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Umsätze brechen ein / Entlassungen drohen / Pharmatochter bekommt neuen Geschäftsführer

Hameln Group in der Krise

veröffentlicht am 02.04.2014 um 10:44 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:31 Uhr

Düstere Wolken: Die Hameln Group steckt in der Krise. Foto: fn

Hameln (TT). Das international tätige Pharma-Unternehmen Hameln Group steckt tief in der Krise: Nach Schwierigkeiten bei Produktion und Lieferung hat der Betrieb im Jahr 2013 Verluste eingefahren, Kunden und Aufträge verloren, aktuell brechen die Umsätze ein, es drohen Entlassungen. Infolgedessen gibt der Gesellschafter Christoph Kerstein die Geschäftsführung bei der größten und wichtigsten Konzerntochter, der Hameln Pharma, ab.

Kerstein räumt ein, dass die Lage des viele Jahre als Vorzeigebetrieb gefeierten Pharmaherstellers mit insgesamt 700 Beschäftigten ernst ist: „Die Zahlen deuten nach unten. Wir werden Mitarbeiter abbauen müssen.“ Zu den Fragen, wie viele Entlassungen es geben werde und wie hoch die Verluste im Jahr 2013 waren, heißt es nur: „Kein Kommentar.“

Kerstein betont, dass er Geschäftsführer der Konzernmutter Hameln Group bleibe und Gesellschafter ohnehin – doch für den Weg aus der Krise hat er sich Hilfe von außen geholt: Der „erfahrene Manager“ Torsten Förster ist als neuer Geschäftsführer bei der Hameln Pharma im Boot. Förster habe „bereits in anderen Unternehmen solche Wandelsituationen mitgemacht“. Kein Wunder: Förster gehört zum Beraterteam des Hamburger Unternehmens K&H Business Partner, das sich auf die Restrukturierung mittelständischer Unternehmen spezialisiert hat.

Nun soll Förster die Hameln Pharma umkrempeln und vor allem effizienter und produktiver machen. Was bisher nicht gelungen ist, und weshalb es in den letzten Wochen bereits zu Entlassungen gekommen ist.

Das aktuell größte Problem für die Hameln Group sind die in Europa und in den USA wegbrechenden Umsätze. Von dem ursprünglichen Ziel, 2014 den Umsatz um fünf bis sieben Prozent auf nahezu 100 Millionen Euro zu steigern, ist die Hameln Group weit entfernt. Ganz im Gegenteil: Die Umsätze sind im ersten Quartal bereits um zehn Prozent gesunken – was offenbar die Quittung für einen katastrophalen Lieferservice im Vorjahr ist. Die Sterilfabrik kam nicht wirklich ins Laufen, es gab technische Probleme, Maschinen fielen aus, ein Salzsäureunfall tat sein Übriges, die Produktion stockte, die Käufer mussten warten. Doch unter den Kunden der Hameln Group befinden sich viele Global Player, die es nicht verzeihen, wenn sie unpünktlich beliefert werden – „da gab es echt Ärger mit Kunden“, ist aus dem Unternehmen zu hören.

Ein zweites großes Problem hat die Hameln Group mit dem US-amerikanischen Markt: Die Behörde „Food and Drug Administration“ (FDA), die über Neuzulassungen von Medikamenten für den nordamerikanischen Markt befindet, hat alle seit 2012 aufgelaufenen Anträge der Hameln Group auf Eis gelegt. Der Grund: Die FDA hat Arbeits- und Produktionsprozesse in den Laboren und Fabrikeinheiten der Hamelner moniert. Solange hier keine Veränderung eintritt, wird die Hameln Group auf dem US-Markt mehr und mehr an Bedeutung, Umsatz und Erlös verlieren. Nach Einschätzung von Branchenkennern befindet sich die Hameln Group deshalb „in einer richtig kritischen Situation“.

Inhaber Kerstein, der den 1890 von seinem Urgroßvater als Apotheke gegründeten Betrieb seit Ende 2003 alleine leitet, gibt sich kämpferisch: „Hier wird nicht das Licht ausgehen, die Firma steht nicht zur Disposition. Mein Ziel ist es, den Betrieb als Familienunternehmen zu erhalten, ein Verkauf ist nicht mein Ziel.“



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