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Stadt präsentiert Konzept zu umweltfreundlicher Mobilität

Hamelns Zehn-Punkte-Plan für saubere Luft

HAMELN. Knapp 40 Millionen Euro müsste die öffentliche Hand in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausgeben, sollten alle Maßnahmen des Masterplans Mobilität umgesetzt werden. Ziel ist es, die Verkehrsströme nachhaltig und möglichst schadstofffrei zu gestalten und zu steuern. Mit derzeit angedachten zehn Maßnahmen will die Stadt ihr Mobilitätskonzept über kurz oder lang umsetzen. Ein Überblick.

veröffentlicht am 17.08.2018 um 15:28 Uhr
aktualisiert am 17.08.2018 um 17:21 Uhr

hm108 Masterplan Fahrradbrücke Westtorbrücke Nienburg dpa 0505

Von Dorothee Balzereit und Lars Lindhorst


1. Zwei Weserbrücken

hm108 Masterplan Glacisbrücke  Minden Karl-Heinz Ochs 0505

Hameln könnte in den kommenden Jahren um eine Nord- und eine Südbrücke reicher werden. Der „Green City Plan“ sieht vor, zwei Fuß- und Radwegebrücken zu bauen. Sie sollen direkten Anschluss an das Radwegenetz bekommen, dass gleichzeitig ausgebaut wird. Als Beispiel nimmt sich die Stadt dafür die Wesertorbrücke in Nienburg oder die Glacisbrücke in Minden (Bild). Nachdem vor nicht allzu langer Zeit schon über eine Möglichkeit nachgedacht wurde, im Süden der Stadt am Fort Luise eine Weserquerung für Radler und Fußgänger einzurichten, gibt es nun eine zweite Option: Auch im Norden auf Höhe der Breslauer Allee sei eine neue Weserbrücke vorstellbar. Für den Bau werden die geschätzten Kosten mit rund sechs Millionen Euro angegeben. Die beiden Projekte haben laut Stadt eine Schlüsselfunktion im gesamten Mobilitätskonzept. Gesamtstädtisch sei bei der Umsetzung dieses Plans mit einem „Nachfrageschub“ beim Fuß- und Radverkehr zu rechnen.


2. Stationärer Fahrradverleih

hm107 Masterplan E-Bike Verleih  Dana 1908

Hameln soll ein Fahrradverleihsystem bekommen. Stationär in der Stadt und den Ortsteilen können dann Touristen oder Tagesbesucher, die ohne Fahrrad Hameln besuchen, aber auch ÖPNV-Fahrgäste Räder ausleihen können – um zum Beispiel zu den Haltestellen der Busse zu gelangen. Der Verleih soll kurze Wege ermöglichen und könnte im Jahr 2020 starten. Insgesamt werden rund 3,2 Millionen Euro dafür veranschlagt. Höchste Priorität hat das stationäre Fahrradverleihsystem jedoch nicht: Es ist laut Masterplan eine „On-Top-Maßnahme“ innerhalb des Gesamtkonzepts. Viele Städte haben bereits Erfahrungen mit dem Fahrradverleih gemacht, davon ließe sich in Hameln profitieren.


3. Kooperation mit Arbeitgebern

hm106 Masterplan BHW Dana 1908

Nach Rathaus-Angaben wohnt über die Hälfte aller in Hameln Beschäftigten nicht im Stadtgebiet. Dazu pendeln über 22 000 Menschen von Hameln aus zu ihren Arbeitsplätzen auswärts. Neun von zehn Pendlern benutzen ihr eigenes Auto. Darin sieht die Stadt Verbesserungspotenzial: Im Masterplan wird empfohlen, mit Unternehmen und Verbänden über bessere Mobilitätskonzepte zu sprechen. Eine aktuelle Befragung bei Postbank und BHW, Hamelns größter Arbeitgeber, soll bis Ende des Monats noch in den endgültigen Masterplan eingearbeitet werden. Für die Kooperation mit Hamelns Arbeitgebern sind zunächst 50 000 Euro im Mobilitätskonzept angesetzt.


4. Freizeit

Vielerorts sind Besuche von Abendveranstaltungen ohne Auto nicht möglich. Das gilt laut Plan zum Beispiel auch für Diskobesuche Jugendlicher. Hier gelte es attraktivere ÖPNV-Verbindungen anzubieten. Es könnte dazu auch mehr gesicherte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Innenstadt oder kostenfreien ÖPNV bei Großveranstaltungen geben. Kosten geschätzt: jährlich 200 000 Euro.


5. Fahrradfreundliche Stadt

hm106 Masterplan Fährräder Dana 1908

Mit der Förderung des Radverkehrs sollen Verkehrsströme verlagert werden. Die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Scharnhorststraße ist eine Maßnahme, die bereits umgesetzt wurde und eine Fahrradachse zwischen Nord- und Kernstadt sein soll. In den nächsten fünf Jahren dem „Alltagsradverkehr noch mehr Schubkraft“ verliehen werden. Der Ausbau der Radverkehrinfrastruktur hat hohe Priorität. Ziel: noch mehr Stadtteilverbindungen und Angebote für Pendler schaffen. Die Fahrradrouten sollen künftig als „Hamelner Vorzugsnetz“ gelten. Geplante Kosten: rund 5,5 Millionen Euro.



6. E-Car-Sharing

In erster Phase sollen zwei elektrisch betriebene Autos in ein Car-Sharing-System integriert werden. Die E-Mobilität soll vor allem in Hamelns Innenstadt Privilegien bekommen. Zusätzlich soll der städtische Fuhrpark sukzessive auf E-Fahrzeuge umgestellt werden. Derzeit gibt es 68 Kommunal-Fahrzeuge. Alles in allem sind dafür Mehrkosten in Höhe von rund 200 000 Euro, auf zehn Jahre, vorgesehen.


