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An Demonstrationen und Regierungschef Erdogan scheiden sich die Geister

Hamelner blicken in die türkische Heimat

Hameln. Hunderte Protestaktionen über das ganze Land verteilt – so stellte sich die Situation in der Türkei in den vergangenen Tagen dar. Die Bilanz: zwei tote Demonstranten und laut Innenminister Muammer Güler rund 30 Millionen Euro Schaden. Wie verfolgen Hamelner mit türkischen Wurzeln die Entwicklung in ihrem Heimatland?

veröffentlicht am 06.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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„Das ist besorgniserregend“, sagt Cengiz Altin, ehemaliger Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde. Dennoch hofft er, dass sich die Lage in den nächsten Tagen wieder beruhigt. „Die Mehrheit der Demonstranten ist friedlich“, so Altin, die Situation werde von den Medien überspitzt dargestellt. „Nicht die ganze Welt ist gegen Erdogan aufgestanden.“ Deswegen könne man die Situation auch nicht mit den Protesten in Syrien oder Ägypten vergleichen. „Das waren Tyrannen.“

Begonnen hatten die Proteste mit einem Bauvorhaben in Istanbul. Umweltschützer hatten sich gegen Baumfällungen in einem Park gewendet; die Bäume sollten für den Bau des Einkaufszentrums Gezi-Park weichen. Gestern machte Erdogan klar, dass er in dieser Sache nicht nachgeben werde.

Dr. Feyzullah Gökdemir sieht das Vorgehen der türkischen Regierung äußerst kritisch. „Es ist nicht gut, dass die Polizei die Demonstranten mit Stöcken auseinanderbringt.“ Es sei schade, dass die ursprünglich friedliche Demonstration derart eskaliert sei. „Das hätte man auch im Gespräch lösen können“, so Gökdemir. Die Polizei habe übertrieben reagiert. Er selbst hat viele Verwandte in der Türkei, zwei Neffen von ihm seien bei den Demonstrationen in Istanbul dabei gewesen. „Dort scheint sich die Lage wieder beruhigt zu haben.“ In den südanatolischen Gebieten hingegen gebe es noch immer viel Aufruhr, so Gökdemir. „In Ankara bekommen die Aktivisten immer noch viel Unterstützung.“ Möglicherweise, so Gökdemir, seien auch andere Maßnahmen der Regierung wie ein strenges Alkoholverbot für türkische Großstädte Quell des Ärgers. Seine Hoffnung ist dennoch, dass es kein zweites Syrien gibt, sondern dass die türkische Regierung mit den Aktivisten zusammenkommt. Doch derzeit gibt es wenig Hoffnung. Im Gegenteil: Der türkische Premier hatte gestern mitgeteilt, dass unter den Demonstranten Extremisten seien, einige seien „in den Terrorismus verstrickt“.

Mustafa Tarak, der seit 25 Jahren in Deutschland lebt, verfolgt die Entwicklung in der Türkei im Fernsehen. Er befürchtet, dass die Situation noch schlimmer werden könnte. „Vermutlich wird die Türkei auf Dauer auseinanderfallen“, sagt er, und in einzelne Regionen aufgeteilt. Seine Familie lebt mittlerweile komplett in Deutschland, dennoch zieht es ihn hin und wieder in die Türkei. „Diesen Sommer fahre ich in den Urlaub dorthin.“ Sorgen wegen der Demonstrationen macht er sich deshalb aber nicht.

Ismail Ercans Verwandtschaft hingegen lebt noch in der Türkei. Auch er bestätigt den Eindruck: Die ersten zwei Tage seien die Proteste heftiger gewesen, mittlerweile sei es wieder ruhiger. Er versteht die Kritik an der türkischen Regierung nicht. „Ich stehe zu Erdogan“, sagt Ercan; die Demonstrationen hält er für falsch. „Was hat die türkische Regierung falsch gemacht?“, fragt er. Seiner Ansicht nach gibt es keinen Anlass zu Protesten. Er vermutet, dass neben den türkischen Gegnern der Regierungspartei auch Neider aus dem Ausland die Proteste befeuern. „Die Türkei kommt in der Weltpolitik zu mehr Macht“, sagt Ercan, „das passt manchen Leuten nicht.“



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