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Bauern in der Kritik

Harter Job – schlechtes Image

Hameln/Rohrsen (CK). Das Image der Bauern ist schlecht, angeblich sogar viel schlechter als noch vor 50 Jahren: „Die Verbundenheit der Bevölkerung mit unserem Berufsstand ist nicht mehr gegeben“, bedauert Jobst Brüggemann, Ortsvorsteher in Rohrsen und im Hauptberuf Landwirt und Bauer, wie er stolz betont. Der Unterschied? „Ein Bauer bewirtschaftet Eigenland.“

veröffentlicht am 14.07.2015 um 15:02 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:21 Uhr

uch auf dem Dorf ist das Verständnis für Güllegestank und Maschinenlärm begrenzt. Bilderbox
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Brüggemann, der sich zum Sprecher seiner Berufskollegen macht, sieht mehrere Gründe dafür, dass der Ruf der Landwirtschaft so schlecht ist. Früher, so sagt er, habe fast jeder im Dorf ein paar Tiere gehabt, Hühner etwa, Kaninchen, ein Schwein, alles für den Eigenbedarf. „Da hatte dann auch jeder Verständnis für die damit verbundenen Emissionen.“ Letztlich also vor allem für tierische Hinterlassenschaften und ihren Geruch. Nach und nach seien aus Ställen Garagen geworden, die Tiere verschwanden. Und mit ihnen auch das Verständnis. Noch hinzu kommt: „Viele Höfe dürfen von Fremden oder Kindern aus Hygienegründen nicht mehr betreten werden. Deshalb gibt es kaum noch Kontakt zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung.“

Von Vertretern des Landvolks und der Landfrauen wurde Brüggemann sogar berichtet, dass Bauerskinder in der Schule mitunter gemobbt würden – etwa als „Sohn vom Tierquäler“ oder vom „Umweltverschmutzer“. Namen möchten die Eltern allerdings nicht in der Zeitung lesen, aus Sorge, dass ihre Kinder dann weiteren Repressalien ausgesetzt sein würden.

Kein Wunder also, dass „Landwirt“ auf der Skala der Wunschberufe ziemlich weit unten steht. Und weil es zu wenig Nachfolger gibt, geht das Höfesterben munter weiter. Und nicht allein deshalb: Landwirt zu sein, bedeutet zunächst einmal, viel Geld in die Hand zu nehmen. „Kleine Trecker gibt es nicht mehr, und so ein großer Schlepper ist nicht unter 100 000 Euro zu haben, GPS-gesteuerte Spritzen sind ähnlich teuer“, sagt Brüggemann. Da müssten die Landwirte schon im großen Stil wirtschaften, um eine vernünftige Rendite zu erzielen.

Die damit verbundenen Probleme verschweigt Brüggemann nicht, verweist aber auch auf die Anstrengungen, die er und seine Berufskollegen unternehmen, um allen Anforderungen gerecht zu werden: „60 Betriebe im Landvolk-Bezirk haben einen Berater eingestellt, alljährlich erstellen wir eine Nährstoffbilanz, wir achten den Trinkwasserschutz und arbeiten eng mit der Lufa (Landwirtschaftliche Untersuchungsanstalt) zusammen. Wir geben und große Mühe, schließlich ist der Boden unser wichtigstes Wirtschaftsgut und nicht vermehrbar. Wir stehen damit für den Erhalt unserer Kulturlandschaft.“

 

„Manche suchen auf dem Land ein Idyll, das es so nicht mehr gibt

 

Landwirte, so Brüggemann, müssten so arbeiten, wie sie arbeiten, wenn sie überleben wollten. Das gelte auch für große Ställe, die heute in der Regel außerhalb der Ortschaften lägen. Bei der Bevölkerung stoße das jedoch auf wenig Verständnis. „Manche ziehen von der Stadt aufs Land und suchen hier ein Idyll, das es so nicht mehr gibt. Man kann die Zeit schließlich nicht zurückdrehen“, sagt der Rohrser, der für die Bedienung seines Maschinenparks eigene Lehrgänge machen musste. Fazit: Der Ruf der Landwirte ist schlecht. Doch den dummen Bauern aus dem Sprichwort, den gibt es kaum noch, sagt Brüggemann. Und die wenigen dummen? „Die gehen ins Fernsehen – zu ,Bauer sucht Frau‘.“



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