7. Mehr Elektrobusse

hm109 Masterplan  E-Bus Berlin dpa 0505

Die Busse des ÖPNV stoßen, gemessen an ihrem Anteil am Gesamtverkehr, übermäßig viel Schadstoffe aus. Deshalb wird empfohlen, die bisherigen Dieselbusse (30 Fahrzeuge) in den kommenden zwei Jahren auf emissionsärmere Verbrennung umzurüsten (rund 1,2 Millionen Euro). Ein elektrischer Shuttle-Bus könnte in relativ kurzer Taktung zwischen Pfortmühle und Bahnhof verkehren. Kosten für die Shuttle-Anschaffung: rund 3,5 Millionen Euro.


8. ÖPNV-Ausbau

Obwohl 50 Prozent aller Rathausmitarbeiter täglich mehr als zehn Kilometer für ihren Weg zum Arbeitsplatz zurücklegen, benutzen nur knapp 3 Prozent der Mitarbeiter den Bus. Das hat eine Befragung ergeben. Im Masterplan heißt es: Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs ist nicht attraktiv genug. Empfohlen wird deshalb eine neue Konzeption des ÖPNV und die Serviceverbesserung. Die Umstellung der Buslinien und der Bau neue Haltestellen würde geschätzt zwischen 9 und 12 Millionen Euro kosten.


9. Ladestationen

Für elektrisch betriebene Autos und Lieferwagen soll die Infrastruktur im Hinblick auf Ladestationen verbessert werden. Das gleiche gilt für Fahrräder mit Elektroantrieb. Was Ladestationen für Autos angeht, so ist laut Stadt derzeit noch „keine Rentabilitätsrechnung möglich“. Mit Blick auf die Fahrrad-Ladestationen sind auch Kooperationen mit Drittanbietern denkbar. Derzeit werden im Masterplan Mobilität hierfür Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro eingeplant.


10. Verkehrsfluss

An den Ortseingängen der Bundesstraßen soll der einfahrende Verkehr stärker durch die Ampeln geregelt werden. Weniger Durchgangsverkehr soll vor allem durch die Vermeidung von Lkw erreicht werden. Für einen besseren Verkehrsfluss sind laut Verkehrsplanern die Vorfahrt für Busse und „Grüne Wellen“ für Radfahrer nötig. Im Zentrum steht dabei die Bevorzugung von Fahrrad und ÖPNV im Kernbereich der Stadt. Dazu gehört laut Konzept auch die Anhebung von Parkgebühren in der Innenstadt oder die Abschaffung kostenfreier Parkmöglichkeiten. Für einen neuen Verkehrsrechner und den Bau von Wartespuren wird mit Kosten von rund zwei Millionen Euro gerechnet.



Hameln stellt „Masterplan Mobilität“ vor

Nicht nur in Hameln ist Druck auf dem Kessel: In vielen Kommunen werden die Stickoxidwerte überschritten, so dass aus Brüssel Fahrverbote drohen. Wer keinen Plan hat, für den könnte es eng werden.

In Hameln ist insbesondere die Deisterstraße von hohen Stickoxidwerten betroffen. 2017 lag der Wert das erste Mal seit Jahren mit 39 Mikrogramm pro Kubikmeter knapp unter der Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid, der bei 40 liegt. Das ist aber längst kein Grund zur Entwarnung, wie Antje Janßen, Ingenieurin der LK Argus Kassel GmbH, die den Luftreinhalteplan für die Stadt Hameln erstellt, bemerkt. Ein Teil des Rückgangs sei auf klimatische Schwankungen zurückzuführen, ein anderer auf bereits erfolgte Maßnahmen. Um von einem Erfolg zu sprechen, müsse der Wert allerdings deutlich unter dem Grenzwert liegen.

Ich bin optimistisch, dass umfänglich gefördert wird.
Ralf Wilde, Fachbereichsleiter Umwelt

Die Stadt hofft, mithilfe des Masterplans die Schadstoffwerte reduzieren zu können. Für die Erstellung des Plans hatte man im Dezember 2017 einen Förderbescheid über 190 000 Euro aus Berlin entgegennehmen können. Für die anschließenden Maßnahmenpakete stehen nach dem Diesel-Gipfel insgesamt 500 Millionen Euro aus einem eigens aufgelegten Fonds bereit, in den auch die Automobilindustrie einzahlt. Insgesamt haben 60 Städte Förderbescheide für die Entwicklung kommunaler Masterpläne bekommen. Zusammen mit Experten zweier Fachbüros aus Hannover sind in den letzten Monaten konkrete Vorschläge zur Luftverbesserung erarbeitet worden.

„Es wird nicht alles umgesetzt werden können“, sagt Ralf Wilde, Leiter des zuständigen Fachbereichs bei der Stadt Hameln. Aber er ist „optimistisch, dass umfänglich gefördert wird“. Denn es bleibe Fakt, dass man sich auch künftig gegenüber der EU für die Überschreitung von Stickoxidwerten rechtfertigen müsse. „Das ist ein Thema, das uns über mehrere Jahre begleiten wird.“ Grundsätzlich dienten die Masterpläne dazu, überhaupt „Fördertöpfe aufzumachen oder sie so anzupassen, dass die Kommunen etwas damit anfangen können“.

Gleichzeitig sind die Maßnahmen sehr weit gefasst, denn man habe sich keine Denkverbote auferlegen wollen. „Dann kommen wir nicht weiter.“

Der Hamelner Masterplan umfasst zehn Themenfelder – jedes einzelne mal mehr, mal weniger teuer.





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