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Heiligabend in der Kirche: Wie Hamelner Pastoren die Weihnachtsbotschaft in ihre Gemeinden tragen

Hallo, Bethlehem! Wir schalten zum Schauplatz

veröffentlicht am 23.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Hameln. „Hallo Bethlehem – Bethlehem, bitte melden!“ Die Liveschaltung zum Reporter steht, gleich gibt’s den aktuellen Lagebericht, wird das Geschehen kommentiert. Eine mittellose Migranten-Familie ist in Bethlehem gestrandet, die junge Frau hat gerade ein Kind zur Welt gebracht. „Würden Sie sich dieser Familie annehmen?“, lautet die provozierende Frage des Berichterstatters vor Ort. Die Schaulustigen sind ratlos: „Ja, wenn wir gewusst hätten, dass das Jesus ist, hätten wir anders reagiert...“, werden sie später sagen.

Eine Szene aus einem Krippenspiel, die sich so oder ähnlich heute gegen Abend in der Kirche von Hilligsfeld abspielen wird. Kinder und Konfirmanden nehmen dort die Weihnachtsgeschichte zum Anlass, nachzufassen, tiefer zu bohren, auszuloten, wie es um unsere Toleranz, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft bestellt ist: Humanität auf dem Prüfstand. „Wir wollten nicht das übliche Krippenspiel inszenieren“, sagt Pastor Jürgen Harms. Die aktualisierte Geschichte von Christi Geburt soll der Gemeinde das Krasse der Situation vor Augen führen. Hätten wir heute ein Herz für die Flüchtlinge gehabt und sie untergebracht?

Zwar macht die Kirche beileibe nicht nur zum Weihnachtsfest mobil – doch die Feiertage bieten die Chance, mehr Menschen zu erreichen als sonst. „Heiligabend kommt mindestens das Dreifache an Gottesdienstbesuchern“, weiß Harms, vermutet: „Weil’s dazugehört“, räumt aber auch ein: „Viele haben das ganze Jahr so viel um die Ohren, dass sie nur Weihnachten zur Ruhe kommen.“ Weihnachtsriten seien heutzutage oft so sinnentleert, dass viele die Kirche für ihren seelischen Frieden zum Fest brauchen. Und so wird Pastor Harms, wenn er von Hilligsfeld nach Rohrsen weiterfährt, auch dort einen Heiligabend-Gottesdienst feiern, der den üblichen Rahmen sprengt: auf Strohballen in einer Dorfscheune, lebende Schafe inklusive. Der Stall von Bethlehem – hier rückt er zum Greifen nah. Auch hier wird gegen den Strich gebürstet, wird das klassische Weihnachtsbild zu einer Collage verfremdet, die neue Aspekte aufgreift.

Christi Geburt – ein aktuelles Thema, das auf vielerlei Arten aufbereitet werden kann und von den Pastoren auch wird. „Falsch können wir damit nicht liegen“, sagt Superintendent Philipp Meyer. Die Festgottesdienste verzeichneten seit 10 bis 15 Jahren deutlich wachsende Besucherzahlen: „Dabei spitzen sich die Besuche immer stärker auf Heiligabend zu“, hat Meyer festgestellt: „Den Andrang können wir kaum noch bewältigen.“ Immer mehr Gottesdienste werden deshalb zum Heiligen Abend angeboten.

Die Erwartungen seien breitgestreut, so Meyer: „Wir bedienen sie mit unterschiedlich strukturierten Gottesdiensten.“ Vom Krippenspiel am Nachmittag über den traditionellen Gottesdienst mit Orgel oder auch Blechbläsern bis hin zum weihnachtlichen Kantatengottesdienst mit meditativem Charakter, Chor, Orchester und Solisten wird die Weihnachtsbotschaft in vielen Facetten in die Gemeinden getragen. Spielraum für neue Ansätze und aktuelle Interpretationen gibt es genug. Der „Kernpunkt im Gottesdienst“ aber bleibt für Meyer die Predigt: „Da muss ich die Zuhörer packen. Da darf ich ruhig auch provozierend sein, das ist sogar nötig“, sagt der Superintendent.

Die „persönliche Stärkung“, die Pastor Thomas Risel heute in den Mittelpunkt seiner Weihnachtsbotschaft stellen wird, liegt auch Meyer am Herzen: „Es kommen viele, weil sie Zuspruch suchen, weil sie getröstet werden wollen.“ Einsamkeit breche sich zu Weihnachten stärker Bahn als sonst; denn: „Die Gesellschaft kommt Heiligabend zur Ruhe wie sonst im ganzen Jahr nicht“, sagt Meyer.

Die Weihnachtsgeschichte so zu erzählen, dass zugehört (und zugeschaut) wird – das wünschen sich am heutigen Heiligen Abend alle Pastoren. Und so wird auch das Krippenspiel nachmittags in der Marktkirche ein modernes Spiel sein, bei dem es um Licht und Sterne geht. „Fünf Kontinente wetteifern um das beste Licht“, sagt Pastor Risel und erklärt die Inszenierung als „himmlische Märchengeschichte, die vom Üblichen abweicht“. Das Licht im Dunkeln – das ist auch für Superintendent Meyer die eigentliche Weihnachtsbotschaft.



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