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Chefarzt von Blanckenburg über Frühchen-Versorgung am Sana-Klinikum / Todesfälle bewegen

Hameln und Bremen sind „nicht vergleichbar“

Hameln (bha). Die Todesfälle in der Frühchenstation des Klinikums Bremen-Mitte sind auch am Hamelner Krankenhaus Gesprächsthema bei Pflegern und Ärzten und werfen Fragen nach den hygienischen Bedingungen vor Ort auf. „Brandheißes Thema“, sagt der Leiter der kinder- und jugendmedizinischen Abteilung am Sana-Klinikum, Dr. Philipp von Blanckenburg, über die Nachrichten aus der Hansestadt. Die bekundete Betroffenheit bewegt sich in Grenzen, insofern als die Hamelner aus medizinischer Sicht nicht mit der Bremer Frühchenstation zu vergleichen ist.

veröffentlicht am 02.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:41 Uhr

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Anders als in Bremen werden in Hameln an der Weser nicht die ganz kleinen Frühchen behandelt. Dort, weserabwärts, verfügt das Krankenhaus über eine sogenannte Level-1-Versorgung, wo auch jene Frühchen, die ab der 24. Schwangerschaftswoche geboren werden, liegen. In Hameln spricht man vom Betreuungsniveau „Level 2“ – hier versorgt das Team die Neugeborenen, die ab der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen und mindestens 1250 Gramm wiegen. „Damit haben wir eine andere Risikogruppe als in Bremen“, sagt von Blanckenburg über seine kleinen Patienten, die bereits robuster sind.

Zwar bestehe auch bei diesen Frühchen ein Risikopotenzial, doch das sei weit niedriger als bei den ganz Kleinen. Während der 15 Jahre, in denen von Blanckenburg am Kreiskrankenhaus (jetzt Sana- Klinikum) tätig ist, hat es seinen Ausführungen zufolge weder Todesfälle bei Frühchen durch Keimbelastungen gegeben noch sogenannte nosokomiale Infektionen, also Infektionen mit Krankenhauskeimen, auf der Frühchenstation. Anders das Kinderkrankenhaus auf der Bult, das seine Kinderärzte nach Hameln ausleiht: Dort sei vor 20 Jahren auch eine Station geschlossen worden, nachdem etliche Frühgeborene am Keim enterobacter cloacae erkrankt waren, erinnert sich von Blanckenburg, ebenfalls Entsandter der Bult.

Die Hygiene am Sana-Klinikum wird nicht nur im Rahmen des eigenen Qualitätsmanagements überprüft. Das Gesundheitsamt des Landkreises kontrolliert als zuständige Aufsichtsbehörde das Krankenhaus im Zweijahresrhythmus, zuletzt im April 2011. Wird ein bestimmter Keim in einem zusammenhängenden Zeitraum an mehr als einem Patienten festgestellt, muss das Krankenhaus den Befall unverzüglich an das jeweilige Gesundheitsamt melden. Dass das in Bremen nicht passierte, verstößt gegen die Vorschrift.

Als weiteres Instrument, mittels dem die Versorgungsstandards überprüft werden, dient die Teilnahme an der Neonatal- und Perinatalstudie, die niedersachsenweit erhoben wird, erklärt von Blanckenburg. Die Neonatologie befasst sich mit dem Frühgeborenen und dem kranken Neugeborenen, die Perinatologie mit der Schwangeren und dem Kind kurz vor, während und kurz nach der Geburt. Im Vergleich mit anderen Kliniken in Niedersachsen habe das Hameln-Pyrmonter Klinikum für das Jahr 2010 „im grünen Bereich“ gelegen, wenn es um die Überlebensraten der Frühchen geht, sagt von Blanckenburg. Vier Hinweise dagegen habe es gegeben, „wo laut Datenlage Verbesserungen“ möglich waren. Dabei sei es um das Management im Kreißsaal bei „vier sehr besonderen Fällen“ gegangen, die nicht zur Routine gezählt hätten. Folge: Die Prozesse wurden laut von Blanckenburg entsprechend überarbeitet.

Als dritte Maßnahme zur Optimierung der Frühchen-Versorgung in neonatologischen Intensivstationen nimmt das Krankenhaus an dem Projekt NEO-KISS teil, einem Vergleichs- und Überwachungssystem, für das bundesweit Daten gesammelt werden. Werden dabei Probleme deutlich, gibt es Hinweise an die Beteiligten.

Integraler Bestandteil der Hygienemaßnahmen: die Hand-Hygiene. Für Ärzte und Pfleger ist sie das A und O, und auch Eltern der Frühchen werden „intensiv eingewiesen“. Eine Neuerung hat das Sana-Klinikum vor zwei Wochen eingeführt und folgt damit einer neueren Empfehlung des Robert-Koch-Instituts bezüglich Anal- und Rachenabstrichen, erzählt von Blanckenburg. Um grundsätzlich die Gefahr von Resistenzen einzuschränken, würden Behandlungen mit Antibiotika bei Frühchen höchstens eine Woche lang vorgenommen. Und: „Wir haben nur zwei festgelegte Antibiotika“, sagt der Chefarzt, und nicht eine ganze Batterie.

Die Anzahl der Frühgeborenen, die in den vier zur Verfügung stehenden Intensivstationen aufgepäppelt werden, ist überschaubar: sechs im vergangenen Jahr, manchmal seien es nur zwei, die meisten (15) habe das Krankenhaus 2009 gezählt. Zwischen drei und fünf seien es in der Regel.

Der kleine Yannik kam schon in der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt und wird jetzt auf der Kinderintensivstation des Sana-Klinikums betreut. Kinderkrankenschwester Ulla Cocconi-Bchirauf versorgt ihn mit lebenswichtigen Nährstoffen. Yanniks Zustand wird rund um die Uhr überwacht.

Foto: hx

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