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„Vitamin B ist das A und O“

Hamelns Schüler haben es schwer – kaum Ferienjobs

Hameln (dk/sas). Ferien – endlich Zeit für Freibad, Reisen und Eiscafé! Wenn dabei aber nun das Taschengeld knapp wird, machen sich Schüler notgedrungen auf die Suche nach einem Ferienjob, der mehr Geld bringt als ein paar zugesteckte Euro von Omi für das Rasenmähen. Doch Schülerjobs sind in und um Hameln rar.

veröffentlicht am 28.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 21:41 Uhr

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Bankkauffrau Beate Bollmann (45) erinnert sich an ihre Schulferien: „Ich habe bei einer Kunststofffirma am Fließband gearbeitet. Den Job habe ich ganz einfach über meinen Vater bekommen.“ Eine Bewerbung oder gar ein Vorstellungsgespräch waren da nicht nötig. „Für die Firmen war es durchaus üblich, in den Ferien Schüler für leichtere Arbeiten einzustellen. Denn sie ersetzten ja die Kollegen, die im Urlaub waren“, erzählt Bollmann. „Man musste zwar schon konzentriert bei der Sache sein, aber überfordert hat mich dieser Ferienjob am Fließband nicht.“ Das dazuverdiente Geld hat sie für die Einrichtung ihrer ersten Wohnung und für einen kleinen Urlaub gespart.

Auch heute noch kommen Schüler ohne Kontakte nur sehr schwer an Ferienjobs heran. Mundpropaganda und familiäre Beziehungen spielen eine große Rolle, „Vitamin B ist das A und O“, sagt auch Christina Rasokat, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Hameln. „Früher hat das Arbeitsamt zu vergebende Stellen veröffentlicht, heutzutage organisieren sich die Firmen bei Bedarf selbst ihre Schüler.“ Jedoch gehe die Nachfrage nicht nur wegen der Wirtschaftslage in den Sommermonaten zurück, sondern vor allem wegen Zeitverträgen der eigenen Mitarbeiter und einer effektiveren Zeitplangestaltung.

Die Jobbörse auf der Internetseite der Arbeitsagentur ist gefüllt mit vielversprechenden Angeboten für Hameln-Pyrmont. Das Repertoire reicht von der typischen Servicekraft im Restaurant und Verkäuferinnen in Modegeschäften bis hin zum Eisverkäufer oder dem „Testkäufer“. Doch nach einigen Anfragen stellt sich heraus, dass niemand an einer 16-jährigen Schülerin interessiert ist, sondern die Firmen nach Volljährigen suchen, die über die Sommerferien hinaus arbeiten wollen.

René Sievers konnte regelmäßig als Zusteller bei der Deutschen Post Hameln in den Ferien arbeiten. „Der Job war nicht öffentlich ausgeschrieben und trotzdem sehr begehrt, ich bin durch Bekannte auf ihn aufmerksam geworden.“ Dr. Michael Meyer, Betriebsleiter des Standortes Hameln, bestätigt dies: „Unsere Jobs erfreuen sich großer Beliebtheit. Wir schreiben die Stellen teilweise über das Internet aus, aber viel geschieht auch über Mund-Propaganda. Auch die Universitäten werden direkt angesprochen.“

Das Hotel Christinenhof, welches jedes Jahr Minijobs als Zimmermädchen vergibt, vermeldet eine große Nachfrage: „Allerdings vergeben wir nicht wirklich Ferienjobs an Schüler, sondern wollen schon Personen mit Erfahrung auf unserem Gebiet haben.“ Schon seit längerer Zeit macht sich der Trend bemerkbar, dass Firmen und Unternehmen Ferienjobs bevorzugt an Studenten mit Führerschein vergeben. Mit der Volljährigkeit fallen beinahe alle rechtlichen Einschränkungen. „Ab 18 heißt es nicht mehr Jugendarbeit, so dass fast alles möglich ist“, erklärt der Hamelner Rechtsanwalt Boris Faehndrich. „Allerdings ist die Beschäftigung von Jugendlichen, die noch der Schulpflicht unterliegen, verboten; es gibt aber Ausnahmen.“ Ab 13 seien leichte Aufgaben mit Einwilligung der Eltern möglich. Für nicht schulpflichtige Minderjährige würden außerdem andere Regeln gelten.

Eine Alternative ist das Praktikum. Jugendliche und junge Erwachsene können sich mit der Arbeitswelt in einer Branche vertraut machen und Erfahrung sammeln, die sich später im Lebenslauf bewähren kann. Erfahrung statt Geld lautet die Devise. „Bei uns kommen immer wieder Anfragen für Praktika an, die wir auch gern annehmen“, heißt es von Radio Aktiv. Das Interesse von Schülern in Medien- und IT-Unternehmen scheint groß zu sein. Und um seine Chancen für einen Job in der beliebten Branche zu erhöhen, verzichtet der eine oder andere schon mal auf den Verdienst.

„Ohne Moos nichts los“ – Hamelner Schüler finden kaum noch Ferienjobs.

Foto: Bilderbox

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