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Dietmar Buchholz weiß, was den Job so spannend macht

Hameln braucht Henker und Halunken

Hameln. Unvermittelt tritt er hinter einem Gebüsch hervor: Die Hände vor der Brust verschränkt, steht er breitbeinig in der Dunkelheit – der Henker. So Furcht einflößend ist sein Auftritt in der schwarzen Kutte und der über den Kopf gezogenen Kapuze, dass der kleinen Gruppe, hinter der er so überraschend auftaucht, der Schreck in die Glieder fährt. Die verschwiegene Anlage hinter dem Münster, die nur durch zwei Fackeln erhellt wird, ist ein gespenstischer Ort. Hier findet der Henker von Hameln die perfekte Kulisse, um von seinem Blut triefenden Handwerk zu erzählen. Wie er Menschen geköpft, gerädert, gehenkt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder lebendig begraben hat. Er, Meister Harmen, der Scharfrichter. Es hat ihn wirklich gegeben. Und die heute so grausam anmutenden Strafen auch.

veröffentlicht am 27.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Keiner weiß das besser als Dietmar Buchholz, der seit rund fünf Jahren bei den Erlebnisführungen der HMT in die Rolle des Henkers schlüpft. Sie ist dem 72-Jährigen, der seit 12 Jahren auch Stadtführungen macht, in Fleisch und Blut übergegangen. Und nicht nur die. Denn Buchholz, ein „waschechter Hamelenser“, spielt auch den Gendarmen. Die Doppelrolle macht ihm Spaß: Gemeinsam mit den „Halunken“ Bohdan Swiderski und Heiko Fuhrmann hat er sich damals intensiv auf seine Auftritte vorbereitet, seinen Text gelernt, Gestik und Mimik einstudiert, damit alles richtig unheimlich rüberkommt. „Meine Frau sagt manchmal sogar: Das war jetzt ein bisschen zu grausam“, schmunzelt er. Aber was er den Menschen des 21. Jahrhunderts bei der nächtlichen Führung „Henker, Hexen und Halunken“ aus dem finstersten Mittelalter in Hameln zu berichten weiß, ist ja auch grausam. „Ich versuche, über die Ausbildung bei der HMT mein Wissen über die Stadt unter die Leute zu bringen“, sagt Buchholz. Schulmeisterlich geht es bei ihm nicht zu: Bei den Stadtführungen ist er locker und humorvoll, als Gendarm vermittelt er seinen Zuhörern drastisch, wie einst Recht und Ordnung in der Weserstadt aussahen: „So war die Strafe für zänkische, schandmäulige Weibersleut, die ihre Männer schlagen, ein Ritt auf dem Schuldesel – rückwärts sitzend“, erklärt er. Wenn dann eine Frau aus der Gruppe besonders laut lache, sei sie dran. Und muss auf den Holzesel, der mitgeführt wird: „Auf dem Kopfsteinpflaster in der Große Hofstraße ist das eine echte Strafe.“ Zwischendurch greift immer wieder der Halunke ein, erzählen eine Roma oder eine Kräuterfrau Geschichten von früher, und am Ende ist es dann der Henker, der (verbal) zuschlägt: Dann berichtet er von dem Schiffsknecht, dem 1693 die Hand abgehackt wurde, weil er Käse gestohlen hatte. Oder von der Kindsmörderin Anneke Holemann, die 1593 lebendig begraben wurde. „Und die letzten Schreie von Cord Silemann hörte man am 16. Dezember 1652, als er auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt wurde“, erzählt Buchholz: „Silemann hatte 24 Leute und Vieh umgebracht.“ Die ehrenvollste Todesstrafe sei das Enthaupten gewesen.

Der Stoff,

aus dem die Gruselträume sind

Nein, romantisch war das Mittelalter nicht. Aber es bot den Stoff, aus dem die Gruselträume für Nachtschwärmer sind. Und von denen gibt es nicht wenige: Erlebnisführungen sind beliebt. Nicht nur bei Touristen, sondern auch für Betriebs- und Familienfeiern. Und da wären mehr Henker und Halunken für Hameln gerade recht. „Wir benötigen Verstärkung für Führungen in Fremdsprachen, für Führungen mit Kindern und für szenische oder Erlebnisführungen, zum Beispiel für Henker, Hexen, Halunken und Türmer“, erklärt Doris Müller: „Gästeführer können auch ihre eigenen Ideen einbringen und Führungen entwickeln“, wirbt die HMT-Mitarbeiterin für einen neuen Ausbildungskurs an der VHS, der am 15. Oktober startet und zirka fünf Monate dauert. Der Unterricht findet an Dienstagabenden und an einigen ganzen Samstagen statt.

Interessenten können sich per E-Mail mit Kontaktdaten, Altersangabe, und Infos zu speziellen Talenten und Kenntnissen (z. B. Fremdsprachen, Darstellendes Spiel, Pädagogik) sowie Angaben zur zeitlichen Verfügbarkeit bei Doris Müller melden unter hof-mueller@t-online.de, nähere Infos gibt es bei ihr auch unter Telefon 05157/239 oder 0172 8146730.

Seit rund fünf Jahren lehrt Dietmar Buchholz als Henker von Hameln nicht nur Touristen das Gruseln.Wal



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