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Hannah Behnsen checkte wenige Stunden vor Attentaten aus Nachbarhotel von Anschlagsziel aus

Hamelnerin entgeht Terror in Sri Lanka

HAMELN/WELIGAMA. Hannah Behnsen ist noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Zwölf Stunden nachdem die Hamelnerin mit ihrem Freund aus dem Hotel ausgecheckt hatte, wurde am Ostersonntag auf ein Nachbarhotel im sri-lankischen Colombo ein Terroranschlag verübt.

veröffentlicht am 02.05.2019 um 16:06 Uhr
aktualisiert am 02.05.2019 um 20:10 Uhr

Die Hamelnerin Hannah Behnsen und ihr Freund sind in Sri Lanka noch mal mit dem Schrecken davongekommen. Foto: H. Behnsen/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Weitere Anschläge erfolgten auf andere Hotels und Kirchen der Stadt. Mindestens 253 Menschen kamen ums Leben, fast doppelt so viele wurden verletzt. Die Dewezet-Redaktion hat mit der 25-jährigen Hamelnerin via Whatsapp telefoniert und mit ihr über die Situation vor Ort gesprochen.

Hannah Behnsen hat gerade den Bachelor-Abschluss ihres Psychologie-Studiums gemacht, ihr Freund sein Staatsexamen in Medizin. Beide studieren in Witten an der Ruhr. Geplant waren nun ein gemeinsamer Asienurlaub und eine Yoga-Ausbildung, die sie in Sri Lanka absolvieren wollte. Doch dann kamen die Terroranschläge.

Noch am Abend vor dem Terrorakt hätten sie am Hotel Kingsbury, einem der Terrorziele, gegessen. Einen halben Tag nachdem sie aus dem Nachbarhotel The Steuart ausgecheckt hatten, hätten sie dann von den Explosionen in Colombo erfahren. „Wir hatten dann eine Woche lang ziemlich Angst, weil wir die Lage nicht richtig einschätzen konnten“, erzählt Behnsen.

Nach den Anschlägen in Colombo führen Soldaten an einer Straße Personenkontrollen durch. Foto: dpa

Sie und ihr Freund ließen sich auf die „Krisenliste“ des Auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaft in Sri Lanka setzen, sodass sie per Mail weiter über die Sicherheitslage informiert würden. Nach ersten Warnungen zu extremer Vorsicht habe das Auswärtige Amt deutschen Touristen inzwischen die Ausreise empfohlen.

Ein Problem unmittelbar nach den Anschlägen war der Kontakt zu den eigenen Familien in Deutschland, in Hameln. Der Staat hatte soziale Medien wie Facebook, Whatsapp oder YouTube mehrere Tage lang sperren lassen, um die Organisation weiterer Anschläge und die Verbreitung von Falschmeldungen oder Aufnahmen der Attentate zu verhindern. „Wir konnten unsere Familien erst gar nicht erreichen, was die in ganz schöne Aufregung versetzt hat“, schildert Hannah Behnsen. Freundlicherweise hätten ihnen Einheimische ihre Handys zur Verfügung gestellt, um die Eltern wissen lassen zu können, dass sie in Sicherheit seien.

In dem Fischerdorf, in dem sich Hannah Behnsen und ihr Freund derzeit aufhalten, sei die Lage „relativ entspannt“. Gleichwohl sei das Militär auch hier präsent, es gebe eine Ausgangssperre, die Supermärkte würden bewacht und die Kunden kontrolliert – sofern es sich nicht um weiße Touristen handele, führt sie aus. In Weligama wohnten sie nun in der Unterkunft einer zehnköpfigen Familie. Die Wut ihrer Gastgeber über die islamistischen Anschläge sei groß, zumal auch entfernte Verwandte betroffen seien. Allerdings richte sich die Wut nicht pauschal gegen Muslime, sondern gegen den sogenannten Islamischen Staat, der sich zu den Terrorangriffen bekannt hat. „Für die Familie sind das Monster“, sagt Hannah Behnsen. Umgekehrt zeigten sich viele Muslime mit den Opfern solidarisch, Moscheen hätten weiße Flaggen mit schwarzen Kreuzen drauf gehisst.

„Es ist krass, was das mit einem gefühlsmäßig macht, die ersten Nächte haben wir gar nicht geschlafen“, beschreibt Hannah Behnsen ihre Gemütslage. Teilweise wurden sie auch von nächtlichen Knallen aufgeschreckt. Da wussten sie noch nicht, dass die Marktbeschicker frühmorgens lediglich Knallkörper zündeten, um die Affen zu vertreiben, erläutert sie.

Für die Einheimischen sei auch der wirtschaftliche Schaden immens. „Wir sind hier gerade noch die einzigen Gäste“, sagt die Hamelnerin über das Lokal, in dem sie sich gerade befinden. Kurz darauf wird ihnen ein Angestellter Pfannkuchen schenken. Die Gastronomen hoffen, dass die Touristen sich infolge der Anschläge künftig nicht vollends von Sri Lanka abwenden.

Für Hannah Behnsen und ihren Freund geht es am kommenden Montag vorzeitig zurück nach Deutschland. „Ich denke, wir werden sehr erleichtert sein, wenn wir wieder zu Hause sind“, sagt sie.



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