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Anzeigenkampagne soll Kanzlerin Merkel bestärken, an ihrer Zusage „Die Spareinlagen sind sicher“ festzuhalten

Hamelns Banker lehnen eine Bankenunion ab

Hameln (HW). Sparkassen und Genossenschaftsbanken laufen Sturm gegen die EU-Pläne zu einer einheitlichen Einlagensicherung. Mittels ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen hatten die Kreditinstitute Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) davor gewarnt, dass eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung eine Verminderung des Schutzniveaus der Kunden bedeutete. Sparkassen und Genossenschaftsbanken wenden sich deshalb „mit aller Deutlichkeit gegen Brüsseler Überlegungen, eine europäische Einlagensicherung einzuführen“. Aus Sicht von Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon wäre das eine Bedrohung für die deutschen Sparguthaben. „Es darf nicht sein, dass notleidende Banken im Ausland mit dem Geld gerettet werden, das wir zur Absicherung der Guthaben unserer hiesigen Kunden bereithalten“, sagt Fahrenschon. Der oberste Sparkassen-Banker betont aber: „Die Spareinlagen sind sicher.“

veröffentlicht am 19.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 13:21 Uhr

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Auch die Hamelner Sparkassen und die Volksbank lehnen die von der EU-Kommission gewollte Haftung für riskante Geschäfte europäischer Groß- und Investmentbanken kategorisch ab. „Das Einlagensicherungssystem in Deutschland garantiert jedem Sparer, dass sein gespartes Vermögen in vollem Umfang gesichert ist. Es gibt keinen Grund, von dieser umfangreichen Regelung zugunsten unserer Kunden abzuweichen“, betont Alois Drube, Vorstandschef der Stadtsparkasse Hameln. „Mit der gemeinsamen Anzeigenkampagne wollen Sparkassen und Volksbanken die Öffentlichkeit und die Politik auf die für deutsche Kunden nachteiligen Pläne der EU-Kommission aufmerksam machen und die Bundeskanzlerin darin bestärken, an ihrer Zusage ‚Die Spareinlagen sind sicher‘ festzuhalten und somit die Pläne eindeutig abzulehnen“, erklärt Bernhard Kruppki, Sprecher der Sparkasse Weserbergland. Eine Bankenunion sei der Versuch, Finanzmittel zur Stützung europäischer Groß- und Investmentbanken einzusetzen, die eigentlich zur Einlagensicherung von Kunden deutscher Sparkassen und Genossenschaftsbanken bestimmt seien. Das Modell der Sparkassen habe bislang einwandfrei funktioniert. „Damit waren die Sparkassen ein Hort der Stabilität, insbesondere während der Finanzmarkt-Krise. Eine Bankenunion würde deshalb im Krisenfall einen Griff in fremde Kassen bedeuten“, meint Kruppki. Heinz-Walter Wiedbrauck, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Hameln-Stadthagen, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Sparkassen-Finanzgruppe unterhalte in Deutschland ein leistungsfähiges Sicherungssystem. Diesem seien alle Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen angeschlossen. Es handele sich um ein sogenanntes Institutssicherungssystem. „Das bedeutet, dass die angeschlossenen Kreditinstitute in ihrem Bestand geschützt, Insolvenzen vermieden und damit Einlagensicherungsfälle ausgeschlossen werden. Da Institute nicht durch Insolvenz verschwinden, werden nicht nur die Einlagen, sondern auch alle anderen Geschäftsbeziehungen zu Privat- und Firmenkunden, etwa auch die bestehenden Kreditbeziehungen, umfassend abgesichert“, erläutert Lars Papalla, Sprecher der Stadtsparkasse Hameln.

Dieser Haftungsverbund verfüge über ein ausgefeiltes Früherkennungs- und Risikoüberwachungssystem. Er werde aktiv, sobald sich wirtschaftliche Schwierigkeiten bei einem Mitgliedsinstitut abzeichnen. Bei Handlungsbedarf werde gemeinsam mit dem betroffenen Institut nach Lösungen gesucht, damit es schnell zu einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit zurückkehren könne. „Die Sicherungseinrichtungen haben dabei weitreichende Einwirkungsmöglichkeiten. Es wird immer das Ziel verfolgt, dass eine Stützung eines Instituts gar nicht erst notwendig wird“, betont Papalla. Notfalls werde mit Finanzmitteln der gebildeten Fonds und mit dem Vermögen der anderen angeschlossenen Banken sichergestellt, dass jedes Mitgliedsinstitut jederzeit seine Verbindlichkeiten erfüllen könne. „Jedem Einleger können daher bei Fälligkeit seine Ansprüche insbesondere aus Spar-, Termin- oder Sichteinlagen sowie verbrieften Forderungen in voller Höhe erfüllt werden“, betont der Sprecher. Als Konsequenz der Staatsschuldenkrise in einzelnen Ländern der Europäischen Währungsunion und Schieflagen derer Kreditinstitute wolle die EU-Kommission nun eine sogenannte Bankenunion einrichten. Darunter verstehe sie unter anderem eine gemeinsame europäische Einlagensicherung. „Diese Vorschläge bedeuten im Kern, dass die heute für die Absicherung der Kunden der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken angesparten Sicherungsmittel bei Schieflagen europäischer Banken eingesetzt werden sollen. Damit würden die Schäden aus besonders risikoreichen Geschäften europäischer Groß- und Investmentbanken deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken auferlegt“, betont Papalla. Das sei weder im Sinne der deutschen Sparer noch im Sinne der Sparkassen, „da durch diese Pläne das Schutzniveau deutscher Sparer verringert wird“.

Und Kruppki ergänzt: „Das Sicherungsniveau für unsere Sparer und alle dafür vorgesehenen Finanzmittel soll ohne Abstriche erhalten bleiben.“ Einlagen, die die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland bei einem Institut der Sparkassen-Finanzgruppe haben, seien abgesichert – und zwar in unbegrenzter Höhe. „Damit geht die Sparkassen-Finanzgruppe weit über die gesetzlich festgeschriebene Mindesthöhe für die Einlagensicherheit von 100 000 Euro hinaus“, versichert der Sprecher der Sparkasse Weserbergland.



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