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Bekannte Witterungsregel gilt als zuverlässig / Vor einem Jahr gab es rekordverdächtige Wärme

Hameln hofft auf den Altweibersommer

Hameln. Die vergangenen Tage haben uns den Herbst schon recht nahe gebracht. Und auch am Wochenende zeigt sich das Wetter eher von seiner durchwachsen und unterkühlten Seite. So richten sich zum heutigen kalendarischen Herbstbeginn all unsere Hoffnungen auf den Altweibersommer, der im letzten Septemberdrittel und Anfang Oktober gewöhnlich die letzte Sommerluft des Jahres mit sich bringt.

veröffentlicht am 21.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

reinhard zakrzewski
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Neben dem Siebenschläfer ist der Altweibersommer der bekannteste Witterungsregelfall (meteorologisch Singularität) überhaupt und zudem noch sehr zuverlässig. Im Mittel fällt die frühherbstliche Schönwetterperiode nur jeden sechsten September aus.

Der Name „Altweibersommer“ rührt von den Spinnfäden her, an denen sich junge Spinnen mit dem Wind forttragen lassen. Nach dem Volksglauben sind die Fäden ein Werk von Elfen, Zwergen und mythischen Spinnerinnen wie Frau Holle oder der Jungfrau Maria (Marienseide).

Andere Völker haben zum Teil schönere Bezeichnungen für die frühherbstlichen Hochdrucklagen: So spricht man in Schweden vom „Birgittensommer“, in Frankreich vom „Theresiensommer“, in der Schweiz vom „Witwensömmerli“ und in Böhmen vom „Wenzelsommer“. In Nordamerika löst der „Indian Summer“ mit einer ähnlichen Wetterlage den Farbenrausch der Laubwälder aus.

Voraussetzung für einen warmen Altweibersommer ist ein stabiles Hochdruckgebiet über dem östlichen Mitteleuropa oder eine breite Hochdruckzone von den Azoren bis nach Osteuropa. Dann kann mit südlichen bis östlichen Winden trockene Warmluft herangeführt werden, die bei anhaltendem Sonnenschein noch Temperaturen über 25 Grad zulässt. Am anderen Ende der Skala sind in sternklaren und windschwachen Nächten auch leichte Bodenfröste möglich.

Da die atlantischen Tiefdruckgebiete den Norden Deutschlands meistens eher erreichen als den Süden, hält der Altweibersommer in Süddeutschland gewöhnlich länger durch. Nicht ohne Grund haben die Münchner ihr „Oktoberfest“ in die letzte Septemberwoche vorverlegt.

Buchstäblich ein Geschenk des Himmels war der Altweibersommer im vergangenen Jahr. Bei oft tiefblauem Himmel brachte es der Kreis Hameln-Pyrmont zwischen dem 25. September und 2. Oktober auf fünf Sommertage mit über 25 Grad, wobei das Quecksilber am 1. Oktober in Hameln mit maximal 27,7 Grad gleich noch einen neuen sagenhaften Monatsrekord anzeigte.

Nach einem derartigen Traumwetter sieht es im Moment zunächst nicht aus. Die Wetterumstellung ist aber in Arbeit. Einerseits zieht ein Tiefdruckgebiet ins Seegebiet westlich der Biskaya, andererseits steigt der Luftdruck über Osteuropa. Dazwischen kommt ab Montag über Deutschland eine warme südliche Strömung in Gang, mit der die Temperaturen deutlich anziehen. Zur Wochenmitte ist dann auch bei uns die 25-Grad-Marke in Reichweite. Weil wir dem Tiefdruckgebiet im Westen nahe bleiben, wechseln in der ersten Wochenhälfte wolkige und sonnige Abschnitte einander ab, wobei es aber meisten trocken bleibt.

Ob der Altweibersommer seinem Ruf bis zum Monatswechsel oder sogar darüber hinaus gerecht wird, ist noch völlig offen. Grund ist der Ex- Hurrikan „Nadine“ bei den Azoren. Er funkt mit seinem unberechenbaren Verhalten derzeit mächtig in die mittelfristigen Wettervorhersagen hinein. Aktuell deutet sich für das kommende Wochenende wieder kühleres und leicht wechselhaftes Wetter an.

Typisch für den Altweibersommer: filigrane Spinnennetze, nach dem Volksglauben ein Werk von Elfen.

Foto: Dana



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