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Bäcker: „Wir wollen präsent sein“

Handwerk fehlt Nachwuchs: Spurensuche bei der Ausbildungsmesse

HAMELN. Im Handwerk herrscht Nachwuchsmangel: Mehr als 500 Lehrstellen waren allein im Handwerkskammerbezirk Hannover zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres nicht besetzt. Warum ist das so? Und was lässt sich dagegen unternehmen? Wir haben uns bei der Ausbildungsmesse in der Hamelner Rattenfänger-Halle umgehört.

veröffentlicht am 21.09.2018 um 17:05 Uhr

Rollen, formen und später flechten: Marcus Eggers arbeitet bei der Bäckerei Wegener. Mit den Auszubildenden stellt er das Bäckerhandwerk in der Rattenfänger-Halle vor. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Die Handgriffe sitzen. Marcus Eggers legt eine Teigrolle über die andere, bis ein gleichmäßig geflochtener Zopf entstanden ist. Der 39-Jährige arbeitet schon lange als Bäcker, hat früher selbst eine Ausbildung absolviert. Jetzt präsentiert er zusammen mit Azubis der Bäckerei Wegener seinen Job auf der Ausbildungsmesse.

„Wir wollen präsent sein“, sagt Bäckergeselle Marcus Eggers, der als Jugendlicher über einen Ferienjob zur Ausbildung gekommen ist. „Wir fangen zum Beispiel mit Besichtigungen schon früh an, bei Kindern die Begeisterung für den Job zu wecken.“ So habe die Bäckerei keine Probleme, Auszubildende zu finden. Doch das ist im Handwerk eher eine Ausnahme.

Zahlen unterstreichen den Nachwuchsmangel: Im Handwerkskammerbezirk Hannover waren zum 1. August zwar mehr als 2.130 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Doch zugleich waren mehr als 500 Stellen nicht besetzt. Holger Schwannecke, Generalsekretär vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, teilte kürzlich mit, dass es bundesweit rund 27.000 offene Lehrstellen gibt. Aber woran liegt das eigentlich?

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„Es gibt weniger Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz als Elektroniker in den letzten Jahren“, sagt Nina Rose (Stadtwerke Hameln). Foto: mo

„Für viele ist das Abitur der Königsweg“, sagt Jens Heitmüller, der die Handwerkskammer Hannover bei der Messe vertritt. Dadurch werde die Zielgruppe für das Handwerk kleiner. Ein Lösungsansatz: Mit einem Trialen Studium wurde ein Angebot geschaffen, dass auch Abiturienten ansprechen soll. Bedeutet: Eine Ausbildung im Handwerk wird mit einer anschließenden Meisterqualifikation und einem wissenschaftlichen Studium kombiniert. Heitmüller fügt hinzu: „Generell brauchen wir gute Qualität in den Ausbildungen und eine tolle Ansprache.“

Darauf legen auch die 48 Unternehmen und Institutionen aus dem Weserbergland wert, die sich und ihre Ausbildungsangebote in der Rattenfänger-Halle präsentieren. Dazu zählt „Be Ha-Py“, das kommunale Ausbildungsnetzwerk aller Städte, Gemeinden und der Kreisverwaltung im Landkreis Hameln-Pyrmont. „Wir wollen zeigen, was die Berufe, beinhalten“, sagt Frank Garlipp. Messen und Schulbesuche seien dafür wichtig. Denn auch bei „Be Ha-Py“ habe man die Erfahrung gemacht, dass es schwierig sein kann, Azubis für handwerkliche Jobs zu finden.

Ähnliches bestätigt Nina Rose aus dem Personalbereich der Stadtwerke Hameln. Sie meint, dass die Zahl der Bewerbungen in den vergangenen Jahren abgenommen habe. Es sei vor allem schwierig, Bewerber für die Ausbildung zum Elektroniker zu finden. Auch bei Vorwerk ist die Suche nach geeigneten Bewerbern für handwerkliche Jobs mitunter schwer. „Wir bieten Ausbildungsberufe, die fachspezifisch sind“, erklärt Ausbildungsleiterin Beate Nowak – und fügt hinzu, dass Schüler eine große Auswahl an Ausbildungsbetrieben hätten.

Und was wollen die Schüler? Ihre Berufsziele sind zumindest vielfältig. Von Kfz-Mechatroniker über Medienkauffrau bis hin zur Pflegefachkraft werden bei einer schnellen Umfrage vor der Rattenfänger-Halle viele Jobs genannt. Die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz könnten dabei besonders im Handwerk kaum besser sein. „Die Karrieremöglichkeiten sind momentan sehr gut“, betont Christine Seeger von der Handwerkskammer Hannover. Oder um es mit den Worten von Bäckergeselle Marcus Eggers zu sagen: „Auch wir als Betriebe bewerben uns bei den Schülern.“

Info: Die Ausbildungsmesse in der Rattenfänger-Halle hat am Samstag von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.



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