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Kunden müssen mitunter lange warten

Handwerker: „Keine Termine in nächster Zeit“

HAMELN. „Zeitnah? Keine Chance“, antwortet ein Elektrobetrieb der Kundin am Telefon. „Die Wartezeiten für Kunden werden länger“, stellte auch der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fest. Wie lange warten die Kunden in Hameln, bis Handwerker einen Auftrag angehen? Wir haben uns umgehört.

veröffentlicht am 08.03.2019 um 15:30 Uhr

Die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe sind voll – mancher Kunde muss sich in Geduld üben. Foto: Pixabay

Autor:

Frank Henke und Fenja-Marie Giebel
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Auf neun Wochen Vorlauf müssten sich Kunden bei Handwerksbetrieben in Deutschland einstellen, im Baugewerbe seien bis zu vier Wochen mehr, sagt Handwerkspräsident Wollseifer. Aus dem Hamelner Handwerk sind mitunter ähnliche Werte zu hören. Das bestätigen Testanrufe der Redaktion. Für Notfälle – Rohr gebrochen, Strom ausgefallen – rücken die Handwerker nach wie vor auf die Schnelle aus. Doch wie steht es um aufschiebbare Projekte? Das neue Bad? Ein paar versetzte Steckdosen? Erdarbeiten im Garten? Wir haben als vermeintliche Kunden angefragt:

Sie nähme mal unserer Daten auf, in „drei bis vier Wochen“, sagt die Mitarbeiterin eines Sanitärbetriebs, würde sich dann jemand melden. „Melden“ – noch nicht anfangen. Man sei „voll bis über beide Ohren“, heißt es aus einem anderen Betrieb der Branche. Auf „ein bis zwei Monate“ Wartezeit, bereitet uns ein Bauunternehmen aus dem Umland vor. Man sei „sehr ausgelastet“ und könne deshalb „nichts Genaues“ sagen, heißt es bei einem Konkurrenten. „Wir haben keine Termine in nächster Zeit“, teilt ein Elektrobetrieb mit. „Eventuell im April“ mit Fliesen würde es dann aber „nichts vor Juni“, heißt es in einem Sanitärbetrieb, „nach Ostern“ in einem anderen.

Etliche Betriebe sind mit Auftragsüberhängen ins neue Jahr gestartet.

Ulrich Wichmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

„Etliche Betriebe sind mit Auftragsüberhängen ins neue Jahr gestartet“, berichtet Ulrich Wichmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkschaft Hameln-Pyrmont. Einer der Gründe ist zunächst mal ein erfreulicher: Das Geschäft brummt. Konjunktur und Bauboom haben in vielen Branchen die Auftragsbücher gefüllt. „Wetterveränderungen sorgen auch für mehr Aufträge“, ergänzt Dachdecker-Obermeister Hartmut Fischer für seine Branche, die dieser Tage wieder mit Sturmschäden beschäftigt ist. Bei aufschiebbaren Arbeiten könne es dann drei bis acht Wochen dauern – je nach Projekt.

Andere Firmenchefs relativieren das Bild von den länger gewordenen Wartezeiten: „Bei mir warten die Kunden nicht länger“, sagt Tischlermeister Uwe Schrake (Nut und Feder). Bei Zulieferern von Fenstern beispielsweise könne es dann aber wieder Engpässe geben – dem Bauboom sei dank. Auch Peter Jens Saupe stellt fest, dass sich die Wartezeiten in seinem Sanitärbetrieb – „seitdem ich das mache, seit 2011“ – nicht verändert hätten.

Mit einem gewichtigen Problem, das die Wartezeit für Kunden in die Länge ziehen kann, sind jedoch auch Schrake und Saupe vertraut: Dem Handwerk fehlen die Leute. Oder genauer: „Wir finden Leute wie Sand am Meer, aber wir wollen ja qualifizierte Mitarbeiter“, sagt Saupe. Die Ansprüche im Job steigen, das Bildungsniveau der Bewerber sinkt: „Wir arbeiten in einem hoch technisierten Beruf, gehen mit Computern in die Häuser und bekommen dann Bewerber, die keinen Hauptschulabschluss haben“, sagt der Inhaber von Sanitär Saupe. Durch Praktika und Werbung in Schulen versuche man, junge Leute fürs Handwerk zu begeistern, berichtet Schrake als Sprecher der Tischlerinnung.

Manche Firmen scheuten auch den Schritt, angesichts der guten Auftraglage zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, so der Geschäftsführer der Handwerkskammer. Mehr Mitarbeiter, bedeuteten mehr organisatorischen Aufwand, so Wichmann. Also arbeite der Chef häufiger im Büro als auf der Baustelle – und am Ende bleibe auch nicht mehr Geld übrig als mit der kleineren Belegschaft. Wartende Kunden dürfte das nicht freuen.



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