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„Wir sind seit Jahren überbelegt“ / Ministerin Rundt stellt mehr Geld in Aussicht

Hamelner Frauenhaus hat zu wenig Plätze

HAMELN. Dass das Geld und auch der Platz im Frauenhaus schon seit Jahren Mangelware sind, ist bekannt. Immer wieder müssen Hilfesuchende weggeschickt und vertröstet werden. Am Montag hat nun die niedersächsische Gleichstellungsministerin, Cornelia Rundt, Hilfe in Aussicht gestellt.

veröffentlicht am 01.08.2016 um 18:29 Uhr
aktualisiert am 04.09.2018 um 18:31 Uhr

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Autor:

Diana Koschorreck

Um ihre Pläne – unter anderem mehr Geld für Frauenhäuser bereitzustellen – vorzustellen, war sie zu Besuch im Frauenzentrum Hameln. Damit sind aber noch lange nicht alle Probleme gelöst.

Richtlinie zur Finanzierung der Frauenhäuser überarbeitet

In den nächsten zwei Jahren will die Niedersächsische Landesregierung mehr Geld für „frauenpolitische Maßnahmen“ zur Verfügung stellen – soll heißen: Frauenhäuser, Gewaltberatungsstellen und Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) bekommen nun knapp sieben Millionen Euro, anstelle der sechs Millionen zuvor. So sollen diese unter chronischem Geldmangel leidenden Stellen entlastet und die Beratung sowie die Betreuung von Frauen in Krisensituationen erleichtert werden.

„Wir sind dabei, die Richtlinie zur Finanzierung der Frauenhäuser zu überarbeiten“, sagt Cornelia Rundt, „wir wollen die Mittel vergrößern, weil wir wissen, dass diese Arbeit gut und wichtig ist.“ Am 1. Januar 2017 soll die neue Richtlinie in Kraft treten. Sie soll den Frauenhäusern zusätzlich die Möglichkeit geben, mehr Plätze zu beantragen. Voraussetzung dafür sei eine anhaltend hohe Auslastung. „Hameln ist da mit 80 Prozent ein Selbstläufer“, sagt Cornelia Rundt. So könne von acht auf neun Plätze erhöht werden. Bis das umgesetzt ist, wird aber noch einige Zeit ins Land gehen, denn entsprechende Anträge müssen gestellt werden und die Richtlinie ja erst einmal in Kraft treten.

80 Prozent Auslastung – das sagt die offizielle Statistik, die das Frauenhaus dem Land vorlegen muss. Eine interne, die die Zahlen noch etwas detaillierter erfasst, offenbart eine viel bedenklichere Situation: „Wir sind die meiste Zeit zu mehr als 100 Prozent ausgelastet“, sagt Heidi Schaper, eine der fünf Teilzeitkräfte im Frauenzentrum. Das kann nur eine Doppelbelegung der Zimmer zur Folge haben. Pro Tag stehen vierzehn Plätze zur Verfügung – acht für Frauen und sechs für zugehörige Kinder. Das macht 5110 mögliche Belegungstage in einem Jahr. Laut der inoffiziellen Statistik des Frauenzentrums waren aber im Dezember 2015 von eigentlich nur 434 möglichen Tagen, 557 belegt.

„Wir sind seit Jahren überbelegt“, sagt auch Anke Eichler, von der Frauenberatungsstelle, „für uns ist es sehr unbefriedigend, dass wir immer wieder sagen müssen: ,Wir haben kein Zimmer frei’.“ Eichler und ihre Kolleginnen gäben dann mitunter Kontaktdaten von anderen Frauenzentren heraus, wohlwissend, dass diese auch keine Kapazitäten haben, weil das Problem ein landesweites ist und nicht auf Hameln beschränkt werden kann. Dabei steht das Frauenzentrum Hameln im Vergleich schon ganz gut dar. „Der Landkreis zahlt unsere Miete plus Nebenkosten und finanziert auch die Mitarbeiterkosten gegen“, sagt Anke Eichler, „das ist nicht die Regel.“

Dennoch mussten im letzten Jahr 89 Frauen mit 92 Kindern an andere Stellen verwiesen werden. Und was passiert mit ihnen, wenn diese auch keinen Platz haben? „Keine Ahnung“, sagt Anke Eichler ehrlich, „gerade, dass wir da nicht helfen können, ist ja so unbefriedigend.“ Die Gleichstellungsministerin sieht hier auch eine hohe Abhängigkeit zum Wohnungsmarkt. Frauenhäuser seien nicht die alleinige Lösung für Frauen in Krisensituationen. „Durch den sozialen Wohnungsbau verspreche ich mir eine Entlastung für die Frauenhäuser“, sagt sie.

„Unsere Forderungen waren höher“ Abgesehen von der ständigen Überbelegung des Frauenhauses, macht aber auch die Personalsituation dem Frauenzentrum zu schaffen. Die momentan fünf Teilzeitkräfte sind sich einig: „Wir bräuchten mindestens anderthalb Stellen mehr“. „Mit den Mitteln aus der Richtlinie können wir schon einmal mehr Arbeitsstunden finanzieren. Das nimmt ein wenig Druck“, sagt Heidi Schaper. Aber das sei nur ein Bruchteil, der eigentlich benötigten Arbeitszeit. „Unsere Forderungen waren höher“, bestätigt Anke Eichler. Dennoch müsse abgewartet werden, welche Zahlen, die neue Richtlinie nun hervorbringe. Denn bisher ist alles nur vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsgesetzgebers vereinbart.



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