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Hoffnung auf Cemag-Geld nach der Insolvenz / Zukunft der Sertürner-Villa ist noch ungewiss

Handwerk setzt auf die „seriösen Kaufleute“

Versucht, Kunden zurückzugewinnen: der bisherige Cemag-Präsident und jetzige CMP-Berater Ali Memari Fard.

veröffentlicht am 05.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:41 Uhr

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Hameln (CK). Nach der Insolvenz der Cemag-Gruppe mit insgesamt neun Firmen und dem Einstieg eines Investors – er investiert insgesamt 20 Millionen Euro – hoffen die heimischen Handwerker darauf, dass sie für ihre erbrachten Leistungen bezahlt werden, wie sie sie vor allem beim millionenschweren Umbau des Klüt-Restaurants, aber auch für andere Aufträge der Gebrüder Ali Memari und Akbar Fard erbracht haben.

Mit Horst Knuhr, dem bisherigen Finanzvorstand des Unternehmens, ist das seit Juni unter dem Namen „La Résidance“ firmierende Klüt-Restaurant in eine Betreibergesellschaft überführt worden. Ali Memari Fard (50), der die Unternehmensgruppe als Präsident geführt hatte und weiterhin als Berater tätig ist, sagte, er habe „ausdrücklich darum gebeten“, dass noch offene Rechnungen übernommen würden, damit Handwerker und Lieferanten nicht leer ausgehen.

Darauf setzt auch Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann. „Ich gehe davon aus, dass die Brüder Fard als seriöse und gestandene Kaufleute ihre Verpflichtungen gegenüber den Handwerkern erfüllen und, in welcher Form auch immer, dafür Sorge tragen, dass das, was aufgelaufen ist, auch bezahlt wird“, sagt Steinmann. Dass vor allem Ali Memari Fard sich zum Teil „menschlich enttäuscht“ von seinen Mitbürgern gibt, kommentiert Steimann so: „Es gibt auch Handwerker, die enttäuscht sind. Befindlichkeiten gibt es eben auf beiden Seiten.“ Aber es gehöre zu einer Partnerschaft, dass ordentlich erbrachte Leistungen auch ordentlich bezahlt würden, und das bleibe jetzt abzuwarten. „Nicht zuletzt davon hängt auch der Betrieb des Klütrestaurants ab“, glaubt der Kreishandwerksmeister, der es im Übrigen „positiv“ findet, dass Ali und Akbar Fard gemeinsam mit dem neuen Investor ein „klares Bekenntnis zum Standort Hameln“ abgegeben hätten.

„Ordentliches Geld für ordentliche Leistungen“: Krei
  • „Ordentliches Geld für ordentliche Leistungen“: Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann.
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  • „Diese Situation kann augenblicklich jeden Unternehmer treffen“: AdU-Vorsitzender Ulrich Meyer.
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Pure Erleichterung auch beim heimischen Arbeitgeberverband AdU. Dessen Vorsitzender Ulrich Meyer nennt die Tatsache, dass es mit einem neuen Investor, frischem Kapital und dem Namen CMP für die Cemag weitergeht, eine „eindeutig gute Nachricht – für die Familie, die Mitarbeiter und die gesamte Region“, wie er sagt. „Ich denke, dass alle sich vor Augen halten sollten, dass bei der derzeitigen Wirtschaftslage diese Situation jeden treffen könnte“, so Meyer im Namen der Unternehmer des Weserberglandes. Persönlich freut sich der AdU-Vorsitzende, „dass das, was mühsam aufgebaut wurde und was teilweise gar nicht in Geld aufzuwiegen ist, jetzt weitergeführt werden kann“.

Die Gebrüder Fard sind nach der Neuausrichtung der Unternehmensgruppe jedenfalls optimistisch. Zwar sei – bei einem alten Auftragsbestand von 112 Millionen Euro – ein Kunde abgesprungen, dessen Order allein 50 Millionen ausgemacht hätte. „Doch den versuchen wir zurückzugewinnen“, sagt Ali Memari Fard. Im Übrigen sei man in „sehr engen Gesprächen“ für die Lieferung von insgesamt 17 Einheiten der von ihm erfundenen Beta-Mühle, für die er im November vergangenen Jahres mit dem Preis der deutschen Schlacke-Industrie ausgezeichnet worden war.

Teurere Forschung und Entwicklung

Weitere Bestellungen erwarten die Fard-Brüder vor allem aus rohstoffarmen Schwellenländern, die ihre Infrastruktur erst aufbauen und zudem Energie sparen müssten. „Die Mühle ist ab jetzt im Hottenbergsfeld zu kaufen“, so Memari Fard mit Blick auf die Zentrale der Unternehmensgruppe vor den Toren der Stadt Hameln. Was den Sitz der Holding – die alte, aufwendig restaurierte Sertürner-Villa am Ostertorwall – angeht, so ist über deren Zukunft noch nicht entschieden. Nach Fards Worten überlegen die Investoren – neben dem Londoner Finanzmanager Kaveh Memari, dem Neffen der Brüder, auch weitere Angehörige der Familie, was künftig mit dem Gebäude passieren soll.

Rückblickend glaubt Memari Fard, das Unternehmen habe parallel zu viel Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt – ein Fehler, der jetzt unter anderem dadurch korrigiert werden soll, indem die Vertriebsmannschaft verdoppelt wird. Ingenieure, die abgesprungen sind, sollen schnellstmöglich ersetzt werden, darum wirbt das Unternehmen auch an Hochschulen um Diplomanden und technischen Nachwuchs.

Was die Ende September erfolgte Gründung eines Betriebsrats angeht, so hat Fard damit „überhaupt kein Problem“. Das sei das gute Recht der Mitarbeiter, allerdings sei es auch allein ihre Sache, eine Interessenvertretung zu gründen. Und was die Rolle der Gewerkschaften angeht: „Sie haben ihre Berechtigung, aber sie haben auch eine Verantwortung.“

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