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Sammlung von Vikilu-Schülern über die weibliche Bevölkerung für das Stadtarchiv aufbereitet

Hamelns Frauengeschichte für die Nachwelt

Hameln (git). Sichtlich zufrieden sitzt Hyuni Oberbeck auf einem der edlen Polsterstühle. Die über 20 Jugendlichen vom Viktoria-Luise-Gymnasium auf der anderen Seite des Raumes tuscheln verhalten im großen Saal des Hochzeitshauses. Gegenüber von Frau Oberbeck haben weitere Erwachsene in den unterschiedlichsten Altersgruppen ihren Platz, alle fein herausgeputzt. Ingrid Scheunpflug vom Ortsring Hameln des Deutschen Frauenringes hat sogar einen der wenigen Stühle mit Seitenlehnen erwischt. Die „Frauenringfrau“ ist zufrieden. Und ebenso zufrieden äußern sich Dr. Sabine Kempf vom Vikoria-Luise-Gymnasium und Olaf Piontek vom Stadtarchiv.

veröffentlicht am 25.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 03:21 Uhr

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Eine Atmosphäre von Würde liegt im Raum, das strahlt auch die Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann aus: Sie kommt mit glänzender Amtskette. Alle Gäste im Raum haben direkt oder indirekt etwas Unwiederbringliches für Hamelns Geschichte beigesteuert, heute soll ihnen dafür gedankt werden. Lippmann gibt an diesem Tag allen Damen der großen Runde den Vortritt. Nicht ohne Grund, denn es geht schwerpunktmäßig um die weibliche Bevölkerung der Region – genau genommen um die Bereitstellung von Unterlagen. Denn bei der Suche nach Material zum Thema bedeutender Frauen in Hameln und Umgebung fand Ingrid Scheunpflug beim Stöbern zum 60-jährigen Bestehen des Frauenringes im Jahre 2006 so gut wie gar nichts über jene Marie Lodemann, die einst 1946 den Ortsring gründete. Das wollte sie ändern, und das hat sie auch. Seit 2008 werden mittlerweile Materialien zur Frauengeschichte in Hameln für ein Frauenarchiv als Teil des Stadtarchivs zusammengetragen. Die Sammlung ist seitdem kontinuierlich gewachsen, sagt Piontek. Er arbeitet derzeit an der Archivierung des eingegangenen Materials. Abgegeben seien beispielsweise eine Dokumentation zur Geschichte des Hamelner Geburtshauses oder auch umfangreiche Vereinsakten des Frauenringes, ferner eine Chronik des längst verschwundenen Hausfrauenbundes sowie zahlreiche Erinnerungsberichte von sozial und kirchlich engagierten Hamelnerinnen.

Bei dem feierlichen Empfang im Hochzeithaus ging es um den Abschluss eines Projektes, das Ingrid Scheunpflug im Namen des Frauenringes für das Archiv angeschoben hat. Es geht um Zeitzeugen wie Hyuni Oberbeck, die als junge Frauen nach Hameln gekommen sind und von ihrem „Warum“ berichtet haben. Genau genommen um ganze 17 Stunden Tonmaterial, Interviews, die mit 33 verschiedenen Partnern geführt wurden und nun bei Olaf Piontek für die Ewigkeit archiviert werden. Befragt wurden muslimische Frauen und Männer, Mitglieder der liberalen jüdischen Gemeinde, Spätaussiedlerinnen und deutsche Rückwandererinnen.

Einig sind sich alle: „Wir leben gerne in Hameln.“ Heimat sei da, wo man sich wohlfühle. Eine engagierte Mitstreiterin für ihre Idee fand Ingrid Scheunpflug in Dr. Sabine Kempf vom Viktoria-Luise-Gymnasium. Zunächst außerhalb des Lehrplanes und ein Jahr später, im Schuljahr 2010/2011, in dem eigens eingerichteten Seminarfach „Migration in Hameln“ erarbeiteten Schülerinnen und Schüler der Vikilu jene Interviews als Zeitzeugenmaterial, für das sich Oberbürgermeistern Lippmann im Namen der Stadt bedankte. „Das Material wird Jahrhunderte in unserem Archiv bleiben“, ist sich die OB sicher. Die Fragen der 30 Schülerinnen zogen sich vom Bereich Geschichte über Religion hin zu Deutsch und Politik. Ganz individuelle Blickrichtungen der Befragten und Themen wie Flüchtlingsbewegungen, Nationalsozialismus und jüdische Religion wurden eröffnet. „Für die Schülerinnen ist es Geschichte zum Anfassen“, sagte die Studienrätin. Für sie selbst ist das Projekt allerdings noch nicht zu Ende, denn in Planung ist nun, sich mit der Hamelner Idee am bundesweiten Kulturwettbewerb „Kinder zum Olymp“ zu beteiligen.

Dr. Sabine Kempf (rechts) übergibt Lydia Hoffmann vom Verein für Spätaussiedler und deutsche Rückwanderer eine Kopie ihres Interviews, links Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann. Foto: git



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