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Ausstellung klärt über Verbrechen der Ordnungshüter im Nationalsozialismus auf

Hamelner Polizisten als NS-Helfer

Hameln. Sie standen Spalier, als Nationalsozialisten ihre Opfer ins Gefängnis führten. Sie nahmen Juden und Linke in Schutzhaft und lieferten Regimegegner an die Gestapo aus. Sie schüchterten Kollegen ein, die in den Widerstand gingen. Auch Hamelner Ordnungspolizisten unterstützten das NS-Regime. Wie genau, zeigt die Ausstellung „Ordnung und Vernichtung – die Polizei im NS-Staat“, die gestern Nachmittag im Polizeidienstgebäude in der Zentralstraße eröffnet wurde.

veröffentlicht am 06.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 21:41 Uhr

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Andrea-Tiedemann-Redakteurin-Lokales-Dewezet

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Neben einem überregionalen Teil klären mehrere Info-Tafeln über die Radikalisierung der hiesigen Ordnungspolizei auf. Dabei sei die Recherche nicht einfach gewesen, machte Bernhard Gelderblom, der den Hamelner Teil verantwortet, deutlich. Denn viele Polizeiakten seien vernichtet worden. Fest stehe aber, dass die Hamelner Polizei Zwangsarbeiter aus Osteuropa in Arbeitserziehungslager einwies, was einige der Opfer nicht überlebten. Zuchthausgefangene, die wegen ihrer politischen, sexuellen oder religiösen Orientierung einsaßen, seien nach Ablauf der Strafe nicht freigelassen, sondern über die Hamelner Polizei an die Gestapo überstellt worden. Mindestens 500 Menschen wurden auf diese Weise ihrer Freiheit beraubt, 208 gesicherte Todesfälle gab es dadurch.

„Bedrückend“, sagt Andreas Appel, Polizist in Bad Münder, nach einem Rundgang durch die Ausstellung. Vor allem der überregionale Teil, der die massenhafte Vernichtung der osteuropäischen Zivilbevölkerung dokumentiert, habe ihn erschreckt. „Ich dachte immer, diese Verbrechen fußten vor allem auf dem Militär“, so der 44-Jährige. Dass die Polizei derart stark beteiligt war, sei ihm nicht klar gewesen. Auch der Spielraum, der den Polizeibeamten nachträglich bei der „Entnazifizierung“ durch die englischen Streitkräfte eingeräumt wurde, habe ihn überrascht. Laut Dirk Götting vom Museum der Polizeiakademie hätten Polizeibeamte einen „Persilschein“ zum Teil allein durch die eigene Unschuldsbeteuerung erlangen können.

Ob Polizist Appel damals in den Widerstand gegangen wäre? „Ich weiß es nicht“, sagt er. Er könne nicht ausschließen, dass er mitgemacht hätte, unter den damaligen Umständen. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, ist die Ausstellung Teil der Ausbildung in der Polizeiakademie. „Polizeigeschichte“ steht dort regulär auf dem Stundenplan, so Götting.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Juni zu sehen. Informationen unter 05151/933-482.

Das Image der jugendlichen, soldatischen Polizei war im Nationalsozialismus das gängige Ideal. Dirk Götting vom Polizeimuseum zeigt eine alte Polizeiuniform, die in dieser militärischen Tradition steht. Dana

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