandern muss, sondern auch als Unterlage für den Käfig einer hilflosen Taube taugt. Vom Behandlungsraum geht es für Heidrun bis zum nächsten Tag erst einmal in den Aufwachraum der Kleintierklinik, wo man sie sich an Hühnerfutter laben und einer Infrarotlampe wärmen darf.

Als ich am nächsten Tag gemeinsam mit Dewezet-Videoreporter Jan-Philipp Hullmann die Klinik betrete, sind wir optimistisch. Heidrun ist eine Kampfhenne, sind wir sicher, die gibt nicht so schnell auf. Glücklicherweise sollen wir Recht behalten – Heidrun sieht bereits viel besser aus. Noch zögerlich, dennoch deutlich munterer als am Vortag pickt sie in ihren Körnern herum, stakst durch den gewärmten Käfig und schaut uns interessiert mit großen Augen an. Heidrun so vielversprechend wohlauf zu sehen, öffnet allen Beteiligten die Herzen. Sogar eine Pflegestelle findet sich für unser Glückstäubchen – eine erfahrene Taubenhalterin erklärt sich bereit, Heidrun in Obhut zu nehmen. Wenn alles gut geht, kann Heidrun schon bald wieder in die Freiheit entlassen werden.

Dr. med. vet. Christiane Höll erklärt uns, wie Heidrun in diese prekäre Situation gekommen sein könnte: Es könne passieren, dass Vögel nach Unfällen ein Trauma durchleben und sich zeitweilig nicht eigenständig ernähren können. „Da sie nie allzu große Fettreserven anlegen, um jederzeit flugfähig zu bleiben, werden die winzigen Reserven, die sie besitzen, sehr schnell aufgebraucht“, erklärt der Tierarzt. Zudem hätten Vögel einen hohen Stoffwechsel, dass führe schnell zu einem rapiden Fettverlust, wenn sie nicht mehr fressen.

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