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Umsetzung in nächsten zwei Jahren mehr als fraglich

Hamelner E-Busse in weiter Ferne

HAMELN. Die Politik macht Druck: Dieselbusse sollen durch Elektrobusse ersetzt werden. Sie sollen helfen, Fahrverbote zu vermeiden. Wenn es nach dem im Sommer von der Stadt vorgestellten Masterplan Mobilität geht, pendelt bis spätestens 2020 ein elektrischer Shuttle zwischen Bahnhof und Pfortmühle. Ist das realistisch?

veröffentlicht am 13.01.2019 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 13.01.2019 um 19:40 Uhr

Für den Einsatz von E-Bussen stellt der Bund derzeit viel Fördergeld bereit. Doch bis sie in Hameln fahren, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen. Foto: Andreas Arnold/dpa
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Die Maßnahmen – 30 weitere Busse bekämen einen Katalysator – wären eine Erleichterung für die „dreckigste“ Straße Hamelns, denn der Anteil der Busse an der Stickoxid-Immission beträgt laut hinzugezogener Fachbüros beträchtliche 30 Prozent. Die Einsparung von Stickoxid läge bei 25 Prozent, heißt es.

Die Umsetzung bis spätestens 2020 scheint ambitioniert. Fakt ist, dass die Öffis bisher keine Elektrobusse bestellt haben, sondern auf Hybrid-Antrieb setzen. Verteilt auf die Jahre 2018 bis 2021 werden voraussichtlich 23 Mini-Hybrid-Bussen angeschafft. Die Fahrzeuge sind nach Aussage von Öffi-Chef Arne Behrens das „Rückgrat der zukünftigen Busflotte“. Bei den Elektrobussen indes hake es an vielen Stellen. Angefangen damit, dass sie durch Vorbestellungen großer Verkehrsverbünde derzeit überhaupt nicht lieferbar seien.

Der nächste Haken sei die fehlende Infrastruktur, die mit den Stadtwerken abgestimmt werden muss. Derzeit sind nur Ladestationen für den Pkw-Bereich geplant. Der erste Elektrobus, den die Öffis anvisieren, werde wohl eher in Bad Pyrmont fahren als in Hameln. Dort haben die Stadtwerke entsprechende Infrastruktur und man hofft, mit Phönix Contact einen potenten Partner zu gewinnen.

Punkt drei: Die Elektrobusse sind zweieinhalb bis dreimal so teuer. Das bekäme wohl auch der Kunde zu spüren. Der aber ist gerade dabei, das von den Öffis eingeführte günstige Ticket für sich zu entdecken. Der Erfolg ist ein zartes Pflänzchen und kostet die Öffis eine Stange Geld.

So richtig überzeugt ist Behrens zudem nicht von der Elektrotechnologie: „Ich verstehe nicht, warum man nur auf batterieelektrische Antriebe setzt und nicht zum Beispiel die Brennstoffzelle testet.“

Auch Kreiskämmerer Carsten Vetter, Aufsichtsratsmitglied der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont, sieht bei der hohen Verschuldung des Landkreises derzeit nicht, dass im Haushalt 2019 noch Geld für E-Busse übrig ist. Im vergangenen Jahr musste der Landkreis gut 10 Millionen Euro für den Linienbusbetrieb zuschießen. Aus seiner Sicht würde es reichen, eventuell Ende 2019 einen Antrag auf Fördermittel zu stellen. Grundsätzlich geben sich aber sowohl Behrens als auch Vetter für „alles offen“. Entscheiden müsse am Ende die Politik.

Ähnlich weit entfernt von der Umsetzung wie der Shuttle ist die Nachrüstung von 30 Dieselbussen mit Katalysatoren. Davon habe er sich ein Stück weit verabschiedet, sagt Behrens. Derzeit wolle man nur noch 14 Busse nachrüsten. Das Problem sei, dass es kaum Dienstleister gebe, die genehmigungsfähige Nachrüstungen herstellen. Die Tüv-Organisationen seien zudem derzeit überlastet. „Entsprechend sind Neubeschaffungen – unter Berücksichtigung der Förderbedingungen – relativ zur Nachrüstung immer sinnvoller“, so Behrens.

Bleibt der Shuttle also nur ein Gedankenspiel? Immerhin lockt eine millionenschwere Förderung durch den Bund. Hameln hat durch den Masterplan die „Förderfähigkeit“ erreicht. Insgesamt schüttet der Bund 40 Millionen Euro aus. Die Investitionskosten für E-Shuttle und Umrüstung betrügen 4,6 Millionen Euro.

Ralf Wilde, Fachbereichsleiter Umwelt, gab bereits im Sommer zu bedenken, dass in Berlin niemand darauf warte, dass sich Hameln für eine Fördermaßnahme entscheide. Er rät, nicht zu lange zu diskutieren. Die Förderzeiträume seien endlich, ebenso das Geld.

Doch mehr als erste Überlegungen hat es seitens des Landkreises noch nicht gegeben, sagt Vetter. Selbst Arne Behrens merkt an, dass Stadt und Landkreis zwar miteinander reden, „aber noch nicht ausreichend“. Bei finanziellen Angelegenheiten seien Kompromisse notwendig. Als offizieller Antragsteller könne für das Bundesprogramm „Saubere Luft“ zunächst nur Hameln gelten. Es gebe aber Wege, auch hier Dinge möglich zu machen. „Wir wurden beispielsweise vom Kreis und der Stadt beauftragt, einen Förderantrag für Busdrucker zu stellen. Dies ging nur, weil die Öffis dazu einen Abstimmungsprozess zwischen allen Beteiligten angestoßen haben“, erklärt Behrens.

Derzeit arbeiten die Akteure mit der Hochschule Weserbergland am Thema E-Shuttle. Dort werden unter anderem die Fahrten vom Bahnhof zur Pfortmühle am Computer simuliert. Man will zum Beispiel Antworten zur Taktung finden und auf die Frage, wie viele Busse überhaupt gebraucht werden. Darüber gehen die Meinungen sehr auseinander. Ende März sollen vorläufige Ergebnisse vorgestellt werden.



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