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Ins Abseits verbannt und kein Magnet: Die große Wasserfläche wird in der Weserstadt vernachlässigt

Hamelns Hafen – Warten auf bessere Zeiten?

Hameln (ww). „Es kommen ja auch mal wieder andere Zeiten, und dann legen wir hier richtig los.“ Im Jahr 2003 hatte Prof. Bernd Kreykenbohm eine Vision: Ein Industriemuseum auf Schienen, ein Fitnesscenter im Raiffeisengebäude, ein alter Getreidesilo als Erlebnisturm. Gemeinsam mit 19 Studenten der Fachhochschule Hannover entwickelte der Lehrbeauftragte des Fachbereichs Architektur und Bauingenieurwesen damals ein Nutzungskonzept für den Hamelner Stadthafen. Die brachliegenden Industriegebäude sollten umfunktioniert, das gesamte Gelände für Einheimische wie Touristen zugänglicher und attraktiver werden. „Irgendwann“, hieß es seinerzeit aus dem Rathaus, könnten einige der Ideen in „irgendwelchen Plänen Verwendung finden“. Allein am Geld hapere es noch.

veröffentlicht am 28.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 16:41 Uhr

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Neun Jahre sind diese Pläne für den alten Schutzhafen am Senator-Meyer-Weg nun alt, seit neun Jahren wartet das architektonische Konzept nun schon auf „andere Zeiten“ – getan hat sich indes wenig. Im „integrierten städtischen Entwicklungs- und Wachstumskonzept zur Verbesserung der touristischen und Einzelhandelsinfrastruktur in der Hamelner Altstadt“ (ISEK), welches Planungen für die Jahre 2007 bis 2017 beinhaltet, spielt der Hafen nur eine Nebenrolle, ist offenbar kein Schwerpunkt städtischer Politik. „Für den Einzelhandel und den Tourismus von zentraler Bedeutung“ seien die Altstadt und die Weserpromenade, heißt es dort, „im Sinne der Konzentration der Kräfte“ blieben „die vorgeschlagenen Maßnahmen zur baulichen Erneuerung“ daher auf diese Bereiche beschränkt – obwohl das immer noch industriell geprägte Hafenareal inklusive der angrenzenden Gewerbebrachen „einen verwahrlosten Eindruck“ mache und eine Umstrukturierung auch hier geplant sei.

„Da der alte Schutzhafen nur über das Betriebsgelände der Wesermühlen zu erreichen und daher relativ schwer zugänglich ist, ist er sicherlich kein Touristenmagnet“, erklärt der 2. Vorsitzende des Hamelner Hafenvereins, Knut Brokate, „viele alteingesessene Hamelner wissen nicht einmal, dass es einen Hafen gibt.“ Um das Gebiet überhaupt touristisch zu erschließen, müssten Wege und Kanalisation angelegt, die Weserpromenade weitergezogen werden. Dieser Auffassung ist auch Jörg Menze, Reeder der Flotte Weser, deren Schiffe nachts und zur Überwinterung im Hafen liegen: „Schon der Eingangsbereich des alten Hafens müsste attraktiver werden, indem man ihn maritim aufwertet und die Promenade ausdehnt.“ Eine Infrastruktur sei dort zum Teil ja schon vorhanden. „Hameln und das Wasser müssen eine eigenen Adresse sein“, wünscht sich Menze.

Eine Marina in unmittelbarer Nähe zur Altstadt – das war auch die Vision, die Ende der 1990er Jahre des vorigen Jahrhunderts Günther Kessels entwickelt hatte. Der Vorsitzende des mitgliederstarken CDU-Stadtverbands Hameln-Mitte hatte seinerzeit Politik und Verwaltung zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen, um ihnen seine Pläne für den Hafen vorzustellen. Kessels’ plötzlicher Tod kam dazwischen, seine Partei hat das Thema seither nicht mehr ernsthaft verfolgt.

Für Fahrer kleinerer Sport- und Motorboote stellt der Hafen offenbar ein Problem dar: Er sei nicht darauf ausgelegt, dass sie dort festmachen, erklärt Alfred Harland, Vorsitzender des Hamelner Motorboot-Clubs (MCH): „Die Kaimauer ist viel zu hoch, kein Sportbootfahrer kann dort aussteigen.“ Von der Lage her sei der Hafen schon toll, aber: „für unsere Zwecke überhaupt nicht geeignet“, sagt Harland. Eine Verlegung des Sportboothafens an den Senator-Meyer-Weg werde es deshalb auch nicht geben, obwohl etwas Durchfahrtsverkehr und ein paar Besucher zu Wasser den „Problemzonen-Hafen“ sicher attraktiver machen würden.

Schwierig gestaltet sich laut Brokate die Aufwertung des Schutzhafens nicht zuletzt wegen der Eigentumsverhältnisse: Die am Hafen gelegenen Industriebauten sind in privater Hand, in vielen der zwischenzeitlich leerstehenden Gebäude tut sich etwas, so hat Volvo dort eine neue Halle gebaut und nutzt ältere Gebäude für Lagerzwecke. Und die Bebauung des Deiches – das einzige Gebiet am Hafen, das der Stadt gehört und somit in ein Bebauungskonzept eingegliedert werden könnte – ist laut Bundesdeichschutzgesetz untersagt.

Bis die von Kreykenbohm prognostizierten „anderen Zeiten“ anbrechen, genießen die Hausbootbewohner des Hafenvereins ihre Ruhe und ein „Idyll“, wie sie finden.

Es gibt Orte, die im toten Winkel der Stadtentwicklung liegen. Der Hafen ist einer von ihnen. Verwahrlost und un-

attraktiv, führt er in der Weserstadt ein Schattendasein. Viele wissen nicht einmal, dass es ihn gibt.

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