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Alexander Remmel sucht vor Libyen nach Flüchtlingen

Hamelner auf Rettungsmission

HAMELN. Vor zwei Wochen kam die Nachricht, dass er in die Crew aufgenommen wird. Am Mittwoch, 8. November, ist es losgegangen: mit dem Flugzeug Richtung Malta und von dort aus mit dem Schiff aufs Meer hinaus. Kein Urlaubsvergnügen, die „Seereise“, die Alexander Remmel antreten wird. Sondern: eine Rettungsmission.

veröffentlicht am 08.11.2017 um 12:52 Uhr
aktualisiert am 08.11.2017 um 15:30 Uhr

Seit Frühjahr 2016 hat Sea-Eye 13 000 Menschen aus Seenot gerettet. Foto: sea-eye.org
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Alda Maria Grüter Reporterin
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Denn der Hamelner wird mit an Bord des Seefuchses sein, eines von zwei Schiffen der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye, die vor die libysche Küste fahren, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten.

Für Alexander Remmel ist es der erste Einsatz. Der Entschluss, sich als freiwilliger Helfer dem Rettungsteam anzuschließen, kommt dabei nicht von ungefähr: Seit etwa fünf Jahren engagiert sich der 41-Jährige ehrenamtlich für Flüchtlinge in Hameln. Begleitung bei Behördengängen, vor Gericht, zu Anwälten, Sprachkurse, Schreiben übersetzen und Hilfe bei den verschiedenen Problemen des Alltags – „ganz praktische Dinge, halt“, sagt der Politikwissenschaftler, Historiker und persönliche Referent des niedersächsischen Landwirtschaftsministers.

Was dabei wichtig sei, „die ehrliche Anteilnahme und dass man sich auf die Menschen einlässt“. Er selber lässt sich nun auf eine nicht ungefährliche Aktion ein. Erst kürzlich hatte Sea-Eye die Rettungseinsätze im Mittelmeer unterbrochen, um die Sicherheit der Helfer nicht zu gefährden. „Ich bin mir über die Risiken bewusst“, sagt der Vater zweier Kinder im Alter von 18 und 15 Jahren, die, wie seine Frau auch, sein Vorhaben befürworten. „Es kann eine Menge passieren, ja. Und man weiß außerdem nie, was einen erwartet. Aber, auf der anderen Seite: Wenn ich sehe, in welcher verzweifelten Situation sich die Geflüchteten befinden, was sie mitgemacht haben und wir, im Vergleich dazu, in einer doch sehr privilegierten Lage sind...“

Alexander Remmel Foto: amg
  • Alexander Remmel Foto: amg

Die nächsten zwei Wochen an Bord des Seefuchses wird Alexander Remmel als sogenannte „deckhand“ mit anpacken: „Das heißt, ich erledige alles, was auf dem Schiff so anfällt, wenn man mit einer Zwölf-Mann-Besatzung unterwegs ist, darunter Fachkräfte, medizinische etwa und Leute, die sich mit Navigation auskennen. Wichtig auch, die Unterstützung, wenn es zur Seenotrettung kommt.“ Alles müsse für den Ernstfall vorbereitet sein. „Es geht darum, vor Ort zu sein, rund um die Uhr nach Booten Ausschau zu halten, die Situation abzusichern und koordinierte Rettungsmaßnahmen einzuleiten, wenn wir ein Flüchtlingsboot finden oder MRCC, die Seenotleitzentrale in Rom, eins meldet“, beschreibt er Aufgaben der Seenotretter.

Sea-Eye suche nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden, leiste Erste Hilfe, versorge die Menschen mit Schwimmwesten und Trinkwasser. Rufe nach Hilfe, denn Sea-Eye selber leiste keine Fluchthilfe, heißt es vonseiten der Organisation. Schiffe, die die Flüchtenden aufnehmen, schicke MRCC. Weiter, dass nicht innerhalb der libyschen Hoheitszone, sondern nur in internationalen Gewässern operiert werde. Und: „Sea-Eye arbeitet nicht mit Schleusern oder ihren Organisationen zusammen. Menschen auf der Flucht – das sei eines der mit wichtigsten Themen in der heutigen Zeit: „Und eins, in das man sich unmittelbar einbringen kann. Viele Themen bleiben politisch abstrakt, aber hier ist es konkret – man kann direkt etwas tun“, sagt Alexander Remmel. „Für mich ist es keine Frage: Wenn ich helfen kann, dann mache ich das auch.“ Im Moment, so sein Eindruck, „sei der Fokus leider nicht mehr so auf die Situation im Mittelmeer gerichtet. „Es geht mir darum, darauf aufmerksam zu machen, dass es nach wie vor Menschen gibt, die unsere Hilfe brauchen. Und dass die Arbeit der Seenotretter wichtig ist.“

Kritik, wonach gerade die Helfer Flüchtlinge anlocken, hält er für zynisch: „Soll man sie ertrinken lassen? Abschreckung durch Tod ist nicht der richtige Weg.“ Über Freunde, die schon länger in der Seenotrettung aktiv sind und bereits auf Einsätzen mitgefahren sind, habe er den Kontakt zu dem in Regensburg ansässigen privaten Verein Sea-Eye geknüpft und beschlossen, selbst vor Ort ehrenamtlich Hilfe zu leisten. Seit Frühjahr 2016 hat die gemeinnützige, durch Spenden finanzierte Organisation eigenen Angaben zufolge 13 000 Menschen aus Seenot gerettet.

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