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Hameln: Mit Brot, Met und Spielen ins Mittelalter

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:58 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Mystiva Hamelon

Hameln (kar). Brandgeruch liegt über der Altstadt. Vor den Zelten auf dem Pferdemarkt schwelen Lagerfeuer, lodern Holzscheite in Schwedenkörben. Jedes bisschen Wärme tut gut. Es ist bitterkalt in Hameln. Minus 11 Grad werden morgens gemessen. Das geht auch den Maiden, Rittern und Wikingern an die Nieren, die auf dem Mittelalter-Markt von Mystica Hamelon campieren. „Es war noch nie so kalt“, gesteht die lagererfahrene Beatrice vom Wesertal. Gemeinsam mit Eibe von dem Lindenhof, die im wirklichen Leben Diplomverwaltungswirtin ist, schnippelt sie Kohl für eine Mahlzeit, die über dem Feuer zubereitet wird.

Für die „Freie Söldnerschaft vom Banner des roten Adlers“ ist das Eintauchen ins Mittelalter eine Passion, die in der Freizeit gepflegt wird. Die Akteure wollen das Leben im späten 12. Jahrhundert geschichtsnah und lebendig darstellen. Waffenkunde und Schaukämpfe gehören dazu, Wundbehandlung und Zahnreißen, aber auch Gesang und Tanz. Und wenn’s nicht gar so eisig wäre, hätte der eine oder andere Ritter gewiss nichts gegen ein Bad im Badehaus gehabt. So aber ist die Taverne der populärere Ort.
 Das mittelalterliche Treiben rund um die Marktkirche und auf der Osterstraße lockt am Wochenende rund 100 000 Besucher in die Hamelner Altstadt. Schnee und eisiger Wind sind vergessen, als am Sonntag die Sonne mitspielt. Ausflügler aus nah und fern zieht es in die Stadt. Gebannt verfolgen Hunderte die Shows der Falkner aus dem Aatal.

Ein Magnet sind die Spiele aus „alten Tagen“ – das Eierknacken mit Boule-Kugeln oder das Mäuse-Roulette. Für Gilberts Flohzirkus braucht man gute Augen und viel Fantasie. Oder man lässt sich einfach nur verzaubern. Das urige, handbetriebene Riesenrad und das rustikale Kettenkarussell stehen kaum einmal still. Regelrecht umlagert sind Schmied und Böttcher: Selbst mal das Eisen schwingen oder einen Holzeimer herstellen – das hat was. An der Taverne ist schon ab morgens Betrieb. Der heiße Met kommt an. Und auch die „Seelen“ des Bäckers oder Junker Wilfrieds Spanferkel am Spieß munden: Bis zum Nachmittag hat der die vielen hungrigen Mäuler mit neun Schweinen und vier Schinken gestopft. Schaf- und Rentierfelle sind nicht nur bei Besuchern heiß begehrt.

 Als abends Wikinger und Rittersleut ihre Zelte ab- und in die Neuzeit aufbrechen, ist Stadtmanager Stefan Schlichte mit dem Erfolg von Mystica Hamelon rundum zufrieden: „Die Idee ist aufgegangen, alle gesteckten Ziele sind erreicht.“ Die Besucherresonanz sei durchweg positiv ausgefallen. „Das Konzept stimmt. Und dass wir keinen Eintritt nehmen, zahlt sich aus“, sagt Schlichte und glaubt anhand von Rückmeldungen, dass auch der Einzelhandel mit dem verkaufsoffenen Sonntag weitgehend zufrieden ist.



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