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Busweise in die Landeshauptstadt

Hamelner Türken stimmen über Türkei-Referendum ab

HAMELN/HANNOVER. Viele Hamelner Türken sind am Sonntag nach Hannover gefahren, um dort über das Referendum in der Türkei abzustimmen. Alle vier Gemeinden mit türkischen Wurzeln hatten für die Teilnahme an der Abstimmung Reisebusse organisiert oder das Reiseangebot der Union Europäisch-Türkischer Demokraten genutzt.

veröffentlicht am 03.04.2017 um 12:25 Uhr
aktualisiert am 03.04.2017 um 18:00 Uhr

Gemeindemitglieder des Alevitischen Kulturzentrums Hameln und andere türkische Staatsbürger warten am Sonntag im Wahllokal auf dem Messegelände darauf, ihre Stimme über das Türkei-Referendum abgeben zu können. Foto: pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Busweise sind am Sonntag viele Hamelner Türken nach Hannover gefahren. Dort machten sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch und stimmten über das Referendum in der Türkei ab. Abgestimmt wird über eine Verfassungsänderung, die dem amtierenden türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mehr Machtbefugnisse einräumen soll. Alle vier Hamelner Gemeinden mit türkischen Wurzeln hatten dafür eigens Reisebusse organisiert oder das Reiseangebot der Union Europäisch-Türkischer Demokraten genutzt.

Viele der alevitischen, ezidischen und türkisch-islamischen Gemeindemitglieder verfügen über die türkische oder doppelte Staatsbürgerschaft und sind in der Türkei somit wahlberechtigt.

Damit sie auch in Deutschland von ihrem türkischen Wahlrecht Gebrauch machen können, hat das Türkische Generalkonsulat in Hannover auf dem Messegelände ein Wahllokal eingerichtet. Der Andrang am Sonntag war groß. Viele Wähler mussten stundenlang anstehen, bis sie ihre Stimme abgeben konnten.

Die Islamische Gemeinde aus der Hunoldstraße habe selbst zwar keine Busfahrt nach Hannover organisiert, sagt der Vereinsvorsitzende Bilgin Onur. Einige Gemeindemitglieder, so wie auch Onur selbst, hätten aber das Reiseangebot der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in Anspruch genommen, um mit dem Bus zum Wahllokal gefahren zu werden. Die UETD gilt als Sprachrohr der türkischen Regierungspartei AKP.

Trotzdem, so Onur, habe es unter den etwa 50 Mitreisenden nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner der zur Wahl stehenden Verfassungsänderung gegeben. Auch vor Ort habe er Plakate von beiden Seiten gesehen. Bei aller mit dem Thema verbundenen Emotionalität hätten sich aber alle Wähler „sehr diszipliniert“ verhalten.

Auch die Fatih-Cami-Gemeinde vom Thiewall von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) sei selbst nicht aktiv geworden, um ihre Mitglieder zur Wahl in Hannover zu bewegen, sagt Suna Baris, die stellvertretende Vorsitzende. Es sei in der Gemeinde aber bekannt gegeben worden, dass die UETD Busfahrten zum Wahllokal organisiert.

Den Hamelner Aleviten und Eziden (auch bekannt als Jesiden) war es wichtig, ein deutliches Zeichen gegen die Verfassungsänderung zu setzen. Beide Gemeinden hatten am Sonntag jeweils eine Busfahrt organisiert.

Das Ezidische Kulturzentrum habe die Fahrt gemeinsam mit dem Demokratischen Kurdischen Gesellschaftszentrum „NAV-DEM“ organisiert, wie Dendel Özdemir, der Vorsitzende der ezidischen Gemeinde auf Anfrage mitteilt. NAV-DEM steht dem Niedersächsischen Verfassungsschutz zufolge der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahe.

Rund 200 Wähler haben aus Hameln mobilisiert werden können, teilt Ekrem Tatli mit. Er gehöre nicht der ezidischen Gemeinde an, habe aber gemeinsam mit Eziden und anderen Kurden einen Bus organisiert. Der Rest sei mit Pkw angereist. „Wir halten die politische Entwicklung in der Türkei für falsch, sehen Meinungs- und Pressefreiheit in Gefahr“, sagt Tatli gegenüber der Dewezet. „Wir haben mit Nein gestimmt, weil wir für die Demokratie stehen und das Abgleiten in eine Diktatur verhindern wollen.“

Rund 100 Wähler hat das Alevitische Kulturzentrum zusammengetrommelt, wie Kassenwart Kirmansah Demir auf Anfrage mitteilt. „Wir haben gegen das Präsidialsystem gestimmt“, weil es die „alleinige Macht für Erdogan“ und damit „eine Diktatur“ bedeuten würde. Die Aleviten, so Demir, wollen keinen Präsidenten, „der per Dekret Gesetze erlassen, Richter entlassen oder das Parlament auflösen kann“.

Bei der Busfahrt zum Wahllokal habe nicht das Alevitentum im Vordergrund gestanden, das in der Türkei nicht als Religion anerkannt werde, sondern das Eintreten für die Demokratie. „Jede Stimme zählt“, sagt Demir.

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