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Werkstatt fertigt Unikate

Hamelner Therapie-Puppen gehen nach Österreich

HAMELN. Neun Puppen in der Größe und im Gewicht eines Säuglings verlassen in Kürze den Hefehof in Richtung „Wiener Neustadt“. Ihr neues Zuhause wird die Fachhochschule für Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sicherheit, Sport sein, wo sie für therapeutische Lernzwecke eingesetzt werden sollen.

veröffentlicht am 12.03.2018 um 17:58 Uhr
aktualisiert am 12.03.2018 um 19:17 Uhr

Sechs Puppen für die Lieferung nach Wiener Neustadt sind bereits fertig. Foto: sto
Stolte Christiane

Autor

Christiane Stolte Reporterin
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Neun Puppen in der Größe und im Gewicht eines Säuglings verlassen in Kürze ihr „Kinderzimmer“ im Hefehof. Sie ziehen um nach Österreich in die 50 Kilometer südlich von Wien gelegene Stadt „Wiener Neustadt“. Ihr neues Zuhause wird die dortige Fachhochschule für Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sicherheit, Sport sein, wo sie für therapeutische Lernzwecke eingesetzt werden sollen. Erst im vergangenen Jahr waren 13 Puppen für eine Einrichtung in Kärnten genäht worden.

Die in der Hamelner Puppenwerkstatt „Kassiopeia“ gestalteten Unikate sind Therapie-Babypuppen. Sie haben bewegliche Arme und Beine, und sie fühlen sich kuschelig weich an wie ein richtiges Baby. Außerdem sind ihre aus hochwertigen Naturmaterialien nach dem Waldorfprinzip gearbeiteten Körper mit Bauchnabel, Brustwarzen, einem Po mit Grübchen, Zehen und Fingern ausgestattet. Blaue oder braune Augen verleihen ihren Gesichtern ein lebendiges Aussehen, was durch kleine Stupsnasen und einem lächelnden Mund noch verstärkt wird. Das in ihren Körpern, in ihren Armen und Beinen verteilte Edelstahlgranulat gibt ihnen Stabilität und das Gewicht eines Säuglings, so dass beim Tragen das Gefühl eines echten Babys entsteht. Flauschig werden die Puppen durch die Schafwolle, die ebenfalls in Körper und Gliedmaßen gefüllt werden. Klar, dass der Unterricht mit den Hamelner Puppen in Wiener Neustadt zu einem besonderen Erlebnis werden wird. Überhaupt werden Therapiepuppen von „Kassiopeia“ immer beliebter – nicht nur in Österreich, sondern beispielsweise auch in Deutschland, in der Schweiz, in Schweden und auch in der russischen Stadt Brjansk, wo mit ihnen in diversen Einrichtungen gearbeitet wird.

Therapiepuppen bekommen einen immer größeren Stellenwert.

Ursel-Meyer-Bothling

Dass die Therapiepuppen aus der von ihr vor 18 Jahren gegründeten Puppenwerkstatt einmal in die weite Welt hinausziehen werden, hätte Ursel Meyer-Bothling damals nicht gedacht. „Therapiepuppen hatten wir zu Beginn nicht im Programm“, erinnert sich die Puppenmacherin. Erst Jahre später haben Therapeutinnen und Hebammen den Wunsch an sie herangetragen, auch Therapiepuppen zu gestalten. Mittlerweile werden die „Babys“ in diversen Einrichtungen eingesetzt – unter anderem in der Ausbildung von Hebammen, in der Säuglingspflege allgemein, in ergotherapeutischen und physiotherapeutischen Praxen und sogar in Altenheimen, wo sie beispielsweise bei demenziell erkrankten Menschen positive Empfindungen nach Liebe und Geborgenheit auslösen und ihnen helfen, Erinnerungen zu verarbeiten. „Therapiepuppen bekommen einen immer größeren Stellenwert“, so Ursel-Meyer-Bothling. Therapiert werden mit ihnen auch Eltern, die eine Totgeburt oder einen plötzlichen Kindstod ihres Babys zu beklagen haben. Puppen für diese Zwecke haben übrigens geschlossene Augen.

Ilona Demberg füllt gereinigte Schafwolle in die Puppenkörper. Foto: sto
  • Ilona Demberg füllt gereinigte Schafwolle in die Puppenkörper. Foto: sto

Träger der Puppenwerkstatt ist seit der Gründung der Verein für einen kreativen Weg „Kassiopeia“. Er schafft Arbeitsplätze für Menschen, die aufgrund einer Beeinträchtigung kaum eine Chance in der „normalen“ Arbeitswelt haben. So wird fast von Anfang an ein gehörloses Ehepaar beschäftigt. Ursel Meyer-Bothling und ihr langjähriges Team hingegen arbeiten ehrenamtlich. Die immer größer werdende Nachfrage nach Therapiepuppen bedingt ein Engagement, das weit über ein „normales“ Engagement hinausgeht. „Es ist für uns eine täglich neue Herausforderung, aber auch die Bestätigung unserer langjährigen Arbeit“, betont die Puppenmacherin.

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