weather-image

Kritik an e.on und Stadtwerken / Sorge um korrektes Ausschreibungsverfahren / Hannoveraner Modell als Vorbild

Handwerk fordert unabhängige Klimaschutz-Agentur

veröffentlicht am 25.02.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Kreishandwerksmeister
Karl-Wilhelm Steinmann.

Hameln (fh). Der Streit zwischen dem Landkreis Hameln-Pyrmont und der Stadt Hameln über eine von e.on geförderte Energieagentur sorgt bei Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann für Kopfschütteln: „Das ganze Thema ist aus dem Ruder gelaufen“, resümiert er. Nun stehe man vor zwei Alternativen „und beide sind die falsche Wahl“. Weder eine von e.on finanzierte Energieagentur, wie sie beim Landkreis auf Wohlwollen gestoßen ist, noch eine künftige Beratung durch die Stadtwerke Weserbergland kann Steinmann begeistern. Stattdessen brachte seine Organisation gestern ein drittes Modell ins Spiel: Die Beratung rund ums Thema Energie soll von einer „transparenten, unabhängigen regionalen Agentur“ angeboten werden.

Aus Planungen

werden Aufträge

Dafür sieht die Kreishandwerkerschaft ein konkretes Vorbild: die Klimaschutzagentur Hannover. Gestern besuchte Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, die Hameln-Pyrmonter Kollegen, um das Modell aus der Landeshauptstadt vorzustellen. Die Handwerkskammer Hannover ist im Beirat der gemeinnützigen GmbH vertreten.

Die derzeit in Hameln-Pyrmont diskutierten Modelle bezeichnet Steinmann als „ordnungspolitisch höchst zweifelhaft“. Offene Ausschreibungsverfahren seien insbesondere nach dem jetzt von e.on forcierten Modell kaum zu erwarten. Die Planungen sollen dort in der Hand von e.on-Angestellten bleiben, ohne dass örtliche Planer zum Zuge kämen. „Aus Planungen ergeben sich dann oft schon die an der Umsetzung beteiligten Unternehmen“, führt Steinmann aus. Für das heimische Handwerk sei da fraglich, ob auf diesem Wege noch Aufträge vor Ort blieben.

Ein Positionspapier zum Thema bestätigt dem Energiekonzern immerhin guten Willen: In Bezug auf regionales Engagement sei man von e.on „nicht gerade verwöhnt“. „Schön, wenn man dies erkennt und sich engagieren will“, heißt es vor dem Hintergrund der e.on-Pläne, 800 000 Euro in eine Energieagentur zu investieren.

Bei den Stadtwerken im Landkreis honoriert die Kreishandwerkerschaft das Bemühen, Aufträge in der Region zu belassen. Eine unabhängige Agentur im Sinne der Kreishandwerkerschaft könnten aber auch die Stadtwerke Weserbergland nicht sein: „Das ist keine Energieagentur, sondern ein Wirtschaftsunternehmen“, unterstreicht Steinmann.

Ziel der Kreishandwerkerschaft ist eine unabhängige Energie- oder Klimaschutzagentur, die kein operatives Geschäft verfolgt. Projektplanungen und Ausführungen sollen in Verantwortung der Kommunen bleiben, die diese nach den üblichen Ausschreibungsverfahren vergeben. Die Agentur soll Aktivitäten für den Klimaschutz bündeln und durch Kampagnen, Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit CO2-sparende Maßnahmen fördern. Die Einrichtung soll dabei nicht nur zentraler Ansprechpartner für alle Bürger und Beteiligten sein, sondern auch eine Koordination der Kommunen und wesentlichen Institutionen gewährleisten. Zudem solle man hier Unterstützung bei Konzept- und Machbarkeitsstudien leisten. Beispielsweise wenn es um Themen wie Energiesparen, Kraft-Wärmekoppelung oder regenerative Energien gehe.

Tragen sollen diese Gesellschaft – angedacht ist eine gGmbH wie in Hannover – zu mehr als der Hälfte der Landkreis und die Kommunen. Zusätzlich sollen Energieversorger, ein Verein von Förderern und eventuell auch die Verkehrsbetriebe mit ins Boot geholt werden.

„Jetzt ist die

Politik gefragt“

Trotz deutlicher Parallelen will Ernsting die Hannoveraner Agentur nicht als Blaupause für Hameln-Pyrmont verstanden wissen. In der Landeshauptstadt stand am Anfang aller Agenturpläne der Fonds „proKlima“, der seit 1998 jährlich rund fünf Millionen Euro an klimafreundliche Projekte ausschüttet. Gespeist wird der Fonds größtenteils von den Stadtwerken Hannover. „Die Agentur ist gewissermaßen entstanden, um den Fonds zu vermarkten“, blickt Ernsting zurück. Wie sich eine Beratungsagentur in Hameln-Pyrmont genau organisieren könnte, müsse jedoch vor Ort geklärt werden. „Jetzt ist die Politik gefragt“, sind sich Steinmann und Ernsting einig.

Installation von Solarzellen auf dem Hamelner Bahnhofsvorplatz. Die Kreishandwerkerschaft sieht potenzielle Aufträge im Bereich Klimaschutz.

Foto: Dana



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt