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Erfolgreiche Präventionsmaßnahme von Drobs Hameln aber nur noch für 2015 finanziell gesichert

„HaLT“ gegen Alkoholmissbrauch

Hameln. „Vorglühen“ und „Komasaufen“ – eine Unsitte unter Jugendlichen, die überall in Deutschland um sich greift, auch in den Landkreisen des Weserberglandes. In Lörrach entstand als erster deutscher Stadt bereits im Jahr 2002 eine Gegenstrategie: die kommunale Alkoholprävention „Hart am LimiT“, kurz HaLT genannt, die seit dem Jahr 2012 unter Führung der Drogenberatungsstelle Drobs Hameln auch im Landkreis Hameln-Pyrmont durchgeführt und vom Landkreis finanziell gefördert wird. Anlass war auch hier eine alarmierende Zunahme der Klinikeinweisungen von Kindern und Jugendlichen aufgrund einer Alkoholvergiftung. Mit 72 Einweisungen fanden sie im Jahr 2010 einen unrühmlichen Höhepunkt. Verantwortlich für das Projekt, das auch im nächsten Jahr vom Kreis mit 49 800 Euro ausgestattet wird, ist bei Drobs Hameln die Sozialpädagogin und Suchttherapeutin Anka Knapp.

veröffentlicht am 05.01.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 16:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Wie funktioniert HaLT? Das Alkoholpräventionsprojekt ist eine sogenannte reaktive Maßnahme, die den Kontakt und die kurzfristige Beratung sowohl von Eltern als auch von Jugendlichen oder Kindern einschließt. Die jugendlichen Klienten dieses Moduls von HaLT kommen in Kontakt mit Drobs, wenn sie mit einer Alkoholvergiftung ins Sana-Klinikum eingeliefert wurden oder von der Polizei alkoholisiert aufgegriffen wurden. Aufgrund eines Kooperationsvertrages zwischen Drobs und dem Klinikum werden der Drogenberatungsstelle per Fax die Patienten benannt, sofern die Eltern der Betroffenen die Klinik von der Schweigepflicht entbinden. „Verweigern die Eltern diese Entbindung von der Schweigepflicht, erfahren wir nichts.“ Aber dann gebe es wenigstens ein Beratungsgespräch mit den Eltern und den Patienten in der Klinik. „Kommen die jungen Leute ins HaLT-Projekt, gibt es ein Beratungsgespräch mit den Eltern und kurzfristig drei Interventionsgespräche mit den Kindern oder Jugendlichen“, erläutert Anke Knapp das Vorgehen von Drobs. „Nach einem halben Jahr fragen wir dann nach, ob sich das Konsumverhalten geändert hat, was aus dem Umgang mit den Freunden und der Clique geworden ist und wie viel Alkohol getrunken wird.“ Die Reaktion der Eltern sei durch die Bank positiv: „Das war wirksam, es wird weniger exzessiv getrunken“, zitiert Knapp die überwiegende Zahl der Antworten. „Wir waren selbst erstaunt, dass die Intervention so wirksam war.“ Inzwischen wird dieser Baustein der Alkoholprävention auch von den Krankenkassen anerkannt und ein geringer Teil der Projektkosten übernommen.

Dass HaLT offenbar mit Erfolg durchgeführt wird, zeigen die sinkenden Fallzahlen. Bereits im Jahr 2013 hatte sich die Zahl der Einweisungen aufgrund einer Alkoholtoxikation im Vergleich zum Jahr 2010 auf 36 halbiert. In den ersten neun Monaten waren es nur noch 17 Patienten, die von Drobs beraten werden mussten, 16 von ihnen waren erstmals in die Klinik eingeliefert worden, nur ein junger Mensch wurde zum wiederholten Mal wegen Alkoholmissbrauchs behandelt.

Sana-Klinikum

und Polizei als Partner dabei

Dass auch die Polizei sich als Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt, ist in Niedersachsen eine rühmliche Ausnahme. „Wir werden deshalb in Hannover gern als Vorbild für HaLT-Projekte in anderen Städten angeführt“, berichtet Anke Knapp. Anders als bei der Kooperation mit Sana gehen die Informationen über die von der Polizei als „Alkomin“ (alkoholisierte Minderjährige) bezeichneten Jugendlichen, die aufgegriffen werden, nicht direkt an Drobs, sondern zunächst ans Jugendamt, wie Christa Strehler, die Verantwortliche für das Jugendkommissariat der Hamelner Polizei, berichtet. „Das ist eine Sache des Datenschutzes. Danach sind wir außen vor, es sei denn, es muss ermittelt werden, wer den Alkomins den Alkohol entgegen dem Jugendschutzgesetz verkauft hat.“ Allein in diesem Jahr griff die Polizei in den Kreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden 52 alkoholisierte Jugendliche auf – einen pro Woche. Jugendlichen unter 16 Jahren dürften überhaupt keine alkoholhaltigen Getränke verkauft werden, Jugendlichen unter 18 Jahren auch keine Spirituosen, warnt die Polizeibeamtin. „Im Ernstfall kann das teuer werden“, warnt Christa Strehler eindringlich. „Bei einem Kioskbesitzer, bei dem neulich ein Testkauf gemacht wurde, war vor etlichen Jahren mit einer empfindlichen Geldbuße belegt worden und reagierte auf den Kaufversuch mit den Worten: ,Bei mir nicht! Ich bin ein gebranntes Kind!’“

Mit dem Projekt HaLT wird nicht nur auf alkoholisierte junge Leute reagiert, sondern präventiv gehandelt. Hauptsächlich für Schulklassen gibt es den zweitägigen Präventionsworkshop „Tom & Lisa“, mit dem im Jahr 2013 rund 400 und in diesem Jahr 470 Schüler im Landkreis beraten wurden. Ziel des Workshops ist es, den Jugendlichen eine Art „Risikokompetenz“ im Umgang mit Alkohol zu vermitteln. Dass gegenwärtig diese Workshops nicht durchgeführt werden können, liegt nach Angaben von Anke Knapp daran, dass der Landkreis den Bewilligungsbescheid für 2015 erst vor wenigen Wochen erteilt hat. „Die Mitarbeiterin, die diese Workshops durchgeführt hat, hat wegen der daraus resultierenden Unsicherheit gekündigt und sich eine andere Stelle gesucht.“

Anke Knapp sucht jetzt für Drobs einen Sozialpädagogen mit dem Schwerpunkt Präventionsarbeit. Die Stelle ist allerdings nur für 2015 gesichert, denn das HaLT-Projekt wird aus Mitteln des sogenannten Sana-Topfes finanziert, der von 2016 an gemäß einem Kreistagsbeschluss vom Dezember 2013 dann nur noch für die Finanzierung von Schulsozialarbeit verwendet werden soll.



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