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„Ein Geschenk, das Leben rettet“

Hamelner bringen modernen Rettungswagen in die Ukraine

IRPIN/HAMELN. In einer feierlichen Zeremonie haben Mitglieder der Hilfsorganisation Interhelp einen Krankenwagen als Geschenk der Stadt Irpin in der Ukraine übergeben. Der Rettungswagen aus Hameln ist der erste und einzige in einer Stadt mit inzwischen 80000 Einwohnern. Bürgermeister und Klinikpersonal zeigten sich vor Glück überwältigt.

veröffentlicht am 13.03.2017 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 13.03.2017 um 19:00 Uhr

„Irpin hat einen Rettungswagen“, schreibt Bürgermeister Vladimir Karplyuk auf der Internet-Seite der Stadtverwaltung, so, als könne er sein Glück kaum fassen. Und seine für soziale Hilfen verantwortliche Stellvertreterin Natalia Semko möchte den Interhelp-Vorsitzenden Ulrich Behmann am liebsten gar nicht mehr aus ihrer herzlichen Umarmung entlassen. Das gesamte Personal der Poliklinik steht auf der Treppe, klatscht in die Hände und schaut zu. Das kleine Krankenhaus hat seinen Betrieb vorübergehend eingestellt, zwei Stunden lang finden keine Behandlungen statt. Die feierliche Übergabe des unter anderem mit EKG, Wiederbelebungs- und Beatmungsgeräten, Absaugpumpen, Kinder- und Notgeburten-Set ausgestatteten Mercedes Sprinter wird später stolz der ganzen Nation gezeigt – TV-Teams des Nationalen Ukrainischen Fernsehens, des Regionalsenders ITV und mehrerer Zeitungen sind gekommen, um zu berichten. Interhelp-Schirmherr Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe ist ein gefragter Interview-Partner. Der 58-Jährige hebt zwei Hamelner ganz besonders hervor: Thomas Breitkopf und Michael Wömpener. Die beiden Interhelp-Mitglieder haben das Rettungsmobil „Interhelp mfs International“, das die Landesfarben der Ukraine trägt, von Hameln nach Irpin gebracht und das medizinische Personal der Klinik eingewiesen. „Diese beiden jungen Männer sind meine Helden“, sagt Alexander zu Schaumburg-Lippe lächelnd in die Kameras. Die Reise in das von radioaktiver Strahlung und blutigen Kämpfen gebeutelte Land war in der Tat strapaziös und abenteuerlich: Nach 15-stündiger Fahrt folgte ein sechsstündiger Aufenthalt an der polnisch-ukrainischen Grenze. Nachts musste Papierkram erledigt werden. Erst nach 21 Stunden war dann endlich eine Mütze voll Schlaf drin, dann folgte ein starker Kaffee – und weiter ging’s. 4,5 Stunden später endlich die Ankunft in Irpin. 1650 Kilometer. Der 163 PS starke Sprinter, der je zur Hälfte mit Spenden aus Hameln und Frankfurt finanziert wurde, war schon sehnsüchtig in der Zone 4 der radioaktiv verstrahlten Tschernobyl-Region erwartet worden. In der von einem blutigen Krieg zerrissenen Ukraine schöpfen Menschen etwas Hoffnung. Aber viele sind skeptisch. Wie es weitergeht? Schulterzucken. Niemand wagt eine Prognose. „Aber immerhin können wir uns dank der Hilfe aus Deutschland jetzt selber retten“, sagt Nadia Filimonova, die Vorsitzende der Stiftung „Gute Taten“, „Das ist jedenfalls ein Geschenk, das Leben rettet.“ Den Spendern aus Deutschland sei man sehr dankbar. „Ohne Nadia hätten wir nicht so effektiv und nachhaltig Hilfe für Kriegsvertriebene leisten können“, betont Interhelp-Vorsitzender Behmann. Kinder, wie Brandopfer Alexej (6), konnten dank der Spenden aus Hameln und Bückeburg behandelt werden, Flüchtlinge rechtzeitig vor dem eisigen Winter mit neuer Kleidung im Wert von mehreren Hunderttausend Euro ausgestattet werden.


Fördermitgliedsanträge und Spendenkonten für Interhelp: IBAN: DE60 2545 0110 0000 0203 13 – Sparkasse Weserbergland. IBAN: DE49 2546 2160 0700 7000 00 – Volksbank Hameln-Stadthagen. IBAN: DE97 2545 0001 0000 0332 33 – Stadtsparkasse Hameln. www.interhelp.info

Rettungsassistent Thomas Breitkopf zeigt seinen ukrainischen Kollegen, was alles im Notfall-Rucksack steckt. Foto: Evgenia Alekseeva


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