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Dicke Luft an der Deisterstraße: Stadt erhält mahnenden Brief vom Landesumweltministerium

Hameln überschreitet Grenzwert für Stickoxidbelastung

HAMELN. Die Stadt wird in absehbarer Zeit ihren sogenannten Luftreinehalteplan überarbeiten müssen. Im Hamelner Rathaus ist Post aus dem niedersächsischen Umweltministerium angekommen. Es geht, wie wohl nicht anders zu erwarten war, um die Schadstoffgrenzwerte, die in Hameln seit Jahren gerissen werden. Das Schreiben aus Hannover enthält die Verpflichtung an die Stadt, den Stickoxidgehalt in der Luft zu mindern.

veröffentlicht am 10.08.2017 um 16:11 Uhr

Viel Verkehr in drei Spuren: ein alltägliches Bild auf der Deisterstraße. Foto: dana
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Die einzige Messstation in der Stadt, ein sogenannter Luftqualitätsmesser der niedersächsischen Gewerbeaufsicht, der an der viel befahrenen Deisterstraße den Schadstoffausstoß registriert, weist seit 2010 Werte auf, die beim Verbrennungsprodukt Stickoxid im Jahresmittel regelmäßig die zulässige EU-Grenze von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschreitet. Die Gewerbeaufsicht hat auch bestimmt, an welcher Stelle diese Anlage misst. An der Deisterstraße waren die „kritischsten Werte“ für Hameln zu erwarten, so ein Stadtsprecher.

Wie sich die Grenzwerte dort einhalten lassen, darüber lässt sich gewiss streiten. Hermann Aden sagt: „Das einzige, was helfen würde, wären Fahrverbote.“ Um sogleich den entscheidenden Satz nachzuschieben: „Wir wollen uns aber nicht über Fahrverbote unterhalten.“ Die Verwaltung in der Zwickmühle?

Kurzfristig wären in Hamelns Innenstadt Fahrverbote für Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß sicher „das einfachste“, sagt der Verkehrsexperte Dr.-Ing. Norbert Handke. Auf lange Sicht helfe wohl nur eine Verkehrsumgehung des Stadtgebiets.

Diesen Luftqualitätsmesser ließ das Land an der Deisterstraße aufhängen. Foto: dana

Dass an der Deisterstraße die EU-Grenzwerte regelmäßig überschritten werden, ist kein Wunder, meint Handke. „Ein bisschen ungünstig“ nennt er den Standort der einzigen Hamelner Messanlage. Die Häuserschlucht und die relativ enge Straße sorgten dafür, dass sich Stickoxide eben nicht so leicht verflüchtigten. „Die Konzentration ist an dieser Stelle höher als dort, wo es lockerere Bebauung gibt.“

Handke ist überzeugt, dass irgendwann auch flächendeckend die „blaue Plakette“ für Kraftfahrzeuge diskutiert wird. Dann dürften nur noch Autos und Lkw mit geringen Schadstoffemissionen durch die Innenstädte fahren. Durch die Abgas-Skandale der deutschen Autobauer ist die Diskussion neu entbrannt.

Doch eine Parallele zwischen Diesel-Affären und Schadstoff-Grenzwerten zu ziehen, ist aus Handkes Sicht falsch. „In den letzten 20 Jahren sind die Schadstoffe der Verbrennungsmotoren um rund 90 Prozent reduziert worden“, sagt er. Was Hamelns Deisterstraße betrifft, so könnte laut Handke eine „grüne Welle“ an den Ampeln helfen. Das verhindere zumindest „Stop-and-Go“-Verkehr und reduziere damit den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge.

Großes Thema ist in Hameln auch weiterhin die Verbesserung der Ampelschaltungen. Wie Ralf Wilde, Fachbereichsleiter Umwelt und technische Dienste, berichtete, werden die Ampeln im Moment noch nach einem festgelegten Muster geschaltet. Die Ampeln reagieren derzeit also noch nicht auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen. Sogenannte intelligente Schaltungen können ebenfalls dazu beitragen. Die Stadt steckt diesbezüglich noch in den Planungen.

Hameln ist neben Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Oldenburg und Osnabrück eine von sieben Kommunen in Niedersachsen, in denen die Stickoxid-Grenzwerte in 2016 überschritten wurden. Im Osnabrücker Rathaus ist man zum Beispiel „mit dem Latein am Ende“, wie es kürzlich in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zu lesen war. Auch dort wird an viel befahrenen Durchgangsstraßen Werte ermittelt, die knapp über dem EU-Grenzwert liegen.

Mein Standpunkt
Lars Lindhorst
Von Lars Lindhorst

Eine einzige Messstation für die gesamte Stadt, dazu an einer der meistbefahrensten Straßen – das suggeriert, dass ganz Hameln wegen mieser Luft förmlich ersticken müsste. Das ist gewiss nicht der Fall. Aber die Debatte um Diesel-Skandale und Fahrverbote setzt auch die kleineren Kommunen mehr und mehr unter Zugzwang. Doch der Handlungsspielraum in den Provinzen ist eher gering. Es braucht „große Lösungen“ – mehr Initiative für Elektromobile zum Beispiel. Oder mag mal ein Politiker wieder die Abwrackprämie ins Spiel bringen? Ist ja gerade Wahlkampf.



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