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Hameln testet für Deutschland "grüne Landstraße"

veröffentlicht am 02.08.2009 um 16:07 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Hameln/Dresden (mafi). Können dreispurige Landstraßen in Deutschland durch grüne Farbe auf dem Asphalt sicherer gemacht werden? Diese Frage werden Experten der Technischen Universität Dresden jetzt auf der Ortsumgehung Wehrbergen der Bundesstraße 83 untersuchen. Während der heute beginnenden Markierungsarbeiten auf der neuen Straße wird deshalb die Mitteltrennung zwischen beiden Richtungen im ungewohnten Farbton „Verkehrsgrün“ gestaltet. Danach wollen die Wissenschaftler durch unauffällige Verfolgungsfahrten das Verhalten der Verkehrsteilnehmer dokumentieren und mit dem auf herkömmlich gestalteten Straßen vergleichen. 

 

Wenn es künftig auf deutschen Landstraßen seltener schwere Unfälle und weniger Todesopfer geben sollte, dann haben die Hameln-Pyrmonter und ihre motorisierten Gäste dazu einen Beitrag geleistet. „Es geht darum, die Fahrtrichtungstrennung sicherer zu machen“, erklärt Markus Brockmann vom Hamelner Geschäftsbereich der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Wehrbergen“ sei Teil umfangreicher Überlegungen und Versuche, mit der die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) neue Richtlinien für die Anlage von Landstraßen erarbeiten lasse. Professor Günter Weise von der Technischen Universität Dresden, der die von der Bast berufene wissenschaftliche Kommission leitet, kündigt „verkehrstechnische Messungen“ auf der Pilotstrecke bei Wehrbergen an: „Wir überprüfen mit moderner Technik zum Beispiel das Spur- und Fahrverhalten sowie die Geschwindigkeiten.“ Geklärt werden soll, ob der Mittelstreifen seltener überfahren wird, wenn er farblich gestaltet ist. Ein Vorteil der B 83 sei, dass ohne großen Aufwand ein direkter Vergleich zu dem Fahrverhalten auf den etwas älteren Abschnitt zwischen Fischbeck und Hessisch Oldendorf gezogen werden kann, sagt Brockmann. Auf der Kreisstraße 88 zwischen Fischbeck und Höfingen wurden im vorigen Jahr wichtige Erkenntnisse zur Gestaltung ländlicher Nebenstraßen gewonnen. Dort stellten Experten der Technischen Universität Berlin fest, dass schmale Landstraßen sicherer werden, wenn sie statt der Mittellinie gestrichelte Markierungen 75 Zentimeter links vom Fahrbahnrand erhalten. Durch diese Leitlinien vergrößere sich der Seitenabstand zwischen zwei Autos, die sich begegnen; die Geschwindigkeit sinke zudem um zehn Stundenkilometer.
 Die K 88 wie auch die B 83 sind damit Beispiele für die künftig vier Arten von Landstraßen in Deutschland, die die Fachleute anstreben. „Wehrbergen“ steht für die Entwurfsklasse 1, das Komfortmodell, „Höfingen“ für die EKL 4, also untergeordnete Verbindungen, auf denen das Überholen laut Planung unerwünscht ist. Die Bundesanstalt sieht sich Beschlüssen der Europäischen Kommission von 2001 und der europäischen Verkehrsminister von 2003 verpflichtet, wonach die Zahl der Verkehrstoten in der EU bis zum Jahre 2010 von 50 000 auf 25 000 halbiert werden sollte. In Deutschland wurde 2008 mit 4467 Todesopfern der bislang niedrigste Wert erreicht. Zwei Drittel der Betroffenen starben auf Landstraßen und zumeist durch Abkommen von der Fahrbahn oder bei Überholvorgängen. „Die Ursachen hierfür liegen vorwiegend in nicht angepasster Geschwindigkeit oder in Fehleinschätzungen von Abstand und Geschwindigkeit der entgegenkommenden Fahrzeuge“, sagt Brockmann. Das neue Richtlinienkonzept wolle standardisierte Straßentypen schaffen, deren Elemente einen deutlichen Wiedererkennungseffekt haben. „Der Autofahrer soll dann intuitiv wissen, wie er sich zu verhalten hat, und seine Fahrweise entsprechend anpassen.“



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