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Teile der Traditionsmarke gehen an Unternehmen Evo-Sales – Standort Hildesheim wird abgewickelt

Hamelner übernimmt Blaupunkt-Lizenz

Hameln. Die Traditionsmarke Blaupunkt zieht nach Hameln um. Das zu Jahresbeginn im Hamelner Hottenbergsfeld gegründete Unternehmen Evo-Sales hat die Lizenzrechte von Blaupunkt übernommen. Diese Rechte umfassen die Produktions-, Marketing- und Vertriebsrechte für 60 Länder.

veröffentlicht am 26.02.2016 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

von thomas thimm
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Das bestätigt der Gründer von Evo-Sales, Matthias Wagner, der seit dem Jahr 2012 nach dem Ausstieg seines einstigen Partners Frank Borris Baum zudem alleiniger Vorstandschef des ebenfalls in dieser Branche tätigen Franchise-Unternehmens Car Akustik ist. Wagner: „Wir sind jetzt Hersteller der Blaupunkt-Produkte.“

Zum Produktportfolio von Evo-Sales gehören neben klassischen Autoradios, Lautsprechern, Hi-Fi-Komponenten fest installierbare Navigations-, Antennen-, Fahrerassistenz- und Alarmsysteme sowie Multimediageräte für Boote. Alle diese Produkte werden in Fernost hergestellt. Wagner: „Wir lassen weiter in jenen Partnerwerken zum Beispiel in China und Malaysia produzieren, die bisher schon für Blaupunkt gearbeitet haben.“

Mit der Übernahme der Blaupunkt-Lizenzrechte gewährleistet Evo-Sales als Spezialist für „Car Multimedia“ den internationalen Fortbestand der Marke Blaupunkt –, wenn auch das Unternehmen Blaupunkt selbst gerade abgewickelt wird. Nach etlichen Insolvenzen endet in Hildesheim ein Stück Unternehmensgeschichte – in der Domstadt geht gerade das letzte Kapitel zu Ende.

Dennoch ist Wagner für die Weiterführung der Marke Blaupunkt in Hameln zuversichtlich: „Die Produktausrichtung wird auch in Zukunft jene Qualitätsmerkmale berücksichtigen, mit denen sich Blaupunkt einen Namen gemacht hat. Unser Fokus liegt auf der Verarbeitung hochwertiger Materialien, klarem Produktdesign, anwenderfreundlichem Bedienkomfort sowie sehr guter technischer Funktionalität und Ausstattung bei einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Wagner als Geschäftsführer der Evo-Sales GmbH. Um am Markt erfolgreich zu sein, baut Evo-Sales aktuell einen Mitarbeiterstamm auf, der sich um die Verwaltung und vor allem um das Marketing kümmern soll.

So optimistisch das neue Hamelner Unternehmen Evo-Sales ist, so deprimiert sind die Hildesheimer wegen des endgültigen Endes des Blaupunkt-Werkes – die Keimzelle des einstigen Autoradio-Imperiums wird endgültig abgewickelt. Die letzten 33 Mitarbeiter einer am Standort verbliebenen Sparte erhalten „in Kürze“ ihre Kündigungen, wie Insolvenzverwalter Rainer Eckert mitteilt. Die Kündigungen greifen zum 31. Mai. Der Erhalt der Jobs sei in letzter Sekunde gescheitert. Stattdessen gehe die Lizenz für das Blaupunkt-Einzelhandelsgeschäft in Europa an einen Investor, der nur noch den Lagerbestand übernehme, aber weder Mitarbeiter noch Standort. „Ich bedauere diese Entwicklung umso mehr, als eine Lösung zum Greifen nah war“, sagt Eckert.

Blaupunkt steht für Technik-Meilensteine im Auto: Das Unternehmen entwickelte Europas erstes Autoradio und auch das erste Navi. Keimzelle des Unternehmens war die im November 1923 in Berlin gegründete Ideal Radiotelefon- & Apparatefabrik GmbH. Das nach dem Zweiten Weltkrieg von Berlin nach Hildesheim umgezogene Unternehmen mit dem blauen Punkt hatte über sechs Jahrzehnte zur schwäbischen Bosch-Gruppe gehört. Ende 2008 kam es zum Verkauf an einen Münchner Investor. Der Auslöser für die Trennung von Bosch vor gut sieben Jahren hing auch mit dem digitalen Wandel im Auto zusammen. Im vergangenen Herbst folgten Insolvenzen und der Versuch, die Unternehmensreste in Teilen zu sanieren.

Nach fast 100 Jahren

gehen bei Blaupunkt selbst die Lichter aus

Tatsächlich leben einzelne Bereiche von Blaupunkt fort, wenn auch künftig nicht mehr in Hildesheim. Im November hatte der belgische Autozulieferer Premium Sound Solutions das industrielle Blaupunkt-Erstausrüstungsgeschäft gekauft, inklusive der Produktionsstätte in Malaysia. Im Dezember wurde Blaupunkts Engineering-Gesellschaft an den Unternehmer Razvan Olosu verkauft, der bereits beim Nokia-Aus in Bochum der Autosparte des Handyherstellers beim Überleben geholfen hatte. Zudem führen frühere ausländische Blaupunkt-Partner das außereuropäische Endkundengeschäft weiter.

Und nun hat die Hamelner Firma Evo-Sales die Lizenz für das Blaupunkt-Einzelhandelsgeschäft in Europa übernommen.



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