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Waffenschrank ausgeräumt / Familienstreit endet vor Gericht

Hass auf Vater? Tochter soll Mörder angeheuert haben

Unternehmer Otto L. (Name geändert) aus Hessisch Oldendorf sagt: „Ich sollte getötet werden. Die Auftragskiller waren schon bestellt.“

veröffentlicht am 27.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 04:41 Uhr

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Foto: ube

Hessisch Oldendorf (ube). Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt gegen die Tochter (27) eines Hessisch Oldendorfer Unternehmers (60) – „wegen Verdachts auf Verabredung zu einem Verbrechen“. Das bestätigte der für Kapitaldelikte wie Mord und Totschlag zuständige Staatsanwalt Udo Vennewald auf Anfrage unserer Zeitung. Die Frau soll im Bielefelder Milieu Auftragskiller angeheuert haben. „Für 20 000 Euro“, sagt Rechtsanwalt Karl-Josef Müller V von der renommierten Kanzlei Willig, Koch & Kollegen, „sollte mein Mandant von zwei gedungenen Mördern getötet werden“. Die Männer bekamen jedoch kalte Füße, stellten sich bei der Polizei und legten ein Geständnis ab. Noch hält sich die Staatsanwaltschaft mit Details zurück. „Es ist ein laufendes Verfahren“, sagt Vennewald. Frühestens in zwei, drei Wochen könne er sagen, ob und weswegen Anklage erhoben werde.

Staatsanwaltschaft klagt Noch-Ehefrau an

Der angebliche Mordauftrag der Tochter soll Höhepunkt eines bizarren Rosenkrieges sein, der zwischen dem Geschäftsmann und seiner inzwischen von ihm getrennt lebenden Ehefrau entbrannt ist. Otto L. (Name geändert) sieht sich als Opfer, „das mit allen Mitteln in die Knie gezwungen und einfach nur fertig gemacht werden soll“. Die Polizeiinspektion Hameln und die Staatsanwaltschaft Hannover bearbeiten derzeit 21 Strafanzeigen. „Elf richten sich gegen die Frau, acht gegen die Tochter und zwei gegen den Mann“, sagt Oberstaatsanwältin Irene Silinger. Es gehe um Diebstahl, Urkundenfälschung, Betrug, Unterschlagung und Sachbeschädigung. Anklagen sind bislang nur gegen die Noch-Ehefrau erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der 53-Jährigen neben „Hausfriedensbruch und rechtswidrigen Löschens von Daten“ auch zweifache Urkundenunterdrückung vor. Anneliese L. (Name geändert) soll sich ohne Wissen ihres Mannes die Fahrzeugbriefe seiner beiden Autos angeeignet haben und diese bei der Zulassungsstelle zunächst auf ihren Namen um- und wenig später abgemeldet haben. Da die Wagen nicht sonderlich viel wert sind, glaubt Otto L. das Motiv der Tat zu kennen: „Meine Frau will mich lahmlegen und meinen Betrieb kaputt machen, denn ohne meine Autos bin ich nicht mobil und kann keine Kundenbesuche machen.“

„Mein Waffenschrank wurde geplündert“

Der Unternehmer musste sich einen Gebrauchtwagen kaufen, denn: Seit mittlerweile acht Monaten kämpft Otto L. vergeblich darum, die von seiner Noch-Ehefrau umgemeldeten Fahrzeuge wieder auf seinen Namen zulassen zu können. Dem Geschäftsmann wird offenbar die „Harmonisierung der Zulassungsdokumente in der Europäischen Union“ zum Verhängnis. Im September 2008 teilte die Zulassungsstelle des Landkreises Hameln-Pyrmont dem Hessisch Oldendorfer mit, dass Behörden seit dem 1. Oktober 2005 „keine eigentumsrechtlichen Dinge mehr zu prüfen haben“. Soll heißen: Ein Fahrzeugbrief „weist denjenigen als Verfügungsberechtigten aus, der ihn der Zulassungsbehörde vorlegt“.

Auch mit der Waffenbehörde des Landkreises Hameln-Pyrmont hat der passionierte Jäger Ärger bekommen. Mit Schreiben vom 20. März wurde Otto L. mitgeteilt, dass sein Jagdschein nicht verlängert wird, weil die Behörde ihn als unzuverlässig einstuft. Hintergrund ist das sonderbare Verschwinden seiner Jagdwaffen. Bei Durchsuchungsaktionen in Bielefeld und Hessisch Oldendorf hatten Polizisten Otto L.s Flinten bei seiner Tochter Anna L. (Name geändert) und eine Pistole vom Typ Beretta bei seiner Noch-Ehefrau Anneliese L. gefunden. Otto L. sagt, Anna L., die zu diesem Zeitpunkt in Bielefeld wohnte und sich an den Wochenenden oft bei ihren Eltern aufgehalten habe, sei am 10. Juli 2008 in seine Wohnung gekommen, habe – während er arglos in der Badewanne saß – seinen Schlüsselbund aus seiner Hosentasche genommen und dann heimlich den Waffenschrank ausgeräumt. Der Landkreis wirft Otto L. vor, den Schlüssel nicht sorgfältig genug verwahrt zu haben. „Mit einer gefälschten Schenkungsurkunde und dem gestohlenen Jagdschein meines Mandanten ist die Tochter, die auch Jägerin ist, dann zur Waffenbehörde gegangen und hat die Gewehre einfach auf ihren Namen registrieren lassen“, sagt Anwalt Müller V – und kritisiert den Landkreis Hameln-Pyrmont: „Eine einseitige Erklärung stellt keine gültige Übereignung dar. Dazu bedarf es nach dem Gesetz zweier Unterschriften. Das hätte dem Sachbearbeiter auffallen müssen“, sagt der Jurist. Im Übrigen sei die Unterschrift seines Mandanten lediglich auf das Papier draufkopiert worden.

Polizisten finden Pistole im Blumenkübel

Eine von Otto L.s Pistolen ist übrigens in einem Blumenkübel von Anneliese L. entdeckt worden. Die Noch-Ehefrau will die Waffe dort versteckt haben. „Sie hat bei der Polizei ausgesagt, sie habe Otto L. die Waffe abgenommen, als dieser betrunken gewesen sei“, sagt Rechtsanwalt Müller V – und erklärt dazu: „Das ist eine Lüge.“

Otto L. ist verzweifelt. „Du bist im Recht und bekommst es nicht“, sagt er. Nun hofft der Unternehmer, dass die Gerichte den oder die Schuldigen bestrafen werden. „Nur so kann das gegen mich geschmiedete Komplott auffliegen“, sagt der 60-Jährige.



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