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2017 nur halb so viel Baugenehmigungen wie 2016 – Rathaus sieht keine Probleme

Hameln für Bauherren unattraktiv?

HAMELN. 44 Prozent der Deutschen besitzen ein Eigenheim, für den Rest gehören die eigenen vier Wände zu den größten Wünschen des Lebens. Die Stadt Hameln will attraktiver werden, um der abnehmenden Bevölkerungszahl entgegenzuwirken. Doch der Wille, hier zu bauen, hat im letzten Jahr eher abgenommen.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 16:35 Uhr

Im Hottenbergsfeld zog die Nachfrage zuletzt an. Mehr als 50 Grundstücke sind derzeit aber noch frei. Foto: haj

Autor:

HANNAH JASPER
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Im vergangenen Jahr wurde deutlich weniger in Hameln gebaut als in den Jahren zuvor. Noch 2015 und 2016 erteilte die Stadt jeweils 80 Baugenehmigungen für Häuser und Wohnungen, im letzten Jahr halbierte sich diese Zahl auf 43. Das geht aus einer Statistik der Hamelner Bauaufsicht hervor. In der Bau-Statistik treten immer wieder erhebliche Schwankungen von bis zu 60 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr auf. 1996 lag die Anzahl der genehmigten Wohnungsbauten bei einem Höchstwert von 424, schon ein Jahr später halbierte sich diese Zahl annähernd auf 238.

Die Stadt Hameln hat ihre eigene Sichtweise auf die aktuelle Statistik. Pressesprecher Thomas Wahmes sagt: „Man kann sagen, dass der Abwärtstrend bei Einfamilienhäusern seit 2010 gestoppt ist.“ Richtig: Seit 2010 liegt die Zahl der neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser stabil zwischen 25 und 36. Aber: Im Jahr 2000 waren es auch mal 200.

Information

Hier sollen Baugebiete entstehen

Bailey-Park: Hier sieht die Stadt eine Möglichkeit, das Baugrundstücksangebot auszuweiten. Es sollen neben Sozialwohnungen angrenzend zur Straße Hohes Feld vor allem Baugrundstücke für Wohnungen entstehen. Konkrete Aussagen, um wie viele Baugrundstücke es sich handeln soll, kann die Stadtverwaltung jedoch noch nicht treffen.

Riesackweg: Auch die Erweiterung des Baugebiets am Riesackweg nach Norden wäre möglich. Hier will die Stadt Bauplätze für Einfamilienhäuser anbieten. Doch auch für dieses Baugebiet hat die Stadt Hameln noch nichts Konkretes geplant.
Elisabeth-Selbert-Schule: Auf dem Schulgelände an der Thibautstraße wäre laut Stadt ebenfalls ein Baugebiet umsetzbar. Dieses Gelände würde frei, falls die Schule auf das Linsingen-Gelände zieht. Ob dann Ein- und Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen, weiß die Stadt noch nicht. Unklar ist ebenfalls, wann dieses Projekt konkret wird.

Im Wohnungssektor hat sich die Zahl der gebauten Einheiten von 2016 auf 2017 mehr als halbiert. Einen Überblick über den gesamten Grundstücksmarkt in Hameln hat das Rathaus nach eigener Aussage nicht. Die Stadt selbst vermarktet ausschließlich das Neubaugebiet „Hottenbergsfeld“ in Rohrsen. Die anderen Baugebiete liegen in privater Hand. Deshalb habe man keine Kenntnis über das restliche Angebot und somit auch keinen Gesamtüberblick, so der Wirtschaftsförderer der Stadt. Dennoch sei man überzeugt, dass die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen sei. Das Hottenbergsfeld sei „fast schon ein Selbstläufer“. Man habe mit 139 Vermarktungen von 191 Baugrundstücken innerhalb von 16 Jahren „ein starkes Ergebnis erzielt“. Es liefe „außerordentlich positiv, sogar besser als erwartet“. Mit dem Verkauf von 10 Grundstücken im letzten Jahr würden „die Grundstücke langsam knapp“. Es lägen aktuell 17 Reservierungen vor, sodass noch 35 Grundstücke ohne Interessenten sind.

Die Immobilienspezialisten von der Sparkasse Hameln-Weserbergland schätzen den Markt anders ein als die Stadt. Gerd Hundertmark, Leiter der Immobilienabteilung, sieht den Grund für die wenigen Baugenehmigungen im mangelnden Angebot. „Im letzten Jahr gab es wenig Baugebiete auf dem Markt und ein relativ geringes Angebot von Baugrundstücken.“ Die Sparkasse habe im vergangenen Jahr 30 Grundstücke im Stadtgebiet Hameln verkauft. „Und es sind weitere Flächen in Planung“, so Hundertmark.

Mein Standpunkt

Hameln hat genau die Probleme, die man als Kleinstadt im ländlichen Raum eben so hat heutzutage: viele Junge gehen, es gibt kaum Zuzug und zu wenig junge Familien. Eine Stadt, die diese Situation schönredet, hat nichts verstanden. Fakt ist: Es gibt zu wenig Möglichkeiten, sich hier niederzulassen, zu wenig Anreize dazu, zu wenig Baugebiete und Bauplätze, zu wenig Zukunftsperspektiven. Ja, es fehlt die strukturelle Idee. Das muss schnell geändert werden.

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