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Tennis, Tanzen, Trump

Hamelnerin Thúy Vu berichtet vom Austauschjahr in den USA

HAMELN. Mit einem „leeren Koffer voll Ungewissheit und Neugier“ verließ Thúy Vu im vergangenen Sommer Hameln, um sich in das Abenteuer High School zu stürzen. Ende Juni kehrt die 17-Jährige zurück, „mit einem Koffer voller Eindrücke, Erkenntnissen und Wissen über die USA“, wie sie sagt. Per WhatsApp erzählt die Hamelnerin, wie es ihr bisher ergangen ist.

veröffentlicht am 18.04.2017 um 18:16 Uhr

Ein Jahr an einer US-amerikanischen High School – für die Hamelnerin Thúy Vu ging dieser Traum in Erfüllung. Foto: pr
Michael Zimmermann

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Ermöglicht wurde ihr einjähriger Aufenthalt durch das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages. Vor ihrem Aufbruch über den Atlantik habe Thúy gehofft, sich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln, sagt sie. Ihre erste Bilanz fällt positiv aus: „In verschiedenen Situationen musste ich selbstständig handeln. Das hat mir geholfen, mich selbst besser kennenzulernen und einzuschätzen.“ So ist sie im November zum Beispiel zur Familie ihrer besten Freundin gezogen, nachdem es in ihrer alten Gastfamilie nicht optimal lief.

Einen Vorteil hatte Thúy von Anfang an auf ihrer Seite: Ihr älterer Bruder Ba Duc hatte ein Jahr zuvor ebenfalls am Austausch teilgenommen und konnte ihr wichtige Tipps geben. „Er hat mir erklärt, wie alles ungefähr läuft und wie ich mich am besten verhalten sollte, um schnell Freunde zu finden und mich einzuleben.“ Auch beim Thema Heimweh wusste er Rat: „Als ich um Weihnachten herum meine Familie vermisst habe, sagte er, dass ich auf das schauen soll, was ich hier in den USA habe.“

Viel Zeit zum Grübeln bleibt ihr sowieso kaum, denn Thúys Tage sind gut gefüllt. Jeden Morgen beginnt für sie um sieben Uhr der Schultag, nachmittags geht es direkt zum Tennistraining. „Solange man im Kopf behält, dass jeder Moment im Auslandsjahr zählt, genießt man aber im Grunde alles“, findet sie. Während der Frühlingsferien habe sie nun auch etwas mehr Zeit zum Durchatmen.

Für gesellschaftliches Engagement und gute schulische Leistungen wurde Thúy in das Stipendienprogramm „Delta Scholars“ an ihrer High School aufgenommen. Foto: pr
  • Für gesellschaftliches Engagement und gute schulische Leistungen wurde Thúy in das Stipendienprogramm „Delta Scholars“ an ihrer High School aufgenommen. Foto: pr
Der „Women‘s March“ in Washington D.C. gehörte zu den Highlights ihres Austauschjahres. Foto: pr
  • Der „Women‘s March“ in Washington D.C. gehörte zu den Highlights ihres Austauschjahres. Foto: pr
Beim „Scorpion Crawl“ belegte Thúy aus mehr als 100 Läufern den 29. Platz. Das Cross Country Rennen wurde von ihrer High School für alle lokalen Schulen veranstaltet. Der Langstreckenlauf ist ein typisch amerikanischer Herbstsport. Foto: pr
  • Beim „Scorpion Crawl“ belegte Thúy aus mehr als 100 Läufern den 29. Platz. Das Cross Country Rennen wurde von ihrer High School für alle lokalen Schulen veranstaltet. Der Langstreckenlauf ist ein typisch amerikanischer Herbstsport. Foto: pr

Plötzlich bekamen all diese Trump-Wähler ein Gesicht, und ich sah, wie viele Anhänger er doch hat.

Thúy Vu zur Amtseinführung von Donald Trump

Wilde High-School-Partys wie im Fernsehen gebe es an ihrer Schule übrigens nicht. „Freunde haben mir gleich zu Beginn gesagt, dass ich Partys hier in der Umgebung nicht erwarten könne“, erklärt Thúy. „Meine Wochenende bestehen aus Familienaktivitäten, Freunde treffen und einem Kirchenbesuch jeden Sonntag.“ Obwohl sie vorher nie in die Kirche gegangen sei treffe sie sich dort inzwischen regelmäßig mit Freunden. So sei der „Spring Retreat“, eine Art Kirchenfreizeit am Meer, „ein unvergessliches Erlebnis“ gewesen. Ein anderes Highlight liegt gerade erst hinter ihr: Zusammen mit drei Schulfreunden hat sie den Talentwettbewerb ihrer High School gewonnen. Mit einer Tanzperformance setzte sich die Gruppe gegen die Konkurrenz durch. „Das war definitiv einer der besten Momente im Auslandsjahr“, schwärmt Thúy.

Besonders gut gefallen der politikinteressierten Hamelnerin die Fächer Tanzen, Native American Studies und vor allem Government, wo sie viel über das politische System und politische Ereignisse in den USA lerne. Passend dazu verfolgte sie die Präsidentschaftswahlen aus nächster Nähe. „Man sagte mir immer, dass es vielleicht das perfekte Jahr ist, in den USA zu sein.“ Einen Tag lang half sie sogar in Philadelphia der Kampagne von Hillary Clinton. Ihre Schule, die Oakland Mills High School in Columbia, liegt im Bundesstaat Maryland, in dem die Demokraten in der Mehrheit sind. Umso größer seien nach der Wahl Enttäuschung und Frust vor Ort zu spüren gewesen. Ihre damalige Gastmutter habe geweint und sich für einige Tage zurückgezogen. Wie gespalten das Land ist, habe sie erfahren, als sie im Januar zur Amtseinführung von Trump fuhr. „Plötzlich bekamen all diese Trump-Wähler ein Gesicht, und ich sah, wie viele Anhänger er doch hat.“ Das Kontrastprogramm erlebte sie am Tag darauf beim „Women’s March“: „Das war unglaublich“, berichtet sie. „Beinahe alle Schilder und Parolen richteten sich nun gegen Trump.“

Bei dem Gedanken an ihre Rückkehr in zwei Monaten mischen sich Wehmut und Vorfreude. „Natürlich werde ich mich auch nach meinem amerikanischen Zuhause sehnen.“ Trotzdem freue sie sich darauf, endlich wieder Zeit mit ihrer zu verbringen. Bestimmt müsse sie sich auch auf einen kleinen Kulturschock einstellen, vermutet sie. „Viele typische und selbstverständliche deutsche Dinge und Gewohnheiten werden für mich erst einmal fremd sein und ich werde wahrscheinlich anfangen, Sachen mehr zu hinterfragen und zu vergleichen.“

Neue Herausforderungen hat Thúy Vu aber auch schon im Blick: Sie möchte zum Beispiel den Führerschein machen. Vor dem Einleben in einer neuen Klassenstufe ist ihr indes nicht bange. „Ich habe in einem völlig fremden Land gelebt und bin mit den unterschiedlichsten Situationen konfrontiert worden, da werden Dinge wie neue Freunde zu finden, kein Problem sein.“

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