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Bekir Çelik hat im Urlaub seine Papiere verloren / Seit neun Tagen wartet er darauf, wieder einreisen zu dürfen

Hamelner sitzt in der Türkei fest

HAMELN/IZMIR. Ein Hamelner sitzt in der Türkei fest. Ende Februar reist Bekir Çelik nach Antalya, um Urlaub zu machen. Als er am 4. März die Rückreise antreten will, stellt er am Flughafen fest, dass er seine Papiere verloren hat: die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für seine Heimat, die Bundesrepublik Deutschland.

veröffentlicht am 13.03.2018 um 12:01 Uhr
aktualisiert am 13.03.2018 um 19:40 Uhr

Bekir Çelik vor dem Deutschen Generalkonsulat in Izmir. Foto: Bekir Celik/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Ende Februar reiste Bekir Çelik (24) nach Antalya, um Urlaub zu machen. Als er am 4. März die Rückreise antreten wollte, stellte er am Flughafen fest, dass er seine Papiere verloren hatte: die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für seine Heimat, die Bundesrepublik Deutschland. Folglich durfte er die Rückreise nicht antreten. Seitdem sitzt der Hamelner in der Türkei fest.

Es ist eine bürokratische Prozedur: Nach zehn Tagen wartet er immer noch darauf, dass er wieder nach Deutschland einreisen kann. Dass es im digitalen Zeitalter noch so kompliziert ist, Identität und Aufenthaltsstatus prüfen zu lassen, das hätte das Mitglied des Hameln-Pyrmonter Migrationsrates nicht gedacht. „Würde ein Anruf oder einfach eine Abfrage nicht genügen?“, klagt Çelik gegenüber der Dewezet. „Muss man es so erschweren?“

Çelik ist zwar in Deutschland geboren und aufgewachsen, verfügt aber nur über die türkische Staatsangehörigkeit. Er fühlt sich dennoch voll in die deutsche Gesellschaft integriert. Beruflich, er betreibt in Hameln eine Shisha-Bar, sportlich, bei Preussen Hameln II spielt er Fußball, und privat, er hat viele deutsche Freunde. „Das macht mich so traurig, dass ich als ,Türke‘ angesehen werde“, sagt er. In seiner Facebook-Chronik macht er seiner Wut über das aufwendige Verfahren Luft, postet Fotos von sich vor dem deutschen Generalkonsulat in Izmir mit dem Kommentar: „Hier ein Termin zu bekommen! Unmöglich.“

Einen Zettel habe man ihm ausgehändigt, auf dem erklärt wurde, was er alles braucht, um ein Visum für die Einreise nach Deutschland zu beantragen. „Leicht gesagt, aber für ein Visum benötigt man gefühlt Hunderte Dokumente!“, schreibt er in seiner Chronik. Zumal die Bearbeitung bis zu einem Monat dauern könne.

Als Erstes musste Çelik in Antalya den Verlust seiner Papiere bei der Polizei melden. Dann musste er seine Türkeireisen aus den vergangenen drei Jahren dokumentieren. Schließlich musste er beim deutschen Generalkonsulat im knapp 500 Kilometer entfernten Izmir das Visum für die Einreise nach Deutschland beantragen. Doch auch das ging nicht ohne weiteres. „Man kann nicht mal vor Ort einen Termin machen, sondern muss ein Callcenter anrufen und einen Termin vereinbaren“, schildert Çelik.

Zunächst hatte sich der 24-Jährige in Izmir eine Unterkunft genommen. Als klar wurde, dass sich das Verfahren hinziehen würde, habe er bei Verwandten in Manisa bei Izmir unterkommen können. Gleichzeitig ist er auf seine Familie in Hameln angewiesen. Sie erhalte den Betrieb seiner Bar aufrecht. Drei Tage habe er gebraucht, bis er alle Unterlagen beisammen hatte.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigt den Eingang von Çeliks Antrag, der „am gleichen Tag im Rahmen des Zustimmungsverfahrens elektronisch an die zuständige Ausländerbehörde weitergeleitet“ worden sei. Die befindet sich in Hameln. Deren Stellungnahme stehe jedoch noch aus, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. „Auf die Bearbeitungszeiten bei der Ausländerbehörde hat das Generalkonsulat keinen Einfluss“, so Sprecherin Susanne Beger-Blum. „Nach Eingang der Stellungnahme wird das Generalkonsulat das Visumverfahren schnellstmöglich abschließen, damit Herr Çelik reisen kann.“ Jetzt dürfte alles sehr schnell gehen, denn wie Stadtsprecher Thomas Wahmes am Dienstag auf Anfrage mitteilte, seien „alle Voraussetzungen zur Wiedereinreise“ erfüllt. „Wir haben heute dem Konsulat unsere Zustimmung übermittelt“, so Wahmes. Allerdings gingen solche Anträge „ohne Hinweis auf mögliche Prioritäten“ bei der Ausländerbehörde ein. „Wir sehen also nicht, ob es irgendwo ,brennt‘“, so Wahmes. „Hätte sich Herr Çelik sofort bei uns gemeldet, hätte noch schneller geholfen werden können.“

Auch die türkische Presse ist auf das scheinbar komplizierte Verfahren der deutschen Behörden aufmerksam geworden. Die TV-Sender A Haber und Habertürk wittern eine Geschichte. „Dass man es ,unnötig‘ kompliziert macht für einen Türken, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist“, vermutet Çelik. Nun trägt er sich mit dem Gedanken, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen. „Dann hätte ich nicht so viel Ärger und Stress“, sagt er.



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